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Periodical volume 17. Dezember 1892, No. 12.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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nicht gedeihen. Gerade die Vaterlandsliebe, das Bewußtsein 
der eigenen Staatszugehörigleit, ist eine der schönsten Früchte 
von Friedrichs Arbeit für sein Volk. 
Und wenn die Katastrophe von 1806 auch mit der ganzen 
Industrie vornehmlich die Seidenindustrie gebrochen hat. also 
daß sie nur in den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts noch 
eine verhältnismäßige Nachblüte erzeugt hat, so beruht die 
Möglichkeit dafür, daß unsere Industrie, als neue Bahnen, 
neue Geleise eingeschlagen werden mußten, ihnen zu folgen 
vermochte, daß wir Schritt halten konnten mit den neuen Er 
findungen. mit den Bedürfnissen der Neuzeit in letzter Linie 
doch wesentlich darauf, daß Friedrich uns einen Stand erzogen 
hatte, der unternehmungslustig, sachkundig und kapitalskräftig, 
der gewerblich und kaufmännisch soweit vorgebildet war. um 
alle Konjunkturen in Betracht zu ziehen und zu verwerten, 
der imstande war, einen Teil derjenigen Kapitalien zu er 
zeugen. welche zur Begründung unserer politischen Macht 
nach Außen wesentlich erforderlich waren, und diese wieder 
jene Bedeutung gewinnen ließ, welche auf sie selbst eine so 
überaus befruchtende Wirkung ausüben sollte. p.— 
Zum 150. Geburtslage des Fürsten Ktücher 
16. Deromvor 1892. 
In Harren und Krieg, in Sturz und Sieg, 
Bewußt und groß, so riß er uns vom Feinde los. 
Goethe. 
jgjie Glockenstimmen, so hallt es heut nach, 
Was einst der Dichter größester sprach; 
Es weht um uns her gleich Märzenluft, 
Die alles erweckt aus Bann und Gruft 
Mit Schlossen daherfährt, im Sturme ringt 
Und dennoch den Lenz und das Leben bringt! 
Mitten im rastlosen Treiben der Zeit, 
Mahnt sie uns heut, die Vergangenheit! 
Steige empor denn, leuchtend im Ruhm, 
Du, Deines Volkes Ureigentum, 
Der die Ahnen geführt auf der Siegesbahn: 
„Feldmarschall Vorwärts" allzeit voran! 
Dreimal ein halbes Jahrhundert verran, 
Seit Dein Herz auf Erden zu leben begann; 
Dies große Herz, deß gewaltigem Schlag 
Deutschland gedankt seiner Freiheit Tag! 
Steige empor denn, Du Heldengestalt. 
Vom Pulverdampfe umweht, umwallt, 
Mitten im prächtigen Reitergefecht, 
So gerade, so ist Dein Bild uns recht! 
In der Faust den Säbel, erfüllt die Brust. 
Von Jugendfeuer und Kampfeslust — 
An der Spitze der Deinen tummelnd das Roß, 
Unbekümmert um tötlich Geschoß! 
Das Haupt bedeckt von des Alters Schnee, 
Die Augen schimmernd wie tiefe See, 
Wenn drüber des Blitzes zuckendes Licht 
Dunkles Gewölke jählings durchbricht — 
Auf bärtiger Lippe ein kemiges Wort, 
Im Herzensgrund den lebendigen Hort, 
Das feste Vertraun auf des Rechtes Stern, 
Den Kindesglauben an Gott den Herrn 
Daß ihm, dem allmächtigen Lenker der Welt 
Ein mannhaftes Wagen viel^besser gefällt. 
Als kleinmütig zagen in Fesseln und Not, 
Als duldend gehorchen schmachvollem Gebot! 
Und glühend, ein unverlöschlicher Born, 
Im Innern den großen, den heiligen Zorn. 
Das starke Empfinden: es darf nicht geschehn 
Dein Volk, so darf es nicht untergehn. 
Vom Sturm geschüttelt, im Traumgewand, 
Das Mal der Schmach auf die Stirne gebrannt, 
So trat Deine Zeit ja vor Dich hin, 
Gleich einer verzweifelnden Bettlerin! 
Du machtest sie groß. Du hobst sie empor, 
Du gabst zurück ihr, was sie verlor, 
Segnend die Stunde, da laut und voll, 
Des Königs Ruf durch die Lande scholl! 
Kein Schwanken, kein Zaudern, kein Federkrieg: 
Dem Feinde entgegen zu Tod oder Sieg! 
Und voll und laut Deine Antwort klang 
Herüber vom schlesischen Bergeshang: 
Der Ruf, der sonst unsere Fahnen umrauscht. 
Für den wir die Klage, die dumpfe, getauscht, 
Der Ruf der erstorben im Sturme wild, 
Verstummt und erstickt auf dem blut'gen Gefild: 
Nun hallt es aufs neue von fern und nah, 
Das herrliche alte: Viktoria! 
Viktoria! braust es vom flutenden Rhein, 
Tief in die feindlichen Marken hinein: 
Vorwärts! mit eigner Begeisterung Glut 
Unwiderstehlich schürend den Mut, 
Gebietend und wagend auf höchster Wacht, 
Und dennoch mit gütigem Sinne bedacht, 
Für der Kämpen geringsten, der sich bewehrt 
Zum heiligen Strauße um Freiheit und Herd! 
Im Herbstessturm, wie im Frühlingsglanz, 
Führtest Du glorreich den Waffentanz, 
Bis auf dem Kaiserschloß von Paris 
Der preußische Adler sich niederließ, 
Bis vom Rhein hinüber zum Ostseestrand, 
Befreit das geliebte, das Vaterland! 
Blicke hernieder, Du Mann der That, 
Siehe gereift, die Du sätest, die Saat: 
Gesunken, erloschen, zerschmettert zu Recht, 
Das einst uns geknechtet, das stolze Geschlecht! 
Auf Deutschlands Throne den Kaiser und Herrn, 
Ueber ihm leuchtend des Glückes Stern! 
Und ob zum Staube Dein Staub gesellt. 
Lebendig lebst Du, der Retter und Held! 
Dein Vorwärts, das Dich einst zum Siege trieb, 
Dem deutschen Volke die Losung blieb. 
Was Du uns errangst, der Gefallenen Blut 
Erkaufte — wir wahrten das köstliche Gut, 
Von Deinem Geiste beseelt und geweiht, 
In Glück und Gefahr, im Frieden und Streit! 
Wie wechselnd ersteht aus dem Gestirn das Heul, 
Wie das Jahr sich, wie das Jahrhundert erneut, 
Der Feinde Drohen und Kraft wird zu Spott 
Bewahren wir treulich Dein: „Vorwärts mit Gott 
Daß der Tag uns umleuchtet, die Nacht versank — 
Feldmarschall Blücher! Dein ist der Dank! — 
AI. Kurs.
        
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