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Periodical volume 31. Dezember 1892, No. 14.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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in der Lindenstraße gehörte, von den znm Löschen herbeigeeilten 
Bürgern alsbald unterdrückt und nur zwei Scheunen ein 
geäschert. Die meisten der Kugeln fielen in den Straßen oder 
vor den Gärten nieder. 
Tottleben, welcher nach seinem Berichte 1500 Kugeln 
in die Stadt geworfen und keine 20 Schuß mehr hatte, ließ 
nunmehr zur Sicherung gegen einen etwaigen nächtlichen 
Ueberfall rings um sein Lager Wolfsgruben anlegen. Nach 
dem Eintreffen des von Zehdenick herbeigeeilten preußischen 
Korps, unter Führung des Prinzen von Württemberg, räumte 
er jedoch in der vierten Nachmiitagsstunde des 4. Oktober 
seine unhaltbar gewordene Position und zog sich auf Köpenick 
zurück. 
Zur Zeit Friedrich Wilhelms II. pflegte der alte 
General v. Möllendorff auf dem Manöver-Terrain beim 
düstern Keller die General-Revuen aller Regimenter zu kom 
mandieren. Es war dies für die Berliner stets ein prächtiges 
Schauspiel, dem auch die Damen „von unzähligen Wagen 
aus" zusahen. Der eisten dieser Revuen, im Frühjahr 1787, 
wohnten die Herzöge von Jork und von Mecklenburg- 
Schwerin bei. Prinzessin Friederike führte in ihrer Karosse 
Malaga, Wurst und Ochsenzunge mit, um, wie sie scherzend 
benierkie, als Marketenderin ihre beiden besten Kunden (die 
vorgenannten Herzöge) zu versorgen. Im Frühjahr 1789 
manövrierten dort zwei Regimenter, um sich den Besitz der 
Weinberge streitig zu machen. 
Dann wieder strömten die Berliner, an einem Juli- 
Vormittag des Jahres 1791, dem Manöverfelde zu, denn es 
sollte sich ihnen das Schauspiel des ersten Pferderennens 
darbieten. Der Herzog von Park hatte dies englische Ver 
gnügen, gelegentlich der Festlichkeiten seiner Vermählung mit 
der Prinzessin Friederike, damals nach Berlin verpflanzt, 
und noch bis vor einigen Jahrzehnten wurden diese Rennen 
dort abgehalten. Damals jubelte die Volksmenge den 
preußischen Offizieren zu, welche Sieger blieben — namentlich 
dem Grafen Medem von den Gardes du Korps, und den 
Lieutenants v. Schack und v. Aloen sieben vom Regiment 
Gensdarmes. Die geschlagenen englischen Offiziere wurden 
von der Menge ausgepfiffen. — 
Nicolai schildert die damalige Gegend vor dem Halleschen 
Thore folgendermaßen: 
„Dicht vor demselben, gerade der Brücke über, die man 
zuweilen im gemeinen Leben die steinerne Brücke nennt, 
welches aber gar keinen Grund hat, liegt noch 
Ein Wirtshaus, welches schon auf dem Grunde 
des Dorfes Tempelhof liegt (also das später nach 
dem düstern Keller benannte). 
Vom Thore ab führet eine vierfache Allee nach den 
Tempelhofer Bergen. Auf und an denselben liegen links, 
nach dem Kottbuser Thore zu: 
Einige Weinberge. Sie waren im 16. Jahr 
hundert kurfürstliche Weinberge. 
Eine Windmühle (sie ist erst unlängst expropriiert 
und abgebrochen worden). 
Der sogenannte düstere Keller, ein Erdfall zwischen 
den Bergen. Er ist angenehm mit Bäumen bepflanzt. 
Die Hasenheide, ein Fichtenholz, welches um 1650 
viel Eichen und Bauholz enthielt und sonst viel 
größer war. 
Zwischen den Tempelhofschen Bergen und dem Dorfe 
Tempelhof ist der Platz, wo jährlich die Musterung der in 
und um Berlin liegenden Regimenter gehalten wird." 
Die alten, zerklüfteten Lindenbäume jener vierfachen, 
nach dem Tempelhofer Felde führenden Allee sind längst ver 
schwunden. Sie sahen oftmals beim düstern Keller eine 
hohe Gesellschaft um die Mächtigen dieser Erde versammelt, 
welche hier zur Abhaltung der von uns zum teil geschilderten 
Musterungen gewöhnlich zu Pferde stiegen. 
Am düstern Keller auch hat ein bedeutender Künstler das 
Bild des großen Friedrich aus unmittelbarster Anschauung 
festgehalten und mit dem Griffel auf die Kupferplatte über 
tragen. Gottfried Schadow sagt darüber: „Die Berliner 
zu Fuß und Pferd, ohne Kommando, strömten zum Thore 
hinaus. Die jungen Künstler fanden dort Wouvermans 
und Pacogels. Chodowiecki nahm da seinen König zu 
Pferde in Profil, das Beste, was die totale Erscheinung 
wiedergiebt." 
Das Original unserer in verkleinertem Maßstabe bei 
gegebenen Abbildung ist im Jahre 1777 entstanden. In der 
Umgebung des Königs befinden sich der Kronprinz (nachmalige 
König Friedrich Wilhelm II.), zur Rechten die Generale 
Ramin und Zielen, sowie ein Flügeladjutant. 
(Schluß folgt.) 
Mönch Hermann von Kehnin. 
Ein märkischer Sang von M. v. Surft. 
(11. Fortsetzung.) 
Kloster Lehnin. 
Im See auf einer Inseln, 
Die Linden es umblüh'n, 
Hebt sich empor ein Kloster, 
Das Kloster heißt Lehnin. 
Geschützt von starken Mauern, 
Wie eine Burg es stand; 
Nur eine einzige Brücke, 
Die führte an das Land. 
Erst später war geschüttet 
Der Damni durchs Wasser klar. 
Jetzt wird man's kaum erkennen 
Wie es vor Zeiten war. 
Einst war halb Sumpf, halb Wildnis, 
Die Heide rings umher. 
Und von des Klosters Gründung 
Erzählt man sich die Mär: 
Hier, auf der Jagd verirret, 
Weilt einst der märksche Graf, 
Vom heißen Ritt ermüdet, 
Fiel er in tiefen Schlaf. 
Er lag im kühlen Schatten 
Von einem Eichenbaum, 
Da ängstigt ihn im Schlafe 
Ein banger, schwerer Trauni.
        
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