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Periodical volume 21. Januar 1893, No. 17.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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„Wer geht denn noch am späten Abend über die Teufels 
schanzen?" 
„Na, ich würde mich nicht fürchten," rief Klaus Schmidt. 
„Paperlapap," entschied der fremde Leinweber den Streit, 
„die Weil er Habens gestanden, geschieht ihnen ganz recht, wenn 
sie ihre Schuld büßen." 
„Und im übrigen," begann nun eine Bauersfrau, die sich 
bisher still verhalten hatte, ists mit der Fernemühle überhaupt 
nicht recht richtig. Als ich heute früh mil Fischen nach dem 
Markt wollte, und dort vorbei mußte, sprengte eben der Rappen 
des Fernemüllers aus dem Hoflhor heraus, der im vollen 
Galopp davonging. Das geht doch nicht mit rechten Dingen 
„Alle guten Geister!" setzte die Bauersfrau noch hinzu. 
„Und wißt Ihr, was er gewollt hat?" fragte der Thor 
schreiber triumphierend. 
„Was denn?" fragten mehrere Stimmen im Chorus. 
„Geld hat er sich geholt. Seines Vaters Mühlen hat 
er verkauft an den Markgrafen. Die Stadt hat er schändlich 
verraten, die schönen Mühlen für ein Lumpengeld verschleudert 
und der Rat hat das Nachsehen. Heute Vormittag har Martin 
Geisler, der kurfürstliche Hofmeister, im Auftrage des Mark 
grafen den Kauf ins Gerichts-Protokollbuch auf dem Rathause 
eintragen lassen. Aber wir werden ihn schon kriegen, ihn und 
Asmus Müller, den Mörder, den Verräter der Slavi!" 
Eine StrcrHonnrasctirnasrhino in Kerlin. 
zu. Der Fernemüller ist mit Pferd und Wagen in der Nacht, 
wo der Herr Bürgermeister starb, auf und davongegangen, 
weiß Gott wohin? Wie kommt denn sein Rappen hierher? 
Ich habe das Tier ganz genau an der Blesse am linken 
Vorderfuß erkannt." 
„Ach, dabei ist nichts unrichtiges," begann nuir ein Thor 
schreiber, der sich durch die hintenstehende Menge hindurch 
gearbeitet und dicht an die Gruppe herangekommen war, „das 
ging mit ganz natürlichen Dingen zu. Wißt Ihr denn, wer 
darauf saß?" 
„Ein Müllerknecht." 
„Ja, Ouargspitzen! Tewes Müller saß drauf." 
„Des Fernemüllers Sohn!" riefen die Frauen entsetzt 
und bekreuzten sich. 
„Woher wißt Ihr denn das alles?" 
„O, ich weiß noch viel mehr. Ich weiß, daß der Ferne 
müller sich in Garz in Pommern aufhält, ich weiß, daß der 
Rat bereits vier Schützen mit einem vierspännigen Wagen ab 
geordert hat, um ihn hierher zu bringen, und ihm auch den 
Prozeß zu machen. Wird sich mit seinem ränkesüchtigen Weib 
nicht lange mehr der gelungenen Flucht freuen, wird es schon 
büßen müssen, daß er die schönen Mühlen dem Rat vor der 
Nase weg verkauft hat." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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