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Periodical volume 21. Januar 1893, No. 17.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

Unter Mitwirkung 
r. H. DrendicKo, Theodor Fontane, Stadtrat 
Food. Meyeo, Gymnasialdirektor vi>. M. Srtfwaoi; und Ernst v. Wttdendourti, 
herausgegeben von 
Friedrich LMeffen und Richard George. 
YTT- 
Zahrgang. 
M 24. 
Der „Bär" erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch jede Postanstalt (No. 709), Buchhandlung und 
Zeitungsspedition für 2 Ulk. 50 Pfg. vierteljährlich zu beziehen. 
11. Mari 
1883. 
hvrni unS Treue. 
Historischer Roman auS der Zeit der 7 jährigen Krieger von E. A. non Dodonooth. 
(10. Fortsetzung.) 
W^oni war schöner als je in diesem Augenblicke; es lag ein 
Hauch der Romantik in dem Gedanken, ihre Farben an 
seine Brust zu stecken, für das Recht der Beleidigten zu kämpfen, 
und wo die Begierde flammt, wo die Eitelkeit nach dem er 
sehnten Triumphe hascht, wo das Blut wild erregt durch die 
Adern rollt, da ist von Ueberlegung keine Rede mehr. Hoch 
erglühend und wie von Begeisterung für das schöne Weib er 
griffen, beugte Robert das Knie! 
„Ich schwöre, Ihre Farben als treuer Ritter zu tragen," 
rief er, „gebieten Sie über mich wie über Ihren Sklaven!" 
Toni löste eine Schleife von ihrem Busentuch und steckte 
sie dem Kittenden an die Brust. Es blitzte ein Strahl des 
Triumphes aus ihren Augen. 
„Verlassen Sie mich jetzt" sagte sie mit bebender Stimme, 
als sei sie selbst ihrer Gefühle nicht länger Meister, „ich laffe 
Ihnen bis morgen Zeit, mir die Schleife zurückzusenden, wenn 
Ihr Wort Sie gereut. Gehen Sie — ich muß allein sein 
— morgen sprechen wir uns wieder!" 
Robert gehorchte, auch ihm mochte es willkommen sein, 
diese Scene beendet zu sehen und das Geschehene überdenken 
zu können, da die Gegenwart des Obersten ihn doch daran 
hinderte, sich so frei zu ergehen, wie er das gewünscht hätte. 
Die Anwesenheit des alten Herrn war für ihn peinlich und 
störend, obwohl der Oberst sich zuletzt als schweigender, stau 
nender Beobachter verhalten hatte. Toni las es aus den 
Mienen ihres Vaters, als Robert sie verlassen, welche Er 
klärung er von ihr forderte, um nicht völlig irre an ihr zu 
werden. Ihr Antlitz ward plötzlich sehr ernst; es legte sich 
ein düsterer Schatten darüber. 
„Ja, Vater," sagte sie, zu ihm tretend und ihren Arm 
auf seine Schulter legend, „ich werde entweder ein Weib sein, 
das sich in dieser Stunde verkauft hat, oder ich werde einen 
Schurken entlarven. Ich werde mein Wort halten; wird er 
der Rächer unserer Ehre, so will ich ihm angehören; denkt er 
mich zu betrügen, so will ich seine Ehre durch einen Pfuhl 
der Schande zerren, den selbst der Mantel Brühls nicht ver 
decken soll. Laß mich gewähren, mein Vater!" 
Der alte Herr schaute sorgenvoll trübe drein, aber er 
widersprach nicht; wo das Schicksal mit so rauher Hand den 
Frieden eines Menschendaseins zerstörte und Leidenschaften in 
einer Brust erweckte, die ihr ganzes Sinnen und Trachten wie 
mit einem Schlage verwandelte, wo das gefolterte Herz sich 
selber einen Weg suchte, der Verzweiflung zu entgehen, da 
mußte er schweigen. 
7. Kapitel. 
Robert v. Berlet war zu Mute wie einem Berauschten, 
als er das Haus des Obersten verließ, wie jemandem, dem 
es nicht klar ist, was er im Taumel der Sinne begangen hat, vor 
dessen Seele sich sarbenschöne und düstere, verführerische und 
drohende Bilder bunt durcheinander drängen. Sein Weg führte 
ihn bei einem freien Platze in der Nähe des Miltizschen Hauses 
vorbei, den Reitwege umgaben und durchkreuzten. Es wurden 
hier von Kavalieren und Reitkundigen aller Art fortwährend 
Pferde zugeritten. Liebhaber von Pferden und Kauflustige 
schauten dem Sport mit Kennerblicken zu. 
Robert war zu sehr mit anderen Gedanken beschäftigt, um 
heute Interesse für das Schauspiel auf dem Reitplätze zu 
hegen. Er war schon beinahe an dem Platze vorüber ge 
gangen, ohne zu beachten, daß derselbe heute ungewöhnlich 
belebt war, da erweckte ein lautes Beifallsgeschrei seine Auf 
merksamkeit. Als er nach der Ursache desselben schaute, sah
        
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