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Periodical volume 1. November 1890, No. 5

Full text: Der Bär Issue 17.1891

abgeschnitten, eine halbe Stande hindurch heldenmütig den 
feindlichen Angriff von sich abwehrte, bis seine Gefährten sich 
wieder zu ihm hindurchschlugen. — Nachdem er nach seines 
Vaters, Kurfürst Friedrichs I., Tode die Regierung der Mark 
grafschaft unterhalb des Gebirges angetreten, benutzte er ge 
schickt die politischen Zerwürfnisse und die Ohnmacht seiner 
fürstlichen Nachbarn, um mit Gewalt oder List sein Gebiet 51t 
vergrößern. Zweimal jedoch wurde dieser große Kriegsmeister 
vor den Mauern kleiner unterfränkischer Mainstädte, welche zu 
überwältigen ihm leicht dünkte, zurückgeschlagen. Das geschah 
am 4. Dezember 1440 vor Ochsenfurt und am 12. Dezember 
1461 vor Salzfeld a/M. 
Das Domkapitel zu Würzburg hatte seine Stadl Ochsen 
furt dem Hoch- und Deutschmeister Eberhard vou SeinSheim 
verpfändet, unb letzterer hatte seinen Bruder Eckiitger, genannt 
den Langen, zum Amtmann daselbst ernannt, auch eine kleine 
Schar tapferer Reisiger als Besatzung 
dahin beordert, um die Stadt gegen 
etwaige feindliche Anfälle zu schützen. 
Markgraf Albrecht Hielt den Augen- 
blick für günstig, der, wie er wähnte, 
von Verteidigern entblößten, hilflosen 
Stadt sich zu bemächtigen. In der 
stürmischen Mitternacht vor dem Bar 
baratage (4. Dezember) 1440 erschien 
er plötzlich und in größter Stille mit 
einem stattlichen Heerhaufen zu Fuß 
und Roß vor den Thoren unb ließ 
eine große dreifache Sturmleiter an 
die Mauer hinter dem sogenannten 
Schlößlein anlegen. dessen tiefer 
Wassergraben mit einer dicken Eis 
rinde überzogen war. Ermutigt durch 
die den Ueberfall begünstigenden Um 
stände und durch Albrechts lockende 
Versprechungen reicher Beute, erstiegen 
die auserlesensten Jünglinge des Heer 
haufens, meist adeligen Standes, unter 
ihnen ein Bannerträger und Trompeter, rasch die Stadnnauer 
und besetzten den innern Hof des Schlößleins, welches gegen 
die Stadt hin durch eine Mauer und ein Thor befestigt war. 
Schon waren auf diese Weise 45 Krieger unbemerkt in die 
Stadt eingedrungen und der Markgraf, frohlockte bereits als 
des Sieges gewiß; — da barst mit einem male die Eiskruste 
des Wassergrabens unter der Wucht der vielen zum Sturm 
sich Andrängenden; die angelehnte Leiter, ihres Stützpunktes 
beraubt, entglitt an der Mauer, fiel samt den darauf empor 
klimmenden Reisigen auf den zugefrorenen Wasserspiegel des 
Stadtgrabens herab und zerbrach. Das Geschrei der Fallenden 
und durch ihre eigenen Waffen Verwundeten erscholl weithin 
durch die finstere Nacht und drang zu den Ohren des Wächters 
auf dem nebenstehenden Schloßturm empor. Dieser, welcher 
einen Unglücksfall in der Stadt vermuten mochte, warf brennende 
Strohbüschel in die Finsternis hinab und erkannte bei deren 
Schimmer die gefürchteten feindlichen Gäste. Pflichtgetreu be 
gann er sofort aus allen Kräften Lärm zu blasen, worauf der 
Kirchturmmächter alsbald die Sturmglocke ertönen ließ, welche 
Bürger und Besatzung aus den Armen des Schlafes riß und 
eilig zu den Waffen rief. Ein Teil derselben wandte sich zu 
Adolf Divstorweg. 
der bedrohten Stätte und umringte das Schlößlein; andere 
aber besetzten die Türme und bcwachien die wohlbefestigten 
Thore der Stadt, welche aufzusprengen der wutentbrannte 
Markgraf hin und wieder vergebliche Versuche machte. Bein: 
Morgengrauen zog sich Albrecht unter schrecklichen Drohungen, 
welche er den Turmwächtern zurief, mit zahlreichen Verwundeten 
von den Thoren zurück. Indessen hatte die im Schlößlein 
eingeschlossene, von ihren Gefährten abgeschnittene und ihrem 
Schicksal überlassene Mannschaft zu zweien malen Ausfälle 
auf die sie umzingelnden Ochsenfurter gemacht, um sich zu be 
freien und zu einem Stadtthore sich durchzuschlagen, jedoch 
vergebens. Sie verlor dabei ihren Bannerträger Kunz von 
Egloffstein, welchen eilt Bäcker niederstach und ihm das Banner 
entriß, sowiezweiHauptleute, Heinz Ackerlach undHans Schwagerer, 
und drei Reisige. Auf Seite der Bürger fielen der Orgeler 
Klügelein, ein Metzger und der Knecht des Hans Wild. Der 
Amtmann Eckinger selbst aber wurde 
im Getümmel von einem seiner Sol 
daten niit einer Büchsenkugel, welche 
gegen den Feind gerichtet war, durch 
den Kopf geschossen, ttachdem er eben 
die Eingeschlossenen zur Ilebergabe 
aufgefordert hatte, welche diese jedoch 
mit Hohit zurückwiesen. — Um dem 
Andränge der anstürmenden Bürger 
zu entgehen und vor dem Stein- und 
Pfeilregen vou dem benachbarten 
Turm herab sich 511 schützen, welchen 
mit Hilfe eines Seiles fünf Männer 
aus der Stadt erklommen hatte», 
zogen sich die Eingeschlossenen endlich 
in die sogenannte große Stube des 
Schlößleins zurück. Doch die Bürger 
zerstörten das Dach des Hauses mit 
Feuerhaken und schleuderten brennende 
Pechkränze auf dasselbe, so daß das 
ganze Gebäude alsbald in Brand ge 
riet und die Markgräflichen — eine 
zweite Nibelungenschar —, wollten sie nicht in den Flammen 
elend umkommen, ihre Waffen zu strecken und sich als Ge 
fangene zu ergeben gezwungen waren. Die Namen der Adeligeti 
darunter waren: Engelhard von Rotenstein, Engelhard und 
Hans von Absberg, Fritz und Sigmund von Seckendorf, Wolf 
von Halbingen, Kraft von Altertheim, Heinz Motschiedler, 
Wilhelm von Elm, Reinhard Rüd von Collenberg, Reinhard 
und Sigmund von Wendlingen, Hans von Mohrenthal, Hans 
von Brunn, Rudolf von Hohenheim, Wilhelm Schenk von 
Schenkstein, Dietz von Bergsteten, Maitgold Fetzer. Das Dom 
kapitel zu Würzburg verlangte, die Stadt solle ihm die Ge 
fangenen aushändigen; dessen weigerten sich aber die deutschen 
Herren als Pfandinhaber. Auch erließ der Markgraf einen 
Drohbrief an die Stadt, wofern sie seine Leute in fremde 
Hände ausliefern würde, wolle er den Ochsenfurter» sein Leben 
lang nach Leib und Gut trachten und allen Bürgern Hände 
und Füße abhauen lassen. So ernteten die tapfern Einwohner 
der Stadt, als wohlverdiente Früchte und Siegespreis ihrer 
Bürgertugend, zum Teil das stattliche Lösegeld der Gefangenen. 
In dankbarer Anerkennung solch ruhmvoller Abwehr eines 
mächtigen und gefürchteten Feindes verlieh das Domkapitel
        
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