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Periodical volume 14. Januar 1893, No. 16.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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eine Schilderung seines fleißigen Studiums und seiner Erfolge 
geliefert, eine Schilderung, welche nicht nur das Interesse des 
Theaterfreundes, sondern auch dasjenige eines jeden Verehrers 
des großen Königs wachzurufen geeignet sein dürfte. 
Fleury war sich der Schwierigkeit seiner Rolle vollkommen 
bewußt, er sah ein, daß nur eine getreue Copie des Preußen 
königs ihm den Beifall des Pariser Publikums verschaffen 
konnte. Seinem Bedenken giebt er im Anfange seiner 
Schilderung folgendermaßen Ausdruck: „Ich sollte eine der 
bedeutendsten Rollen, einen ganz originellen Charakter spielen, 
einen Mann darstellen, auf welchen ganz Europa bis zum 
letzten Augenblicke die Augen gerichtet, und der eben erst 
seine große, merkwürdige Laufbahn vollendet hatte. Nichts ist 
so vorteilhaft auf dem Theater, als einen historischen Namen 
von ganz frischem Dalum zu führen; wenn man nur einiger 
maßen an sein Muster erinnert, bringt man einen jeden Zuschauer, 
ohne daß er sich davon Rechenschaft giebt, in die innigste 
Verbindung mit der hohen Person, die man darstellt; man 
läßt den Mann zauberhaft wieder aufstehen, und jedermann 
weiß einem Dank dafür. Wenn da der Schauspieler im 
stände ist, eine starke Illusion hervorzubringen, so ist sein 
Ruf von Stunde an festgegründet." 
Er ging nun sofort daran, sich mit allen Hilfsmitteln, 
die er auflreiben konnte, zu umgeben. Er befragte jeden, der 
Friedrich II. näher gekannt hatte, vor allem den Verfasser von 
„Les deux Pages“ und die Offiziere aus dem Gefolge des 
Prinzen Heinrichs um die Gewohnheiten des Königs; er 
kaufte sich einschlägige Bücher, um den Charakter und die 
Lebensweise seines Helden kennen zu lernen, und verschaffte 
sich von Saint Fal, einem Offizier, welcher lange in der 
Umgebung Friedrichs gelebt hatte, ein von Ramberg gemaltes 
Bildnis des großen Königs. Im Besitz dieser Mittel begann 
er seine Studien. 
Um sich möglichst vollständig in den Charakter seiner 
Rolle hineinzuversetzen, beschloß er, für die nächste Zeit seine 
Lebensweise völlig nach derjenigen Friedrichs einzurichten, 
überhaupt zu denken, er sei Friedrich II. selbst. Vor allen 
Dingen nannte er sein Zimmer Sans-Souci; jeden Tag stand 
er zu früher Stunde auf. zog die völlständige Kleidung Friedrichs 
an und hielt seine Mahlzeiten zu genau derselben Stunde wie 
dieser. Seinem Bedienten gab er den Namen von Friedrichs 
Kammerhusaren und einen ihm gehörigen Kater nannte er ohne 
Rücksicht auf das Geschlecht Alcmene, nach dem Namen von 
Friedrichs Lieblingshündin. So wie er aufgestanden war, 
setzte er sich vor den Spiegel und versuchte nach dem Ram- 
bergschen Portrait mit Hülfe von Schminke und Farbstiften 
sein Gesicht dem seines Helden ähnlich zu machen. Obwohl 
sein nicht allzuvolles Gesicht ihm seinen Versuch sehr erleichterte, 
so wollten doch anfangs die ähnlichen Züge nicht hervortreten. 
Aber Fleury ließ sich die Mühe nicht verdrießen, er wischte 
aus und fing von vorn an, bis seine Hand allmählich ge 
übter wurde. 
Weit zufriedener war er mit seiner Kleidung; die Uniform 
stücke, der Hut, die Stiefel, alle diese Sachen gewöhnten sich 
an seinen Körper und schmiegten sich seinen Bewegungen an. 
„Ich hatte die Erfahrung gemacht", schreibt er, „wie sehr neue 
Kleider der Sicherheit der Geberden Eintrag thun. Soll das 
Kleid ein wesentlicher, integrierender Teil des Individuums 
sein, so muß es nach den körperlichen Gewohnheiten sich ge 
formt haben, es muß aussehen, als sei man darin geboren; 
es ist dann eine Art äußerer Haut, die allen Bewegungen 
gehorcht oder dieselben noch andeutet, wenn man sich auch 
wieder in Ruhe befindet; ja das Kleid wird das Alter, den 
Stand einer Person bezeichnen und an einem Greise gewisser 
maßen Runzeln tragen. Auf der Bühne soll jede Falte eines 
Kleides eine allgemeine Physiognomie mit ihren Nüancen 
haben; nie darf es steif sein, nie das Aussehen haben, als 
komme es eben erst aus den Händen des Schneiders; auf 
dem Theater müssen selbst die Manschetten elwas beweisen, 
und wie könnten sie die Intention einer Geberde verraien, 
wenn sie noch die Spuren des Bügeleisens an sich trügen?" 
(Schluß folgt.) 
Kleine Mitteilungen. 
Kproolrorn. Ueber die Quelle der Spree hat der „Bär" 
bereits in einem älteren Jahrgange eingehend berichtet. Die nachstehenden 
Zeilen sollen sich daher nur kurz mit den Quellenhäusern beschäftigen. 
Mitte vorigen Jahrhunderts wurde auf Veranlassung Friedrichs der 
Großen, welcher die Quelle der Spree bei EberSbach i. S. besuchte, ein 
achteckiger, halboffener Pavillon mit Zwiebeldach, wie er auf dem Bilde 
S. 188 wiedergegeben ist, aus Stein und Holz erbaut, wozu der große 
Preußenkönig 50 Thaler spendete. Kaiser Joseph II. von Oesterreich be 
sichtigte die Quelle in Begleitung der Generale Laudon und Brown am 
20. September 1779; ebenso erzählt man aus den 20 er Jahren dieses 
Jahrhunderts von dem unter Führung des OrtSrichters von Altgersvorf 
erfolgten Besuche zweier preußischer Prinzen, die dort in daS Dachgebälk 
die Anfangsbuchstaben ihrer Namen schnitten. Ende der 40er Jahre wurde 
der Pavillon baufällig und auf Veranlaffung des GemeinveoorstandeS von 
Neu-EberSbach vom Stadtrate zu Zittau als damaligem Eigentümer durch 
das gegenwärtig noch vorhandene, aber dem Einsturz nahe hölzerne 
Häuschen ersetzt (f. Abbildung S. 189). Vom Durchgänge preußischer 
Truppen im Jahre 1866 zeugen zahlreiche Inschriften in den Wänden des 
Brunnenhäuschens. 
Zur Einrichtung eines würdigen Quellenhauses, daS gleichzeitig 
als Spreemuseum dienen soll, hat stch vor einigen Jahren der Verein 
rrpreeborn gebildet. Der Verein hat jetzt den Born nebst anliegendem 
Terrain, welches in Privatbesttz gelangt ist, käuflich erworben, sowie aus 
sreiwilligen Beiträgen seiner Mitglieder einen AgitationSsond beschafft, um 
weitere Kreise für den Bau, welcher immerhin einen Aufwand von 
10 000 Mk. verursachen dürfte, zu interessieren. Einen solchen Betrag 
vermag der Verein auS eigenen Mitteln und im Orte nicht aufzubringen; 
er ist deshalb genötigt, alle Freunde unserer Spree zu bitten, daS Unter 
nehmen finanziell zu unterstützen. Eine Abbildung deS geplanten neuen 
Spreehauses (nach dem Entwurf des Architekten Hartmann in Dresden) 
geben wir aus S. 185. Beiträge nimmt der Königliche Bau-Jnspektor 
Siegel in Ebersbach i. S. entgegen. Außerdem sind dem Verein ge 
eignete Gegenstände für das oben erwähnte Spreemuseum sehr will 
kommen. Geeignet sind Ansichten von Spreestädten, von denen wir 2 im 
Bilde vorführen, von Spreedörfern, Schlöffern, Kirchen u. s. w., von 
Trachten der Uferbewohner, ferner Bücher, Schriften, Karten, Abbildungen 
von Fabrik-Anlagen, welche an der Spree liegen, und sonstige Gegenstänve, 
die auf die Spree Bezug haben. 
Von Interesse dürfte ein Brief über den Spreeborn sein, den der 
unvergeßliche General-Feldmarschall Moltke am 7. Mai 1887 an den 
Schriftführer des Spreeborn-VereinS gerichtet hat; derselbe lautet: Euer 
Wohlgeboren erwidere ich auf die Zuschrift vom 20. v. MtS ergebenst, daß 
von den Quellen der Spree diejenige, welche aus den zwischen Spreedorf 
und AltgerSdorf gelegenen Wiesen entspringt, sowohl auf der von dem 
Oberstlieutenant -Petri in den Jahren 1759 bis 1763 bearbeiteten General- 
karte deS Kurfürsten^-: ns Sachsens, als auch auf der von dem topographischen 
Bureau d, sächsischen Generalstabes in dem Jahre 1882 heraus 
gegebenen ion SeifhennerSdorf) als „Spreeborn" bezeichnet wird, 
während t -n Ebersbach am Kottmar und die in den Gersdorfer 
Pfarrwiese en Quellen keine derartige Bezeichnung tragen. Der
        
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