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Periodical volume 31. Dezember 1892, No. 14.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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Vor bösen Lehensvettern 
Mußt Deine Mutter sliehn, 
Da zog, den Tod im Herzen, 
Sie mit Dir nach Lehnin. 
Vom Land, das sie verstoßen, 
Löst sie das letzte Band, 
Sie löschte Deinen Namen 
Im neuen Vaterland. 
Da gab ich Dir den meinen 
Und Mönch und Knecht durch Schwur 
Band ich, nie zu verraten 
Je Deiner Herkunft Spur. 
Wohl ließ ich einst Dich ziehen 
Mit dem Askanier gern, 
Denn unter ihrem Schilde, 
Meint ich, erstrahlt Dein Stern. 
Nur roen'ge noch erinnern 
Sich der vergangnen Zeit. 
Lebt Mara noch, die Amme, 
Ich sprach', sie brach den Eid."" 
„Forscht nicht danach, mein Vater," 
Sagt Hermann weich und lind. 
„Einst war das Kloster Mutter 
Dem früh verwaisten Kind. 
Nun aber kehr ich wieder, 
Schon müd vom Lebenslauf 
Und bitte nur das eine: 
Nehmt abermals mich auf!" 
Mild klingt des Abtes Stimme: 
„„Noch gilts von jedem Mann, 
Nicht schwächlich soll entsagen, 
Wer ringend kämpfen kann."" 
Doch in des Abts Gewändern 
Birgt Hermann jäh sein Haupt: 
„Gebt mir den Glauben wieder. 
Den mir die Welt geraubt. 
Dem ich erhielt das Leben, 
Der hat mein Glück gefällt. 
Mein Lieb hat mich verraten, 
In Zwiespalt steht die Welt. 
Und aus des Grams Verzweiflung 
Ruf ich Dir's jammernd zu: 
Mich selbst nur wiederfinden 
Will ich in Eurer Ruh!" 
Da beugt der Abt sich nieder, 
Im Auge feuchten Schein: 
„„Und willst Du wiederkommen, 
Sollst Du willkommen sein!"" 
(Fortsetzung folgt.) 
Der Fernemüller und sein Meid. 
Ein Stück märkischer Geschichte von Rrrdocksi Gckovt. 
(4. Fortsetzung.) 
„Edle Herren," begann nun Baltzer, „Ihr wißt, viel 
reden kann ich nicht, also kurz heraus, die Hexe ist die Ferne 
müllerin, und ihre Gehilfen find die Koppin, die Massin und 
die Kran aus Zantoch und deren Tochter." 
„Die!" rief Martin Geisler, „das ist unmöglich. Der 
Mann der Massin ist Braueigen und war noch auf der Hoch 
zeit von Bürgermeisters Evchen als Freund geladen. Die 
Massin hat noch während der Krankheit des Herrn Herren 
dorfer seiner Frau zur Seite gestanden. Die Fernemüllerin 
ist eine noch junge und von Herzen gute und sanftmütige 
Frau. Die Beweise, die Beweise!" 
„Mit Verlaub," begann nun Baltzer, „ein ehrwürdiger 
Rat erinnert sich des Streites, den der Herr Bürgermeister 
mit dem Fernemüller hatte." 
„Ja, allerdings," erwiderte Hans Sturlebusch. 
„Ein ehrbarer Rat hat auch vielleicht noch im Gedächtnis, 
daß Asmus Müller dem Bürgermeister wütend zurief: „Das 
werde ich Euch gedenken! Ich werde Euch eine Suppe ein 
brocken, an der Ihr Zeitlebens zu essen haben werdet!" 
„Ja. das weiß ich," warf Martin Geisler ein, „aber 
weshalb beschuldigt Ihr denn die Fernemüllerin und die Massin 
und andere Frauen der Zauberei und Giftmischerei und nicht 
den Fememüller?" 
„Weil hinter jedem Unglück ein Weib steckt." 
„Das ist eine Redensart, aber kein Beweis." 
„Mit Verlaub, der kommt noch." 
„So erzählt zu Ende!" 
„Ein ehrbarer Rat sandte mich, nachdem der Fernemüller 
sich entschieden geweigert, die Anspannung für die Dorfreise 
zu stellen, gegen Mittag mit einem Schreiben nach der Ferne 
mühle. was drin stand, weiß ich nicht. Als ich unter dem 
offenen Fenster vorbeiging, war gerade von dem Herrn Bürger 
meister die Rede. Unwillkürlich blieb ich stehen und horchte. 
Sonst ist das nicht meine Art." 
„Das Lügenmaul," sprach Martin Geisler leise zu 
Valentin Karge, „er horcht immer." 
„Und so hörte ich denn, wie die Kopp zu Asmus Müller 
in Bezug auf den Bürgermeister sagte: 
„Das kann dem Mann unmöglich Gutes bringen, da 
giebts ein Unglück." 
„O, ich werds ihm schon eintränken," meinte darauf der 
Fernemüller, „und wenns mich Kopf und Kragen kostet." 
„Wollt ihm doch wohl nicht gar vergeben?" fragte drauf 
die Kran. 
„Wäre mir auch egal, was frage ich danach." 
„Wenn das so leicht wäre, hülfe ich mit," meinte 
die Kopp. 
„Nun, edle Herren, ist es nicht so gekommen, wie ich es 
dort erlauscht, und wie die niederträchtigen Weiber es dort vor 
Pfingsten abgekartet und heimlich beschloffen haben? Ist dem 
Herrn Bürgermeister nicht vergeben worden, ist er nicht an 
Giftmischerei gestorben?" 
„Und ist nicht dem Bürgermeister durch den Sohn von 
Asmus Müller ein Füßchen Märzenbier ins Haus gesandt 
worden?" rief Caspar Fichtner, der Stadtschreiber, dazwischen.
        
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