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Periodical volume 24. Dezember 1892, No. 13.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

—8 156 Er 
lernung der ScbneeschuhlausenS ist schon im zartesten Kindesalter möglich; 
in Norwegen sieht man bereits vierjährige Kinder die ersten Versuche an 
stellen. Auf ein besonders den Schneeschuhlauf für die Jugend empfehlender 
Moment wollen wir erneut aufmerksam machen: er ist die Gefahrlosigkeit 
der Bahn, aus der der Lauf ausgeführt wird. DaS Einbrechen selbst auf 
im allgemeinen sicheren Eisbahnen fordert alljährlich Opfer an Menschen 
leben; für daS Schneeschuhlaufen bietet dar Feld, der Hügel den sicheren 
Untergrund. Wir machen besonders wegen der sich so bietenden Sicherheit 
in der jetzigen Winterszeit alle Eltern aus die Schneeschuhe aufmerksam: 
ein Paar Schneeschuhe dürften ein trefflicher Weihnachtsgeschenk sein. DaS 
Schneeschuhlaufen ist erfahrungsgemäß ein vortreffliches Erziehung?- und 
ErholungSmittel für unsere Heranwachlende Jugend, das dem Eislauf sicher 
überlegen ist. Zu jeder weiteren Auskunft, Prospekte, Anweisung u. s. w. 
über den Schneeschuhlauf ist die Geschäftsstelle des „Tourist", Berlin W, 
Köthenerstraße 39, auf Wunsch bereit. Auch wird die Besorgung von 
Schneeschuhen gern übernommen. —rg— 
Nrreins - Nachrichten 
Der Verein für die Geschichte der Neumark hielt am Sonntag, 
den 27. November, seine fünfte (Herbst-)Versammlung zu Cüstrin ab. 
Prof. Dr. Vessel-Cüstrin wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. 
Der Falbeschen Stiftung wurde zu den bereits bewilligten 300 Mk. ein 
weiterer Zuschuß von 100 Mk. für die Herausgabe der Geschichte von 
Woldenberg-Nmk. von Dr. van Nießen zugestanden, ferner wurde als erstes 
größere? Werk des Vereins die Herausgabe der im Staatsarchiv zu 
Königsberg i. Pr. befindlichen Urkunden, soweit sie sich auf die 
Neumark beziehen, in Regestenlorm durch Dr. Joachim beschlossen und 
als erste Rate 700 Mk. hierfür bewilligt. Nach dem Bericht des Schatz 
meisters beiragen die Einnahmen 1789 Mk. 24 Pf., die Ausgaben 631 Mk. 
25 Pf. Die Mitgliederzahl ist von 365 auf 438 gestiegen. Der Reserve 
fonds beträgt abzüglich aller Ausgaben noch 700 Mk. Dr. HanS Brendicke 
hielt eine kurze Ansprache, in der er den Nachbarverein als Vertreter des 
Vereins für die Geschichte Berlins begrüßte; seine Anregung, sich 
dem Gesamtverein Deutscher GeschichtSvereine anzuschließen, wird erwogen 
werden. Nach Schluß der Sitzung wurde zunächst der Hohe Kavalier, der 
höchste Punkt der Festungswerke, bestiegen, der eine prächtige Fernsicht bot, 
alsdann ein Teil der Kasematten und der mutmaßliche Hinrichtungsplatz 
KatteS besichtigt und schließlich in der Marienkirche das Grabdenkmal des 
Markgrafen Johann von Cüstrin, des einzigen selbständigen Hohenzollern- 
herrscherS der Neumark, besucht. Wenige Tage vorher war in der Marien 
kirche bei den Bauten für eine HeizungSanlage ein Sargdeckel des Grafen 
Christ. Albert von Dohna, des Gouverneurs von Cüstrin, (geb. 15. No 
vember 1621 zu Cüstrin, gest. 14. Dezember 1677 zu Gartz) auSgegraben 
worden und wurde auch dieser besichtigt und entziffert. Um 3 Uhr begann 
im Gesellschaftshause die öffentliche Sitzung, in der zunächst Bürgermeister 
Felgenhauer im Namen der Stadt den Verein willkommen hieß. Alsdann 
hielt Prof. Veffel einen geistreichen und klaren Vortrag über die geschicht 
liche Bedeutung Cüstrins. Redner schilderte die wirtschaftliche Bedeutung 
CüstrinS im Mittelaller als südlicher Grenzpunkt der Mark und Beschützerin 
deS Warthebruch an der im Norden entlang führenden alten Heerstraße nach Osten, 
ging dann auf den Markgrafen Johann und seine Befestigungsbauten durch 
den Italiener Giromello ein, schilderte die Glanzzeiten CüstrinS, als die 
Stadt noch Sitz der neumärkischen Regierung war, berührte dann die 
Uebergabe Cüstrins an die Schweden im dreißigjährigen Kriege, die Jugend 
zeit Friedrichs des Großen in Cüstrin, die Brandlegung Cüstrins durch die 
Russen und die Uebergabe Cüstrins durch den Oberst von Ingersleben an 
die Franzosen 1808. Ein Ueberblick über die weitere kommunale und 
historische Entwickelung Cüstrins beschloß den intereffanten Vortrag. 
Hierauf sprach Oberlehrer Dr. van Nießen-Stettin über „Die Vogteien der 
Neumart", schilderte ihre historische Entwickelung, die allmähliche Ver 
größerung der Bezirke und den damit fortschreitenden Verlust an Bedeu 
tung und Machtmitteln, bis die Vogteien schließlich als selbständige Ver 
waltungen aufhörten und die Vogte nun Beamte der neumärkischen 
Regierungen — Landräte wurden. Zum Schluß gab nach Akten des 
RatSarcbivS in KönigSberg-Nmk. Oberlehrer Schwartz Friedenau ein stellen 
weise recht humoristisches, kulturgeschichtliches Bild von dem Verhältnis 
zwischen Militär und Bürgerschaft im vorigen Jahrhundert, schilderte an 
kleinen Vorfällen den ewigen Streit zwischen der Willkürlichkeit der 
Soldateska und dem die Bürger beschützenden Rat. Reicher Beifall lohnte 
auch diesen Vortrag. An dem sich hieran anschließenden Essen beteiligten 
sich etwa 60 Personen. An den Toast auf den Kaiser schlossen sich zahl 
reiche andere an. Besonderen Beifall fand ein karrikierender, humoristischer 
„Vortrag" eines Landsberger Vorstandsmitgliedes über „neumärkische 
Redensarten", der eine reiche Blütenlese volkstümlicher Witzreden und ge- 
stügelter Worte, wie sie unter den Landleuten der Neumark umlaufen, bot, 
und zur Erheiterung der Anwesenden beitrug. R. E. 
Mchertisch. 
Das Srrrh jum Usrloserr. Sechs heitere Romane. Berlin 1893. 
Verlag von Albert Goldschmidt. Preis 3 Mk. 
Unter den diesjährigen Weihnachts-Novitäten zeichnet sich das obige 
Büchlein durch seine besondere Eigenart aus. Es ist für alle bestimmt, die 
etwas vorlesen wollen, sei es am Krankenbett, im Familienkreise, im 
Kränzchen oder bei irgend welcher Gelegenheit. Die Frage, war man vor 
lesen soll, hat bisher ost Schwierigkeiten bereitet. Da war das eine Buch 
für den Rekonvaleszenten zu ernst oder aufregend, das andere für den 
Familienkreis etwas bedenklichen Inhalts, das dritte zum Vorlesen nicht 
fesselnd genug. Allen diesen Uebelständen soll „Das Buch zum Vorlesen" 
abhelfen, indem eS sechs heitere, kleine Romane von Schücking. Girndt, 
Stökl, Zell und v. Schlaegel darbietet, kleine Meisterwerke auf humoristisch 
novellistischem Gebiete Die Erzählungen sind anmutig und fesselnd ge 
schrieben, vermeiden alles Anstößige oder Tendenziöse, sprudeln von Geist 
und liebenswürdigem Humor und eignen sich deshalb ganz besonders zum 
Vorlesen sür jung und alt, für Gesunde und Kranke. Wir empfehlen 
dar reizvolle Buch auf das wärmste und sind überzeugt, daß er für einige 
Stunden über die Sorgen des Lebens hinwegtäuschen wird, da sich niemand 
der heiteren Stimmung, die in dem Büchlein herrscht, wird entziehen 
können. Die hübsche Ausstattung und der elegante Einband bestimmen 
dar Buch auch zum Geschenkwerk, doch wird dasselbe nicht nur zu Weih 
nachten, sondern zu jeder Zeit seinem Besitzer Freude machen. y. 
Usrrr tvopisrtiorr Tiostarrdo «m etvigcn Sctineo. In 
Wort und Bild von Anton Goering. Leipzig. Verlag von 
Adalbert Fischer. Preis: 6 Lieferungen zu je 3 Mk. 
Allgemein wird man es mit Freuden begrüßen, daß ein Mann, wie 
Prof. A. Goering, Pinsel und Feder dazu verwendet, ein Werk zu schaffen, 
welches imstande ist, dem Naturfreunde und Geographen, sowie den vielen, 
die sich für Länder- und Völkerkunde interessieren, ein Gesamtbild der 
Tropenwelt Südamerikas vorzuführen. Wir wüßten gegenwärtig keinen 
zweiten zu nennen, dem die Fähigkeit dazu so zuzuschreiben wäre, wie dies 
bei dem Verfasser der Fall ist: Prof. A. Goering weilte ziemlich 10 Jahre 
in Südamerika und begleitete zuerst als Sammler, Zeichner und Präparator 
mehrere Jahre lang den kürzlich zu Buenos-AireS verstorbenen Profeffor 
Burmeister durch Uruguay und Argentinien; er hatte somit Gelegenheit, im 
Dienste jenes berühmten Naturforschers und Reisenden eine Schule durch 
zumachen, wie eS nur unter einem so kenntnisreichen und scharssinnigen, 
strengen Gelehrten möglich war. Acht Jahre lang durchwanderte der Verfasser 
als zoologischer Sammler und Maler auf selbständigen Reisen Venezuela 
nach allen Richtungen, namentlich aber die erhabenen Landschaften der 
Kordilleren, besonders studierte er mit Vorliebe die Schneegebirge von 
Merida u. s. w. Dar litterarische und künstlerische Resultat dieser 
Wanderungen ist das vorliegende Werk, das in textlicher und illustrativer 
Beziehung daS wärmste Lob verdient. Besonders hervorzuheben sind die 
in 20 Farben original-getreu wiekergegebenen Aquarelle auf Kupferdruck 
papier. — or— 
Neue Kalender. — DeutfchnationaleSJahrbuch. 3. Jahr 
gang (1893), herausgegeben von Karl Pröll. Berlin 1893. Verlag von 
Hans Lüstenöder. Preis 1 Mk. Diese eigenartige Erscheinung der Kalender- 
Litteratur verdient den Beifall aller national Empfindenden. Der Inhalt 
ist kerndeutsch gehalten unter besonderer Berücksichtigung deS Deutschtums im 
AuSIande. Jeder Deutsche wird an diesem Jahrbuche seineFreude haben. —Ein 
alter Freund deS deutschen Volkes ist Trowitzsch'S Volkskalender (Berlin, 
Trowitzsch u. Sohn, Preis 1 Mk.). Der neue Jahrgang bietet wieder eine 
Fülle des Intereffanten und Belehrenden, vor allem aber reichen illustrativen 
Schmuck. — WarmeS Lob verdienen auch die neusten Jahrgänge der 
Damen-Kalender, die im Verlage von Trowitzsch u. Sohn und 
R. von Decker in Berlin erschienen sind. Preis je 2 Mk. ES ist schwer 
festzustellen, welcher von beiden vorzuziehen ist. Beide Merkchen sind seit 
Jahren Lieblinge unserer Damenwelt und wetteifern in Bezug auf Zier 
lichkeit, Reichhaltigkeit und Eleganz der Ausstattung. Der Deckersche 
Kalender enthält einen sehr vollständigen GeschichtS- und Hofkalender. 
—rg— 
„DaS Kleine Theater-Journal" nennt sich eine originelle kleine 
Theaterzettel-Zeitung, die seit dem 1. November d. I. vor den Theatern 
angeboten und verkauft wird. Sie stellt ein hübsches Oktavheft von zwei 
unddreißig Seiten in buntem Umschlag vor, auf dessen Titelseite jeweilig 
der Personenzettel des Theaters steht, vor dem das Heft feilgehalten wird. 
Das Heft enthält je ein Porträt und eine Biographie, Kritiken, Artikel, 
sowie Mitteilungen über Theater und Annoncen. Jedes einzelne Exemplar 
ist in einen kleinen, zierlichen, hölzernen Zeitungshalter gespannt. Mit 
dem Halter, der natürlich eben nur als eine Art Griff sür das eine 
Theaterzettel-Heft dienen soll, kostet daS kleine Theater-Journal nur zehn 
Pfennig. 
Inhalt: Der letzte Weihnachtsmarkt. Eine Träumerei von 
Gustav Heinrich Schneideck (Schluß); Der Fernemüller und fein 
Weib. Ein Stück märkischer Geschichte. Von Rudolf Eckert (Fortsetzung); 
Vom „Düstern Keller" bei Berlin. Von Ferdinand Meyer; Mönch 
Hermann von Lehnin. Ein märkischer Sang von M. v. Buch 
(Fortsetzung). — Kleine Mitteilungen: Aus Wittenbergs Feier zur 
Einweihung der Schloßkirche (mit Abbildung). Die Korporation der 
Berliner Buchhändler. Anton Rubinstein. Zur Einführung deS Schnee- 
schuhfportes in Deutschland. — Vereins» schlichten. — Büchertisch. 
Anzeigen. 
Für die Redaktion verantwortlich: Richard George in Berlin N. 68. — Abdruck ohne eingeholte Erlaubnis ist untersagt. 
Verlag: Fr. Zillessen, Berlin X., Schönhauser Allee 141. — Druck: Buchdruckerei Gutenberg, Berlin N., Schönhauser Allee 141a.
        
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