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Periodical volume 1. August 1891, No. 44

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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S. Mittler und Sohn bewirkter Nachbildung uns vorliegen, 
vollzog sich jedoch auch noch der Aufbau eines neuen Forts; 
— dasselbe war notwendig, weil auch die Neger von Accada 
sich dem menschenfreundlich-milden Brandenburger Schutze unter 
stellt hatten. Am 24. Februar 1684 war der Vertrag mit 
ihnen von dem Major Dillher oder Dillger abgeschlossen wor 
den. „Noch an demselben Tage war der Kapitän von Schnitter 
mit 9 Mann und 4 dreipfündigen Geschützen dorthin gerückt, 
um sofort ein Erdwerk in Form eines Dreiecks zu errichten, 
welches mit Pallisaden besetzt wurde." Entwurf und Pläne 
auch dieses Werkes, welches 12 Geschütze trug, anfangs „Fort 
Accade" und später „die Dorotheenschlange" hieß, sind, von 
Schnitters Hand gleichfalls herrühreno, noch heute vorhanden. 
Doch der rührige Schwiegersohn des großen Pufendorf 
that noch mehr. Ein Jahr später wurde in der Landschaft 
Anta, bei Taccaran), eine dritte Befestigung angelegt. Auch 
die Bewohner dieser Gegend, welche während einer Fehde 
zwischen Adeen und Anta von ihren Schutzherren, den Hollän 
dern, im Stiche gelassen worden waren, halten sich unter die 
Herrschaft der Brandenburger begeben. Die Cabussiers, d. h. die 
Häuptlinge von Anta, Epunana, Ponaissere, Darracung, Tacca- 
rary, Menkajanka, Ateru, Akqua und Agroma aßen Fetisch 
mit dem Kommandanten Carl Constantin von Schnitter, der 
inzwischen zum Major ernannt worden war, und schworen, 
daß sie 
„als allezeit getreue Unterthanen des Hauses Branden 
burg leben und sterben wollten;" — 
Schnitter, „Kommandant auf der Veste Groß-Friedrichsburg", 
und D. G. Reijnerman, „Fiscal", d. h. Richter, unterschrieben 
an dem genannten Tage diese Urkunde, nachdem dieselbe zu 
erst von den Cabussiers mit ihrem Handzeichen versehen wor 
den war. „Bereits am folgenden Tage ließ dann der Major 
von Schnitter auch von dem Gebiete von Taccarary Besitz er 
greifen, indem er den Fähnrich Dumont mit einem Gefreiten. 
6 Mann und 3 dreipfündigen Geschützen dorthin schickte, „umb 
Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht und Dero Afrikanischer Kom 
pagnie Flagge alda zu pflantzen und mähen zu lassen, auch 
gleich von den Negers und Soldaten eine kleine Redoute mit 
Pallisaden umsetzet, machen zu lassen." Als vierte Befestigung 
auf der Goldküste wurde späterhin noch die ,Loge' Taccrama 
angelegt, in deren Nähe sich eine Hauptwasserstation befand. 
Sie lag zwischen Groß-Friedrichsburg und der Dorotheen- 
Schanze und zwar mitten auf dem ,Kap der drei Spitzen'. 
Diese Schanze. .Sophie Luise' geheißen, wurde als Erdwerk 
hergestellt und mit zwei Geschützen armiert. Sie besaß in 
militärischer Beziehung besondere Bedeutung, weil sie die Ver 
bindung zwischen Groß-Friedrichsburg und Accada zu Lande 
sicherte." 
Leider gehl aus den Veröffentlichungen des Großen 
Generalstabs nicht hervor, wie lange Major von Schnitter 
als Kommandant in Afrika verblieben ist. Wohl besitzen wir 
eine Liste 
„van alle perssonen, wo van negotie als militie in 
de Forteressen sigt den 1 maart 1686 berindende“ 
gewesen sind. Wohl nennt dieselbe aus der Mark Branden 
burg unter anderen den Korporal Adam Friedrich von Lüderitz 
und aus Berlin den Schmied Samuel Hase, die Soldaten 
Konrad Stechow, Gottfried Schadebrodt und den Tambour 
Friedrich Schüler; der Name des Kommandanten aber ist nicht 
erwähnt. Wir können daher auch nicht mit Sicherheit bestim 
men, ob es Schnitter selbst noch gewesen ist, der in den Jahren 
1686 und 1687 die bekannten verhängnisvollen Streitigkeiten 
mit den Holländern durchzukämpfen hatte. Cs wird damit 
freilich auch zweifelhaft, ob diesem Ingenieur-Offizier jene edle 
und mutvolle Antwort zuzuschreiben ist, welche der holländische 
General de Sweers am 7. Oktober 1687 von dem Komman 
danten der Veste Groß-Friedrichsburg erhielt: 
„Ich kann und werde mit Ihnen nicht unterhandeln. So 
aber Euer Edlen sich gewaltsam der Forteresse zu bemeistern 
versuchen wollen, so werden wir unsere Schuldigkeit thun und 
uns bis auf den letzten Mann verwehren." 
Noch liegen auch die ferneren Schicksale des nachmaligen 
Obristen von Schnitter im Dunkel. Wir wissen eben nur das 
Eine sicher, daß er 1721 zu Berlin verstorben ist. Nicht un 
wichtig aber ist, wie es uns scheint, daß St. Nikolai zu Berlin 
den Staub 
des eigentlichen Erbauers von Groß-Friedrichsburg 
in seinen Grüften birgt. Es ist demnach ein stolzes Zeichen 
brandenburgischen Ruhmes, das oben beschriebene prächtige 
Grabdenkmal dieses Ingenieur-Offiziers Friedrich Wilhelms 
des Großen. Dieser Zeilen Aufgabe aber ist, die weitere 
Forschung über Carl Constantin von Schnitter anzuregen. 
Die Königliche Kaffeebrennerei unter Friedrich 
dem Großen. 
Von M. Mavnttft. 
Während des siebenjährigen Krieges war eine Teuerung 
aller Verbrauchsgegenstände, namentlich der Lebensmittel, in 
Preußen drückend fühlbar geworden. Dadurch ward der 
Kaffee, ein beliebtes und allgemeines Genußmittel, konnte sich 
doch auch der Aermste mit einem Lot Kaffee für 6 Pf., sowie 
Milch und Sirup für je 3 Pf. und 6 Pf. Semmel einen 
ganzen Tag ernähren. Als dann nach dem Hubertsburger 
Frieden die Lebensmittel wieder wohlfeiler wurden, blieb die 
Bevölkerung dennoch bei der alten Gewohnheit des Kaffee 
trinkens, wodurch jährlich große Summen für Einführung des 
Kaffees ins Ausland gingen. 
König Friedrich II. war jedoch in seiner Finanzpolitik 
eifrig bemüht, das Geld im Lande zu behalten; daher wollte 
er den Konsum des Kaffees, der dem Auslande zum Vorteil 
gereichte, beschränken. 
Um nun die unteren Volksklassen, die stärksten Faktoren 
im Kaffeeverbrauch, wieder auf den früher üblichen Genuß von 
Warmbier, Mehl- und Brotsuppen zurückzubringen, verdoppelte 
er die bisherige Verbrauchssteuer für jedes Pfund Kaffee, welches 
die Kaufleute einführten, ohne jedoch seinen Zweck zu erreichen. 
Auch die Verdreifachung des Einfuhrzolles nützte nichts, da sich 
nun der Schmuggel des Kaffee-Imports bemächtigte. Es kam 
zwischen den Zollbeamten und den bewaffneten Kaffeeschmugglern 
zu immer ernsthafteren Scharmützeln, in deren Verlauf Militär 
in Anspruch genommen werden mußte. 
Einem Gutachten des Geheimen Finanz-Rates de Launay 
entsprechend, an welchen der König sich gewandt hatte, wurde 
auf den früheren Steuersatz zurückgekehrt. Hierdurch hoben sich 
die Steuereinkünfte des folgenden Jahres um 60 000 Thlr. 
Der Kaffeeschmuggel wurde gleichzeitig gänzlich lahm gelegt. 
Eine weitere Erhöhung der Staatseinnahmen ergab sich
        
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