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Periodical volume 26. November 1892, No. 9.

Full text: Der Bär Issue 19.1893

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Preußens innerer Entwickelung, d. h. eben die Regierungszeil 
der beiden genannten Könige (1713—1786) vorliegt, zu ver 
öffentlichen und damit die Kenntnis von einem Schaffen dieser 
Herrscher zu begründen und zu verbreiten, welches recht 
eigentlich zu dem die Größe und Bedeutung Preußens be 
gründenden gehört. „Es gilt" in der That, wie die Akademie 
dem Kultusminister schreibt, „für diese innere Verwaltung noch 
mehr als für die äußere der Satz, daß bei jeder Publikation 
und Aufdeckung der innersten Triebfedern des staatlichen 
Handelns dieser preußischen Monarchen das Ansehen der Krone 
und des Beamtentums nur gewinnen kaitn. Es handelt sich 
so zugleich um eine große patriotische That, um ein Unter 
nehmen, welches das Staatsgefühl und die Anhänglichkeit an 
die Dynastie in außerordentlicher Weise zu stärken imstande 
ist." Das Unternehmen ist in zwei Hauptteile zerlegt worden, 
von denen der erste der Organisation der Staatsbehörden und 
den allgemeinen Fragen, der zweite aber der speziellen Staats 
verwaltung gewidmet ist. Der ungeheuere Umfang des zweiten 
Hauptteiles nötigte natürlich dazu, zunächst nur einzelne Zweige 
in Angriff zu nehmen, und zwar die Verwaltung der indirekten 
Steuern, die Gewerbe- und Handelspolitik, sowie die Militär- 
Verwaltung. Nachdem der Minister der geistlichen Unterrichts 
und Medizinal-Angelegenheiten die Kosten auf die Staatskasse 
zu übernehmen sich bereit erklärt halten, wählte die Akademie 
Heinrich von Sybel, Gustav Schmoller und Max Lehmann 
zu Mitgliedern einer Kommission, und diese übertrug, während 
Heinrich von Sybel den Vorsitz erhielt, die geschäftliche und 
wissenschaftliche Leitung des ganzen Unternehmens an Schmoller. 
Er ist sicherlich der eigentliche Urheber des umfassenden 
Planes, er ist aber auch derjenige, welcher die Arbeit der 
Mitarbeiter für die einzelnen Teile leitet, und welcher die 
Aufgaben soweit fördert, daß ihre Lösung möglich ist. Er ist 
ferner zugleich derjenige, welcher für die meisten in Aussicht 
genommenen Teile schon die umfangreichsten Vorarbeiten ge 
macht hat, und der — es klingt wehmutsvoll, aber es zeigt 
die ganze sittliche Größe und den selbstlosen Charakter des 
deutschen Gelehrten — all diese umfassenden Vorarbeiten 
neidlos in die Hände jüngerer Kräfte gelegt hat, um unter 
Verzicht auf den eigenen Ruhm, lediglich der Wissenschaft zu 
dienen. Denn durch die Bewilligung staatlicher Mittel war 
es allerdings möglich, viele Kräfte heranzuziehen und so den 
eigenen Plan auf breiterer und vollkommenerer Basis zu ver 
wirklichen, als es dem Einzelnen möglich gewesen wäre. 
(Fortsetzung folgt.) 
Mönch Aermann von Kehnin. 
Sin Märkischer Sang von M. rr. Kuctr. 
' (7. Fortsetzung.) 
Ruth Ehrenreich. 
Fiebernd in der Burg zu Stolp 
Liegt der Junker Hans von Dochow 
Und ihn pflegt Ruth Ehrenreich, 
Achtsam, nach den Worten Hermanns. 
Aber selbst die treuste Sorgfalt 
Konnt das Fieber nicht verscheuchen, 
Das den wunden Mann gepackt, 
Und durch seine Adern rann, 
Wie der Brand des wilden Feuers. 
Witold, Stolpes alter Thorwart 
Hatte seit dem Tag der Ankunft 
Teilnahmsvoll ihn stets betrachtet 
Und als heute er, statt Ruths, 
An dem Krankenbett verweilte, 
Schüttelte den grauen Kopf 
Ernst und sorgenvoll der Alte, 
Und als seine Herrin eintrat 
Winkt er sie bei Seit und sagte, 
Mit der Hand auf Dochow weisend: 
„Schlecht stehts mit ihm, edles Fräulein; 
Wenn das Fieber also anhält, 
Können wir zur Dochowburg 
Bald die Trauerbotschaft senden. 
Unsre Kraft und unsre Sorgfalt 
Ist hier unnütz, und ich meine. 
Wollt sein Leben Ihr erhalten, 
Schickt ins Dorf zur alten Mara; 
Die weiß Heil für jede Krankheit: 
Blut bespricht sie und das Fieber. 
Schickt zu ihr und ists noch möglich, 
Dochows Leben zu erhalten 
Kanus allein die alte Mara." 
Ruth schaut ängstlich bei den Worten, 
Doch zuletzt sagt sie entschlossen: 
„„Unlieb war mir stets die Alle, 
Gern seh ich sie nimmer kommen, 
Aber thu, wie Du gesprochen."" 
Witold geht; Ruth Ehrenreich 
Netzt des Kranken trockne Lippen 
Mit dem frischen Brunnenwasser, 
Kühlt die Witnde an dem Arm 
Und setzt dann sich auf den Schemel. 
Nah dem offnen Fensterlein. 
Leise stirbt das Licht des Tages; 
Hinter dunkelgrünen Wäldern 
Geht die gold'ne Sonne schlafen 
Und ihr letzter Purpurschein 
Malt des Himmels Wolken rosig. 
Auf dem Lager wirft der Kranke 
Röchelnd sich und leise stöhnend 
Hin und her, zuweilen auch 
Fährt er aus dem Fiebertraume. 
Abgerissne Worte flüsternd. 
Auf die schweren Atemzüge 
Lauschet aufmerksam das Mädchen 
Und ganz leise auf den Zehen 
Sie erhebet sich und schreitet 
An sein Lager, ihn betrachtend. 
Muß er sterben, ist sein Leben, 
Ach, vielleicht in wenig Stunden, 
Schon erloschen und emfloh'n? 
Traurig wär's, er ist so jung noch. 
Zwar so stolz, wie Hermann Pritzwalks, 
Sind wohl nicht des Junkers Züge,
        
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