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Periodical volume 19. September 1891, No. 51

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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unb auf die Phantasie Theodors wirkte schon frühzeitig eine 
Fülle der mannigfachsten Eindrücke. 
Den ersten Unterrichi genoß Theodor im elterlichen Hause, 
da er eine schwache Körper-Konstitution besaß, welche erst durch 
fortgesetzte gymnastische Uebungen gekräftigt wurde. Später 
besuchte er die Kreuzschule in Dresden, dach lag der Haupt- 
uuterricht dauernd in den Händen von Privatlehrern. Von 
Jugend auf hatte Körner viele Selbständigkeit und vielen 
freien Willen. „In meiner Familie", so schreibt der Vater 
in dieser Beziehung, „die durch Liebe und gegenseitiges Ver 
trauen sich zu einem freundlichen Ganzen vereinigte, wurden 
auch die Rechte des Knaben und Jünglings geachtet und, ohne 
zu herrschen, genoß 
er frühzeitig inner 
halb seiner Sphäre 
eine unschädliche 
Freiheit." Damit 
hängt auch das 
lange Schwanken 
des Jünglings in 
der Wahl seines 
Lebensbernfes zu 
sammen. Der Hang 
zum Romantischen 
machte dem feurigen 
Körner jede an 
haltende Beschäfti 
gung verhaßt; er 
schweifte am liebsten 
in Wald und Feld 
in der schönen Um 
gegend von Dres 
den umher. begleitet 
von der geliebten 
Leier. Jttfolge ern 
sten Drängens von 
seiten des Vaters 
entschloß er sich 
endlich, die Berg 
wissenschaft zum 
Gegenstand seines 
Studiums zu 
niachen. Er ging 
1808 nach Frei 
burg. wo er auch 
wirklich eine Zeit 
lang dem gewühlten 
Berufe mit energischem Fleiße oblag. Anfangs fesselte ihn vor 
zugsweise der praktische Bergbau, während er sich später der 
Mineralogie und Chemie widmete. 
Schon frühzeitig hatten sich bei Körner Keime dichterischer 
Begabung gezeigt. Der Vater hatte die ersten Versuche nur 
geduldet und nicht begünstigt. Während des Aufenthaltes 
in Freiburg entsprangen dann dem dichterischen Geiste Körners 
eine ganze Reihe von Liedern. Von Nachdichtungen, Nach 
ahmungen und Entlehnungen halte sich der Jüngling zu selbst 
ständigem Schaffen entwickelt, und schon 1810 erschien die 
Sammlung seiner Erstlingsgedichte bei deni dem Vater be 
freundeten Goeschen unter dem Titel „Knospen." 
Dorikrncrt Thosdsr Körners 1»et Rclexberg. 
In demselben Jahre gab Körner seine bergmännischen 
Studien auf und kam nach Leipzig, um dort Naturwissenschaften 
zu studieren. 
In Leipzig gab es damals fortwährende Reibungen 
zwischen den Verbindungen, und es darf bei dem so leicht er 
regbaren Gemüte Körners nicht Wunder nehmen, daß er bald 
den thätigsten Anteil an jenen Kämpfen nahm. Sein Freund 
Kunze schreibt darüber: „Körner war bald in so viele Studenten 
händel verwickelt, daß ein Duell das andere jagte. Als ein 
Muster eines fidelen Burschen war er stets von den Pedellen 
verfolgt und gesucht, so daß er kein festes Quartier mehr be 
halten konnte und öfter spät abends in mancherlei Verhüllun 
gen zu mir kam, 
nur um die Nacht 
bei mir zuzubrin 
gen. Seine Freunde 
hatten offene Kasse 
bei ihm, und aus 
Güte des Herzens 
versetzte er für sie 
alles." 
Diese Verwicke 
lungen wurden für 
Körner immer 
ärger; es kam leider 
so weit, daß er sich 
an einer Schlägerei 
auf offener Straße 
beteiligte und das 
Consilium abe- 
nnäi unterschreiben 
mußte. Zu gleicher 
Zeit wurde eine 
Untersuchimg gegen 
die Verbindung der 
„Konstanlinisten" 
eingeleitet und ge 
gen Körner Stadt- 
arrest verhängt. Der 
jugendliche Heiß 
sporn forderte den 
Führer der Gegen 
partei zu einem 
Duell, bei dem er 
schwer an der Stirn 
verletzt wurde. Eine 
sechsmonatliche 
sich durch heimliche 
wo er März 1811 
Karcerstrafe drohte Körner, welcher er 
Flucht nach Berlin zu entziehen suchte, 
eintraf. 
Der Aufenthalt Körners in Berlin dürfte die Leser 
unserer Zeitschrift in besonderem Maße interessieren, und wir 
wollen denselben hier eingehender behandeln. Körner genoß 
in Berlin die Gastfreundschaft des Hofrates Parthey, des 
Schwiegersohnes von Friedrich Nicolai, der die Buchhandlung 
(Brüderstraße 13) seines berühmten Schwiegervaters über 
nommen hatte. Sein Sohn, Dr. Gustav Parthey, berichtet 
in seinen „Erinnerungen" (Teil I, S. 197) folgendes über 
Körner:
        
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