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Periodical volume 4. März 1893, No. 23.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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Kriegen des 15. und 16. Jahrhunderts in Aktion traten. So 
wird erwähnt, daß Gustav Adolf, um rasche Nachrichten zu 
erhalten, sich vielfach geübter Ski- (Schneeschuh-)Läufer bediente. 
Karl XII. läßt, als ihm ein Vordringen mit seiner ganzen 
Heeresmacht nach Norwegen infolge des hohen Schnees nicht 
möglich ist, kleine Abteilungen Skiläufer gegen den Feind 
manövrieren, und denselben fortgesetzt beunruhigen. Zu Beginn des 
18. Jahrhunderts wurde in Norwegen in einem Reskript die 
Errichtung besonderer Schneeschuh-Läufer-Kompagnien bestimmt. 
Es heißt in diesem vom 11. Dezember 1710 datierten Reskript, 
daß diese Kompagnien „aus den besten und raschesten Männern, 
die in den Regimentern zu finden seien und gutwillig und 
mit frischem Mut sich dazu hergeben wollen", bestehen sollen. 
Diese Männer sollen sogleich mit neuer Ausrüstung versehen 
werden, jeder soll das Traklement eines Gefreiten erhalten 
Die Kriegsführung hat sich infolge der Vervollkommnung 
unserer Schießwaffen wesentlich umgestaltet. Der Nahkampf 
und damit mehr oder minder der Kamps des einzelnen gegen 
den einzelnen hat sich in einen Fern- und Manöverkampf ver 
wandelt. In der Ausnutzung der Positionen, in der raschen 
Beweglichkeit der Massen, sie zur rechten Zeit am rechten 
Platze zu haben, beruht heute ein wesentlicher Teil der 
Kriegsführung. „Die Festungen haben das Wesentlichste 
ihrer Bedeutung an die Eisenbahnen abtreten müssen". Dies 
Wort kennzeichnet am besten die neuere Strategie, die 
von dem Klassiker derselben in Theorie und Praxis, von 
Moltke, eingeführt worden ist. Nichtsdestoweniger oder gerade 
weil rasche Beweglichkeit ein Hauptprinzip der modernen 
Heeresführung geworden ist, haben die Schneeschuhe nichts an 
ihrer Bedeutung für Kriegszwecke zur Winterszeit verloren. 
ProuMsÄffe Truppen auf Schneeschuhen. 
Nach einer photographischen Aufnahme. 
und nach Beendigung des Krieges sofort entlassen werden. 
Im Jahre 1747 erhielten diese Abteilungen von Schneeschuh 
läufern in der Armee eine feste Organisation, es wurden 
6 Kompagnien zu etwa je 100 Mann errichtet. Im Jahre 1768 
wurde ein Dragoner-Regiment aufgelöst und in 4 Schneeschuh- 
Läufer-Kompagnien umgewandelt. Im Jahre 1804 wurde 
ein besonderes Exercier-Reglement aufgestellt, das in den 
60 er Jahren erneuert wurde. Die Errichtung solcher 
Kompagnien hat sich erfahrungsgemäß bewährt; wo sie im 
Kriegsfall einzugreifen hatten (so im Jahre 1808), geschah 
dies mir großem Erfolge. Ein ganzes Dragoner-Regiment, 
das sich mühsam durch den hohen Schnee fortarbeitete, wurde 
von einer Handvoll bewaffneter Schneeschuhläufer fast auf 
gerieben; jeder Versuch der Dragoner, den flüchtigen Angreifern 
beizukommen, scheiterte und forderte von den Reitern nur neue 
Opfer, bis sie sich, ihre Ohnmächtigkeit gegen diesen nirgends 
zu fassenden Feind einsehend, in ihr verschanztes Lager zurück 
zogen. 
Mit gutem Grunde können wir die Behauptung aufstellen, daß 
in der zweiten Hälfte des Feldzuges im Jahre 1870/71 viele 
Verluste an Menschenleben hätten vermieden werden können, 
wenn des Schneeschuhlaufens kundige Soldaten im deutschen 
Heere vorhanden gewesen wären; namentlich hätte man den 
Franktireurs durch kleine Abteilungen bewaffneter Schneeschuh 
läufer energisch zu Leibe gehen können. Daß ein rascher und 
sicherer Kundschafterdienst mit ihnen möglich ist, ergiebt 
sich aus zwei Eigenschaften des Schneeschuhlaufens: erstens ein 
geräuschloses Anschleichen auf der Schall dämpfenden Schnee 
decke; zweitens die Möglichkeit des schnellen Rückzuges bei 
einigermaßen vorsichtigem Manövrieren. Selbstverständlich ist es, 
daß zur Ausübung dieses Kundschafterdienstes nur die tüchtigsten 
und intelligentesten Leute herangezogen werden können, daß 
dieser Dienst ebenso Kühnheit wie klaren Blick über die ganze 
Situation verlangt, und daß solcher Kundschafterdienst — wie 
der Kundschafterdienst überhaupt — sich nicht mechanisch er 
lernen läßt. Zur Winterszeit dürfte ein Kundschafterdienst
        
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