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Periodical volume 10. Dezember 1892, No. 11.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

-s 123 s- 
Neßmanns Wiistengvall. 
Aus dem poetischen Reisetagebuch eines Berliner Kolonial-Touristen.*) 
Von Richard Kchrnidt-Gatt anis. 
7-^ 
„Afrika — 
Hipp hurra! 
Jnimer hin! 's ist himmlisch da, 
Jar nischt kennt, wer des nich sah!" 
So schrie allens fern und nah! 
Ick voll Wut 
Denke: Int, 
Wissen mußt du, wie des dhut; 
Nehme Rejenschirm un Hut, 
Un mit meinen Freind Fritz Krause 
Komm' ick, nach 'ne kleene Pause, 
An, det Nachmittags um vier, 
Stürze mir 
Jn's Pläsier. 
Seh, mir um un finde hier 
Jott is jroß! 
Jlaubt man's blos?! 
Nich die kleinste Spur is los! 
Vorne ein paar drockne Halme, 
In de Mitte eine Palme 
Un ein Sandfleck hinten — siehste 
Wie de bist: det nennt sich „Wüste"! — 
Jejend: sonst nich von Bedeutung: 
Un die Städte... .! Keene Zeitung, 
Nich mal Jas- un Wasserleitung! 
Straßenpflaster — 
's reine Laster: 
Dabei Männer, Kinder, Weiber 
Kaum 'neu Fetzen auf die Leiber; 
Manchmal blos mit Talg beschmiert, 
Deß man beinah sich scheniert — 
Dumm un faul 
Un denn immer's jroße Maul! — 
Nirjendswo een Droschkenjaul 
An die Ecke, meiner Seele! 
Lieber Jott, un die Kameele, 
Wo man dadrauf reiten muß: 
Der antikste Omnibus 
Is dajejen Hochjenuß! 
Un was außerdem for Bestien 
So den Menschen hier beläst'gen, 
Wo, wenn ein Malhör gescheh'n, 
Nie kein Schutzmann is zu seyn; 
Der Schkorpion 
Jrinst voll Hohn: 
„Alter Sohn, 
Dir hab' ick beim Wickel schon!" 
Oder dito 
Ein Moskito 
Kriecht mir in den Stiebel cito! 
Ohne einen Jrund, der triftig, 
Sind die Fliesen hier jleich jiftig! 
Ob ick Müller oder Neumann 
Heiße, is ejal den Kaiman — 
Er frißt flott an mir sich satt, 
Weil er keenen Maulkorb hat! 
Tijer jeglichen Jeschlechts 
Happsen nach mir links und rechts; 
Vorne pakt mir 'ne Hyäne 
Mit de Zähne 
In de Beene, 
Hinten an de Kaktuswand — 
Ooch scharmant! — 
Drängelt mir ein Elefant 
Oder tritt mir in den Sand; 
Wütend wie ein doller Truthahn 
Dreibt mir hier ein Orang-Utan — 
Klatsch, den Hut an; 
Während da 'ne Löwenjruppe 
Mir vertilgt als Wocheusuppe! — 
Auch an einen schönen Dage 
Ohne Frage 
Kommt man manchmal in die Lage, 
Deß ein Anthropopophage, 
Wenn er uns von weiten sieht, 
Kriegt App'tit, 
Un kaum weiß man, wie's jeschieht. 
Läßt er uns als delekaten 
Vesperhappen knusprig braten — 
So vielleicht mit Zwiebeln dran, 
Die ick nich mal riechen kann; 
Un kriegt er denn nach's Suppee 
Magenweh, 
Achherrjeh! 
Schimpft er hinterdrein noch jar, 
Deß an mir nich recht was war, 
Mäkelt mir: ick schmeckte jraulich 
Un erklärt mir unverdaulich! — — 
Un zuletzt, jerechte Jötter! 
Hier det afrikan'sche Wetter, 
Det macht nu den Kohl noch fetter! 
Jn'n Dezember: mehr wie'n vollen 
Monat rejent's wie mit Mollen, 
Und in'n Februar — reen verrückt! — 
Is 'ne Hitze, det man stickt. 
Stoobig is es immer, jrade 
Wie in Temploh zur Parade! — 
Dabei kann ick nich entdecken, 
Was sie mit des Kongobecken 
Blos bezwecken, 
Wo von solchen Mordsjestanke 
Selbst bei Rieselfeld un Panke 
Kein Jedanke! 
Lieber will ich, Jott soll strafen! 
An den braven 
Humboldthafen 
In Berlin im Freien schlafen, 
Als hier blos 'ne einz'je Nacht, 
Wo des holde Becken lacht, 
Wo der Büffel sich drein sielt, 
Un was nie wird ausjespült! — 
Ueberhaupt is nischt hier rein. 
Mensch un Tiere, Jroß un Klein: 
Allens ein 
Rics'ges Schwein 
Un des will ein Erdteil sein?! 
Donner, nein! 
Machen soll meintswejen Krause. 
Dem ich zu Jesallen meist 
Mil nach dieses Loch jereist, 
Was er will: ick fahr' zu Hause!" 
*) Diese köstliche Probe der unverwitstlichen Humors unseres ve> 2 Mk>. Obige Probe spricht so für diese (unpolitischen) Lieder, daß wir 
ehrten Mitarbeiters entnehmen wir mit gütiger Erlaubnis des Verfassers hier kein Wort weiter zur Empfehlung derselben zu verlieren brauchen, 
dessen „Lachenden Liedern" (Berlin 1893, Verlag von R. Voll, Preis G -
        
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