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Periodical volume 21. Januar 1893, No. 17.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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vergebens bemüht, der Macht des Todesstoßes zu begegnen, 
während rechts Brennus, der Ahnherr und das Haupt des 
Hauses Brandenburg, die in Trauer gesenkte Stirn auf die 
Rechte stützt. Am unteren Ende neigt der Todesengel seine 
Fackel zur Erde. 
Dem Gedächtnis der Königin Luise ist gleichfalls der von 
-Schadow im Jahre 1809 gefertigte Marmor - Altar auf der 
Luisen-Jnsel im Berliner Tiergarten gewidmet, der auf An 
regung des Philologen Fr. Aug. Wolf von den Eigentümern 
der Häuserreihe im Tiergarten zur Kundgebung ihrer Freude 
über die Rückkehr des Königspaares nach Berlin errichtet 
wurde. An diesen Altar knüpft sich die im Volke lange ver 
breitete Sage, daß das Herz der Königin darunter begraben sei. 
Ein ovales Porträtmedaillon der Königin Luise (stehe 
Abbildung Seite 285), von Heinrich Bettkober im Jahre 1798 
gefertigt, 26 oru hoch, 21 cm breit, ist als Gipsabguß vielfach 
verbreitet und zeigt die jugendliche Königin gleichfalls mit der 
Binde unter dem Kinn. 
Aus demselben Jahre stammt ein Marmor-Medaillon 
von Schlott, im Hohenzollern-Museum zu Berlin in ähnlicher 
Auffassung. 
Ein anderes Marmor - Relief im Neuen Palais bei 
Potsdam stellt die Königin zusammen mit ihrem hohen Ge 
mahl dar. 
Von der Meisterhand Wichmanns haben eine Büste sowie 
die Figur der Königin als Urania, mit der Erdkugel in der 
Hand, in Gips, im Hohenzollern-Museum zu Berlin Auf 
stellung gefunden. 
Auf der Ausstellung der Akademie im Jahre 1806 be 
fand sich ein Gipsmodell von Bardou, die Königin zu Pferde 
als Chef eines Dragoner-Regiments darstellend. 
Eine Broncebüste der Königin nach Chr. Friedr. Tieck 
ist auf Charlottenhof bei Potsdam unter einem dorischen 
Baldachinbau am Pavillon bei der Hofgärtnerwohnung auf 
gestellt. 
Ferner schmückt eine Marmorbüste der Königin von Chr. 
Dan. Rauch einen ihr zum Andenken errichteten Portikus auf 
der Pfaueninsel. Weitere Porträlbüsten der Königin aus den 
Jahren 1804 und 1816 befinden sich im Hohenzollern-Museum 
zu Berlin. 
Die am meisten bekannte plastische Darstellung der Königin 
Luise ist das ebenfalls von Rauch gefertigte, im Jahre 1815 
aufgestellte Marmordenkmal im Mausoleum zu Charlottenburg. 
Dieses edle Werk stellt die Königin auf einem Sarkophage 
schlummernd dar und entspricht, abgesehen von der Aehnlich- 
keit der Gesichtszüge, ganz dem Charakter der Unvergeßlichen. 
Rauch führte die ihm vom König Friedrich Wilhelm IH. 
gewordene großartige Aufgabe mit Treue und Gewissenhaftig 
keit aus und gab sich der Erledigung derselben mit einem 
wohl begreiflichen Enthusiasmus hin. Das Modell wurde in 
Marmor in Rom und das Denkmal selbst, welches den Meister 
ruhm des Künstlers begründete, in den Jahren 1812 und 1813 
ebenfalls in Italien ausgeführt. 
Weniger bekannt dürfte das Schicksal des vollendeten 
Künstlerwerkes sein, welches auf einem unter englischer Flagge 
fahrenden österreichischen Fahrzeuge von einem amerikanischen 
Kaper im Kanal erbeutet wurde. Von einem englischen Kaper 
bei Cadix wiedergewonnen, wurde es nach Jersey gebracht 
und verkauft, wieder erstanden und auf der Brigg „The Spy" 
von der englischen Regierung am 1. Mai 1815 nach Hamburg 
gesandt, wodurch dieser schönen Arbeit auch noch eine geschicht 
liche Merkwürdigkeit verliehen worden ist. 
Ein zweites ähnliches Marmordenkmal der Königin Luise 
von Rauch ist im Antikentempel im Park von Sanssouci, in 
der Nähe des Neuen Palais bei Potsdam, aufgestellt. Die 
Königin ist hier ebenso wie im Charlottenburger Mausoleum 
in ganzer Figur liegend und schlummernd in griechischer Ge 
wandung, geschmückt mit dem Diadem, dargestellt. 
Nachdem der große Meister das Charlottenburger Denkmal 
vollendet hatte, rühmte alle Welt dasselbe, und auch der 
König Friedrich Wilhelm III. sprach seine volle Zufriedenheit 
aus. Nnr der Künstler selbst war von seinem Werke nicht 
befriedigt- sein Künstlerauge allein hatte Mängel daran ent 
deckt. Rauch fertigte daher kurz nach der Aufstellung des 
Denkmals im Charlottenburger Mausoleum ein zweites Modell 
ganz im Geheimen, so daß selbst seine Schüler nichts davon 
wußten. Nach fast zwölfjähriger Arbeit war dies zweite Werk 
im Jahre 1827 vollendet. Es zeigt gegen das erste Modell 
einige Veränderungen. So ist der Kopf der Königin etwas 
zur Seite geneigt, die Hände find anders gefügt, und das 
Gewand hat eine andere Gestaltung; auch ist es in Lebens 
größe gehalten, während das erste Werk V 2 Fuß über Lebens 
größe ausgeführt ist. Der Unterschied beider Kunstwerke ist 
äußerlich wenig bemerkbar, und doch ist das zweite Modell 
von höherer ästhetischer Bedeutung und von mächtigerem Ein 
druck. 
Rauch hoffte, daß seine jüngste, bis 1830 von ihm eben 
falls in Marmor hergestellte Schöpfung an ©teile der früheren 
im Charlottenburger Mausoleum aufgestellt werden würde. 
Der König ließ es jedoch nicht zu, obgleich er ebenfalls der 
letzten Arbeit des Meisters seine vollste Besriediguttg nicht 
versagte. Das erste, ihm lieb. und wert gewordene Denkmal 
war über der Gruft der Unvergeßlichen im schmerzvollen An 
gedenken an den unersetzlichen Verlust nun einmal zur Stelle 
geweiht worden. 
Es war schwierig, einen anderen passenden Standort für 
das letztgeschaffene Denkmal Rauchs zu finden, bis Friedrich 
Wilhelm IH. entschied, daß als wohl geeignet der Antiken 
tempel zu Sanssouci dazu gewählt werde, wo es. seit 1830 
ausgestellt, noch fortgesetzt mit pietätvoller Verehrung für die 
Königin Luise die Bewunderung aller Besucher erregt. 
Die Büste der Königin in schlafender Lage nach dem 
Charlottenburger Original wurde von Rauch mehrmals ge 
fertigt und im Jahre 1834, am Todestage der Königin, im 
Sterbezimmer zu Hohen-Zieritz auch vom Künstler selbst auf 
gestellt. Unter den Vorräten des Rattch-Musertms in Berlin 
befindet sich ein weiteres Marmorexemplar derselben Büste, 
über dessen frühere Bestimmung nichts bekannt ist. Ein Gips 
abguß dieser Büste ist aus dem Nachlaß des 1882 in Potsdam 
verstorbenen General-Arztes vr. Puhlmann dem Märkischen 
Provinzial-Museum zu Berlin überwiesen worden. Diese Büste 
ist insofern von Interesse, als sie einer von den vier Abgüssen 
ist, welche Rauch auf Befehl des Königs für die vier Kammer 
frauen der Königin fertigte. 
Aus neuerer Zeit stammt zttnächst das allgemein bekannte 
Marmorstandbild der Königin von Erdmann Encke im Berliner 
Tiergarten, nach der darauf angebrachten Inschrift von ihren 
Verehrern dem Kaiser Wilhelm zum 22. März 1877 gewidmet
        
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