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Periodical volume 22. November 1890, No. 8

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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^PPPlSlEHLIHAUS; 
||püRms:HiSiGE;TEUTSCHE^<| 
MvEBIMQLM BÄCKER'CEWERCK 
GEBAUT.'Anno MDCCLXXVI 
Das Berliner „Mehlhaus^ 
Von HZ. Kolbo. 
(Mil S Abbildungen.) 
Wohl nur wenige Leser werden cs dein alten, am Nord- 
Schlesien auf dem Wasserwege nach Berlin kamen, und welche 
bis zu ihrer Abholung in die Behausungen der Bäcker hier 
lagerten, eine feste, sichere Unterkunft geschaffen werden mußte. 
Der große König schenkte deshalb dem Bäckergewerk seiner 
ufer des Cantiauplatzes belegeneu und ziemlich einförmigen j Hauptstadt einen geeigneten Platz zur Erbauung eines Mehl- 
Hause, das die schlichte Inschrift „Mehlhaus" trägt, angesehen ■ hanses, und zwar in dem Winkel, welcher von dem linken 
haben, daß die- Arm der Spree 
Das Mostlffaus. 
stach einer Anfnahnic der Anstalt für Lichtdruck und Kunstverlag von Dr. E. Merten 
ses in einem 
so versteckten 
Winkel gelege 
ne , unschein 
bare Gebände 
eine Geschichte 
hat, und zwar 
eine recht in 
teressante, die 
noch dazu eng 
verknüpft ist 
mit der gro 
ßen, gegen 800 
Mitglieder 
umfassenden 
Innung des 
Berliner ehr 
samen Bäcker 
gewerks. Aber 
die Tage die 
ses „Mehl 
hauses" sind 
gezählt, nach 
dem es seitens 
der Bäcker- 
Innung an die 
Kgl. Staatsregierung zur Durchführung der geplanten Museums 
bauten verkauft ist und über kurz oder lang 'zum Abbritch 
komnten dürfte. Das gegenwärtige „Mehlhaus" steht seit dem 
Jahre 1826; seine 
Geschichte reicht jedoch 
bis in die Regierung 
des großeti Königs, 
bis in das Jahr 1776 
zurück, umfaßt also 
mehr als ein Jahr 
hundert. 
ZurZeit des Großen 
Kurfürsten luden die 
Bäcker ihr Mehl, das 
sie vorzugsweise zu 
Wasser bezogen, nörd 
lich vom Lustgarten 
ab, und zwar an dem 
Ufer eines jetzt nicht 
mehr vorhandenen Spree-Armes, der Spree und Kupfergraben 
verband. Die Stelle ist in dem beigegebenen Situationsplan 
durch den Buchstaben D bezeichnet. Ein besonderes Gebäude 
war ztt jener Zeit nicht vorhanden, die Verladung geschah 
vielmehr unter freiem Himmel. Dies dauerte so lange, bis 
Friedrich der Große die Accise tiach französischem Muster ein- 
sührte, und nun für die großen Mehlsendungen, welche aus 
i Cie., Berlin \Y. 
und dem Kup- 
sergraben ge 
bildet wurde. 
Hier nun er 
richteten die 
Bäcker das 
e r st e Mehl- 
haus ; denn, 
wie wir weiter 
hin noch sehen 
werden, das 
jetzt verkaufte 
Gebäude, wel 
ches diesen 
Namen trägt, 
ist nicht das 
ursprünglich 
alte, sondern 
ein 1824—26 
ausgeführter 
Neuban; daS 
alte Mehlhaus 
hatte einen 
großen, ge 
wölbten Keller 
u. Boden. Die 
Größe dieser Räumlichkeiten läßt sich atis den für damalige Zeit 
immerhin hohen Mietspreisen, die sie brachten, ungefähr 
schätzen; 1819 wurde nämlich der Boden für 70 Thaler, der 
Keller für 116 Thaler 
vermietete 
Die Situation wird 
durch nebenstehende 
Skizze, ivelche einem 
in den Akten der In 
nung befindlichen grö 
ßeren Plane von 1776 
entnommen ist, veran 
schaulicht. Leider exi 
stiert eine Abbildung 
des ganzen Gebäudes 
nicht mehr; nur so 
viel sei hier mitgeteilt, 
daß dasselbe auch 
bildnerischen Schmuck 
zeigte, und zwar in einem auf der Wasserseite vorspringenden 
Frontispiz mit Sandsteinbekrönung, in deren dreieckigem Felde 
die 1815 neu vergoldete Inschrift prangte: „Mehlhaus für 
das hisige teutsche und französche Bäckergewerck. Gebaut anno 
MDCCLXXVI." (s. Abbildung.) 
Auf der Rückseite des Gebäitdes, nach der Kupfergraben 
brücke, bezw. der Straße zu scheint eine gleiche Frontbekrönnug
        
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