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Periodical volume 8. Oktober 1892, No. 2.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

hauptsächliche Verwendung mit der Blütezeit der Renaissance 
zusammenfallen ließen, so haben wir uns doch schon so an ihr 
unmittelbares Nebeneinander gewöhnt, daß eine andere Holz 
wahl immer etwas Auffallendes an sich hat. Drum haben 
wohl auch die meisten Firmen dieses echt deutsche Material 
zu ihren Renaiffancezimmern gewählt; nur einige haben zu 
dem indifferenten Nußbaum gegriffen, und haben dabei auch 
nur verunglückte Ergebnisse erzielt. Zu den besten dieser Art 
gehört das obenerwähnte Wohnzimmer von Fahnkow und 
ein solches von Goetsche, Alexanderstraße 29. Bei letzterem 
verdient noch die Mäßigung im Gebrauch architektonischer 
Formen besondere Erwähnung. Aehnliches kann man auch 
dem Zimmer von I. Groschkus, Landsbergerstraße 25/26, 
das im Hauptgebäude ausgestellt ist, nachrühmen. Die gute 
Wirkung hat der letztere noch dadurch zu steigern gewußt, daß 
er eiserne Beschläge auf den dunkel gewachsten Möbeln ver 
wendete, eine äußerst harmonische Vereinigung. Durch be 
sonderes Maßhalten in der Form, und durch recht seine, 
wirkungsvolle Profile zeichnen sich die Renaiffancesalons von 
Chr. Bormann, Admiralstraße 18b und von Ferdinand 
Vogts & Co., Charlottenstraße 23, ans. Ersterer liebt noch 
die strengen Linien der Frührenaissance, mittels deren er ein 
ernstes, ruhiges, dabei aber äußerst vornehmes Interieur er 
halten hat, dem man aber den Vorwurf einer gewissen Schwere 
nicht ersparen kann. Das letztere läßt sich auch von dem 
Vogtsschen Salon sagen, nur daß bei diesem die größere Be 
wegtheit der Form diesen Eindruck etwas gemildert Hai, womit 
aber zugleich eine leichte Unruhe in das Ganze eingezogen ist. 
Freier in dein Gebrauch der Renaiffancefonnen aber damit 
zugleich konventioneller ist die Firma Carl Hettwig & Co., 
Alexandrinenstraße 118 a. In dem von derselben in der sog. 
Maschinenhalle ausgestellten Speisezimmer fesselt neben mancher 
interessanten Formen-Kombination die eigenartige Holzintarsia, 
eine eigene Erfindung der Firma, die bei vortrefflicher Wirkung 
den Vorzug großer Billigkeit besitzt; aber mit echter Intarsia 
nicht verglichen werden darf. 
C. Fahnkow, Skalitzerstraße 6, hat sich mit einem Eck 
schrank und eineni Büffet als ein ebenso vorzüglicher Kunst- 
nschler erwiesen wie sein oben erwähnter Namensvetter. Die 
Feinheit der gestochenen Ornamente verdient ebenso Be 
wunderung wie der glückliche Ausbau dieser Möbel. Zu einer 
vollen Wirkung wollen diese allerdings nicht kommen, da sie 
in allernächster Nachbarschaft ganz anders gearteter Möbel 
stehen. Eine Freude für jeden Junggesellen ist das von dem 
Kunsttischler Krause, Mariannenstraße 18, zur Ausstellung 
gebrachte Jagd- und Kneipzimmer. Recht malerisch sind beide 
in den gegebenen Raum hineindisponiert, namentlich ist das 
Kneipzimmer dadurch zu einer der gemütlichsten Ecken gemacht, 
der auch die kerzentragende Jungfer Lorenz nicht fehlt. — 
Etwas frostig erscheint dagegen das Speisezimmer der Firma 
Dittmar, Molkenmarkt 6, mit den gewöhnlichen Attributen 
der Musterbuch - Renaissance, bestehend aus den gewohnten 
Säulen, Knaggen, Leisten u. s. w., das in einem besonderen 
Pavillon nahe beim Maschinenhaus untergebracht ist. Besser 
und in jeder Weise originell ist das von derselben Firma ge 
brachte Junggesellenzimmer in den malerischen Formen der 
tiroler Hoch-Renaissance. Nicht mit Unrecht wählte sie hierzu 
das billigere Tannenholz, wodurch das ganze gemütliche 
Interieur für 630 Mk. herzustellen ist. Aehnliche Möbel, mit 
gotischen Anklängen und stilgerecht bemalt, stellte die Aktien- 
Gesellschaft Schäffer und Walcker aus, deren ständige kunst 
gewerbliche Ausstellung in der Lindenstraße 18 schon längst 
den Sehenswürdigkeiten Berlins zuzurechnen ist. Wer noch 
imnier von einem unbegreiflichen Vorurteil gegen kienene 
Möbel erfüllt ist, der muß dieses angesichts solcher künstlerisch 
unanfechtbaren und doch so wohlfeilen Möbel aufgeben. Be 
dauerlicher Weise ist die Firma, deren Erzeugnisse uns überall 
auf der Ausstellung begegnen, nicht mit einer geschlossenen 
Zimmereinrichtung vertreten, was wohl dem Umstande zuzu 
schreiben ist, daß diese Möbel meist in Nürnberg hergestellt 
werden. 
(Schluß folgt.) 
Münch Hermann van Kehnin. 
Ein Märkischer Sang voit M. v. Kurt). 
(1. Fortsetzung.) 
Burg Grimnitz. 
Es hat der Abendsonne Gold 
Die Griinnitzburg umzogen, 
Zu ihren Füßen träumend rollt 
Der See in leisem Wogen. 
Und in dem Schloß beim Abendmahl 
Sitzt Otto und sein Eh'gemahl, 
In lauter Lust und Freude. 
Wie herrscht am reichbesetzten Tisch 
So fröhliches Gedränge, 
An junge Ritter reihen frisch 
Sich Meister der Gesänge. 
Denn dieser Kunst ist Otto hold, 
Und reiche Ehr' und rotes Gold 
Verleihet er den Sängern. 
Auch edle Frauen jung und schön 
Die Markgräfin umringten, 
Es war, als ob in lichten Höhn 
Viel helle Sternen blinkten; 
Sie alle überstrahlt der Mond. 
Der schimmernd unter ihnen wohnt; 
Der Mond, das war Frau Heilwig. 
Da schallt des Markgrafs Stimme klar: 
„Wo ist mein Edelknabe? 
Er reiche mir die Harfe dar, 
Weil ich ersonnen habe 
Ein neues Lied, ein Minnesang, 
Der tief mir aus dem Herzen drang, 
Ihr edlen Herr'n ilnd Frauen: 
„Wem Freundschaft schmückt die Pfade, 
Der preise sein Geschick, 
Doch als des Himmels Gnade 
Kommt Dir der Liebe Glück; 
Verdienen nicht, verlangen, 
Darfst Du sie, nur empfangen 
Aus Deines Schöpfers Hand.
        
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