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Periodical volume 18. Februar 1893, No. 21.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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ziehen dann glänzende Furchen auf dem Spiegel des dunklen 
Gewässers, das wegen seiner geschützten Lage nur selten von 
rauhen Winden bewegt wird, und hochbeinige Fischreiher 
stolzieren gravitätisch an den Ufern entlang, um den langen, 
spitzen Schnabel gewandt nach Fischen und Fröschen zu schleudern. 
Zahlreiche Teichrosen strecken aus dem sumpfigen Grunde ihre 
herzförmigen Blätter oder die zarten, weißen Blüten zur Ober 
fläche des Wassers empor. Hin und wieder tönt der kreischende 
Schrei eines Wasserhuhns aus dem Binsengestrüpp hervor, 
und wenn ein Windhauch über den See fährt, dann neigen 
sich die Blätter und braunen Kolben des Uferschilfes, von den 
Berlinern „Schmackedutschken" genannt, flüsternd zusammen. — 
Nur selten besucht ein Rahnsdorfer oder Kietzer Fischer im 
schmalen, flachen Nachen den stillen See, um seine Netze aus 
zuwerfen, aber meist ohne großen Erfolg, weil der See immer 
mehr und mehr versumpft und verkrautet und die zahlreichen 
Baumreste auf dem Grunde, 
nicht nur dieses, sondern auch 
des benachbarten Heidereuter- 
und Priestersees, den flinken 
Fischen gedeckte Schlupfwinkel 
bieten und den Netzen oft recht 
gefährlich werden. 
Doch weiter! Der Wald, 
welcher zur Rechten bisher 
durch Wiesenstreifen von der 
Löknitz getrennt war, tritt 
jetzt unmittelbar an dieselbe 
heran und die Ufer werden 
steiler. Wir passieren die 
„Neue Brücke", welche — 
lucus a non lucendo — 
daher ihren Namen hat. weil 
weder eine alte, noch eine 
neue Brücke hier zu finden ist. 
In früheren Zeiten muß hier 
aber wohl ein Uebergang über 
die Löknitz gewesen sein, und 
enie Brücke wird die ttahen 
Ufer verbunden haben: das 
bezeugen starke Pfahlreste, 
welche sich im Wasser vorfanden und erst vor mehreren 
Jahren, als die Löknitz für größere Spreekähne schiffbar ge 
macht wurde, entfernt wurden. Auf der Anhöhe des linken 
Ufers stand ehedem auch ein Gebäude, wohl eine Teer 
schwelerei. denn noch jetzt finden sich in der Schonung, welche 
jetzt die Höhe bedeckt, Steintrümmer vor. 
Jetzt beginnt erst die eigentliche Waldfahrt. Links und 
rechts treten die hohen, schlanken Kiefern dicht an die Löknitz 
heran, die sich mit ihrer dunklen Eisdecke scharf von der 
weißen Landschaft abhebt. Stille und Einsamkeit lagern über 
dem winterlichen Wald. Nur hin und wieder krächzt eine 
hungrige Krähe auf dem Ast einer Fichte. Doch kaum 
find wir um die nächste Ecke gebogen, so zeigt sich uns 
ein Bild geschäftigen Treibens: Holzfäller sind dabei, einen 
Teil des Waldes zur Rechten niederzulegen. Hell tönen ihre 
Axtschläge in der klaren Winterluft, und gerade empor steigt 
die blaue Rauchsäule des mächtigen Feuers, an welchem sie 
ihr Mittagsmahl bereiten und ihren Kaffee wärmen. Soeben 
neigt sich die Krone einer prächtig gewachsenen Kiefer; wie in 
Todesschauern zittert ihr schlanker Schaft: anfangs sinkt sie 
langsam mit leisem Aechzen, dann schneller und schneller, bis 
sie mit lautem Krachen zu Boden stürzt. Prasselnd stürzen 
die Zweige ihrer Nachbarn nach, die sie in ihrem Fall mir 
abgerissen hat. Die Arbeiter, welche während des Falles zur 
Seite gesprungen waren, kommen nun herbei, trennen mir 
scharfen Axihieben die Aeste und Zweige vom Stamm, zer 
sägen letzteren in gleich lange Rollen, spalten diese und setzen 
die Scheite in regelmäßige Hausen auf. Im Sommer tritt 
dann das Holz seine Reise auf der Löknitz und Spree nach 
Berlin an, wo es im nächsten Winter dann die ärmliche Dach 
stube des Arbeiters wie den behaglichen Salon des reichen 
Mannes erwärmt. — Schade um den schönen Wald! Gerade 
an dieser Stelle nahm er sich prächtig aus, und wenn man 
im Sommer unter den überhängenden Zweigen der Kiefern 
auf der Löknitz dahinfuhr, 
glaubte man im Spreewald zu 
sein. Doch der Herr Oberförster 
erklärte ihn nach seinem Wirt 
schaftsplan für reif, sein Schick 
sal war entschieden. An seiner 
Stelle erhebt sich nun nach 
einigen Jahren eine dichte grüne 
Schonung, bis auch sie heran 
wächst und ein gleiches Los 
findet. 
Zur Rechten ist der Hoch 
wald jetzt verschwunden, und 
Stangenholz umsäumt das 
Ufer der Löknitz. Ab und zit 
tritt ein schmaler Wiesenstreifen 
zwischen Wald und Wasser. 
Bor uns erblicken wir auf 
einer solchen weißbeschneiten 
Wiesenfläche einen dunklen 
Gegenstand. Wir kommen 
schnell näher und erkennen ein 
Tier, einen Fuchs. Langsam 
schleicht er am Wiesenbord ent 
lang. Fische und Frösche giebl's 
jetzt nicht für dich, du roter Räuber! Oder suchst du ein 
Mäuslein oder ein armes Häslein zu erhaschen, das sich 
unter den Wiesenschollen ein Lager bereitet hat, um ihm den 
Garaus zu inachen und deinen leeren, knurrenden Magen zu 
füllen? — Noch hat er uns nicht bemerkt, da knirscht das Eis 
unter dem Schlittschuh. Meister Reinecke wendet sich blitz 
schnell um, hebt die buschige Rute, winkt uns mit derselben 
einen Abschiedsgruß zu und ist im Nu im Dickicht verschwunden. 
(Fortsetzung folgt.s 
Zwei Jahre in Frankreich. 
Erinnerung aus der Okkupationszeit Juli 1871 bis Juli 1878. 
Von G. Tafel. 
Der Krieg war zu Ende, der heiß ersehnte Friede geschlossen, 
und mit Jubel und Herzensfreude wurden die heimkehrenden 
Sieger in der Heimat empfangen, wenn auch viele Thränen 
aufs neue um die gefallenen Helden flössen. 
Spielfartien der Königin Kuife und Kaiser 
Milffelrns I. irn KahenxoUcrn-Mufeurn. (S. 252)
        
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