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Periodical volume 8. November 1890, No. 6

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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feine Kräfte, so lange sie vorhielten, so lange er atmen konnte, 
dem Dienste des Vaterlandes zu iveihem Es war ihm ein 
eigentümliches, beklemmendes Gefühl, daß der Kapitän den 
Argwohn ausgesprochen, Minna ». Braun könne in ihm mehr 
als einen Bruder, als einen Freund erwarten. Das Gift 
wirkte, der Argwohn zog weitere Schlüsse — vielleicht wähnte 
sein Vater, ihn fessele etwas anderes, als alte Freundschaft au 
das Haus des Majors, vielleicht hatte jener deshalb so gering 
schätzend von dem alten Ehrenmanne gesprochen. 
(Fortsetzung folgt. 
Ein Maler für's deutsche Hans: 
Woof. Wilrrov Paul Wolru. 
Von H. Ur>Unrar. 
I. 
In England besteht seit vielen Jahre» 
ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht 
hat, nicht nur den Schulen des Landes schönen 
B.'lderschmuck gu verschaff,"», sondern auch jene 
Armen mit Gebilden der sinnst zu erfreuen, 
deren Augen tagtäglich nur das Grau ihrer 
Werkstatt oder die düstren Höfe ihrer Miets- 
kasernen sehen. Da hat man beispielsweise 
einen Hof, der von rauchgeschwärzten Mauern 
umgretizt ist und doch mehr als hundert Kin 
dern zum Spielplatz dient, mit Wanduiale- 
reie» versehen, welche die Feier der christlichen 
Feste im Wandel der Jahreszeiten darstellen; 
einer Kinderbewahranstalt, die seit Jahren in 
einer zwar gesunden, aber doch recht öde ans- 
schaueudeii Baracke herbergt, schenkte der Ver 
ein eine Folge von Bildern, welche fröhlich 
sinnige Kinderspiele darstellen; vielen Kranken- 
häusern und besonders den Kinderstationen 
sind aus gleicher Quelle schöne Bilder, teils 
religiösen, teils weltlichen Inhalts gestiftet 
worden. Der Verein brauchte sich niemals 
zu bemühen, seine Gaben unterzubringen, 
tausend Hände streckten sich aus, dieselben 
dankend in Empfang zu nehmen; und niemals 
waren so viel Bilder vorhanden, wie Menschen, 
welche sie zu besitzen wünschten. Der Verein 
hat nicht nur durch die Statistik, sondern durch das Leben 
erfahren, daß sein Vorgehen nicht vergeblich gewesen ist; er 
hat ein gut Teil Sonnenschein in die graue Alltäglichkeit ge 
bracht und nicht nur Kinderaugen oft fröhlich, sondern, was noch 
besser ist, Meuschenherzen oft getrost gemacht. 
Wir Deutsche haben trotz unserer Legion von Vereinen 
leider keinen ähnlichen aufzuweisen. Stadtverwaltungen oder 
Private haben sich nur in seltenen Fällen bewogen gefunden, 
in der genannten Weise vorzugehen. Einzig und allein der 
Staat ist es, ivelcher tiach dieser Richtung hin fördernd ein 
greift; er hat die Wichtigkeit erkannt, welche eilt im Schul 
hause an rechter Stelle — vor allem in der Aula — an 
gebrachtes historisch bedeutsames Bild auf die heranwachsende 
Generation ausübt. Die Gymnasien von Königsberg, Minden, 
Magdeburg, Wittenberg u. s. w., auch viele Lehrer-Seminare 
neunen solche Gemälde ihr eigen. In jüngster Zeit hat nun 
auch eine Berliner Töchterschule — das Patenkind der ver 
storbenen Herrscherin — die Königliche Augusta-Schule, einen 
solchen Schmuck erhalten. 
Die bis jetzt dort vollendeten Gemälde giebt untenstehende 
Illustration in den Konturen treu wieder. Die Aula des in 
der Kleinbeerenstrabe zu Berliti liegeudeu Schulhauses war 
bis jetzt in den Tönen einer braunen Holztäfelung gehalten 
und zeigte als einzigen künstlerischen Schmuck die Kolossalbüste 
der hohen dahingeschiedenen Namengeberin der Anstalt. Die 
Worte, welche die deutsche Kaiserin mit echt mütterlich sorgen 
dem Sinn am 23. April 1886 der alten Schule im neuen Heim 
zurief, sind am Fuße der Büste zu lesen; sie lauten: „Meine 
wärmsten Wünsche für das Gedeihen dieser wichtigen Anstalt, 
die mit Gottes Segen dazu dienen möge, dem weiblichen 
Bertis für die Erziehung der Jugend ein würdiges Heim, der 
deutschen Bildung im Herzen und Gemüt der Frau eine dank 
bare Stätte zu bereiten!" Bild und Wort der Heimgegangenen 
Herrscherin werden mit Recht immer einen Ehrenplatz in jenem 
Saal behalten. Die Büste steht in einem Rundbogen der den 
Fenstern gegenüber liegenden Südwand, welche dazu ausersehen 
wurde, bildlichen Schmuck zu erhalten. Der geistige Mittel 
punkt jener Wandmalerei aber ruht in der fast lebensgroßen 
Gestalt des Heilands, die zu Häupten der Büste der Kaiserin 
steht. Mit ernstem, hoheitsvollem Ausdruck blickt Christus zu 
den beiden Schwestern von Bethanien herab; auf den Stufen, 
ihm zu Füßen, steht zur Linken Martha, welche fragend zu 
dem göttlichen Gast aufblickt; ihm zur Rechten lehnt Maria; 
die Bewegung seiner Hand unterstützt deutlich die Antwort, 
welche sein Mund der Martha gütig und milde giebt: „Maria 
hat das gute Teil erwählt." 
Neben diese beiden vorbildlichen Frauengestalten des 
Wanümalevei in üev Mula Lev 1
        
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