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Periodical volume 25. Juli 1891, No. 43

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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Antwort: „Sie dient dazu, daß sie in der Folge wißen, 
wie weit eine oder die andere Stadt oder Fluß von ein 
ander entfernt oder auch denen Handlungs-Leuker, damit sie 
wißen wie und auf weßen Art wenn Sie ihre Waare ver 
schreiben am bequemsten und besten Herzunehmen sei." 
Trotz dieser Antworten wurde dem p. p. Schüler die 
Erlaubnis zur Anlegung der Schule erteilt, allerdings mit 
der Einschränkung, daß er selbst außer dem Rechenunterricht 
keinen Unterricht in seiner Anstalt geben dürfe. 
Wenn man nun auch aus Vorstehendem nicht ganz all 
gemeine Schlüsse auf das Berliner Schulwesen des vorigen 
Jahrhunderts ziehen darf, da es auch wirklich wissenschaftlich 
befähigte Schulhalter gab, so läßt sich doch der Mangel an 
tüchtigen Lehrkräften, sowie an einer einheitlichen Beaufsich- 
tigling und Leitung und an einer regelrechten Feststellung 
der Ziele der Schulen nicht in Abrede stellen. Jedenfalls ließ 
sich damals trotz mancher lobenswerter Anordnung der Regie 
rung und trotz der 'bahnbrechenden Schritte eines v. Rochow 
und strebsamer Pädagogogen die Blüte des heutigen Schul 
wesens nicht voraussehen, ja nicht einmal annähernd ahnen. 
(Fortsetzung folgt.) 
Die internationale Kunstausstellung m Berlin. 
Von D. Uollrnav. 
VI. 
Oesterreich-Ungarn nnd Italien bilden mit ihren sich 
an den Ehrensaal direkt anschließenden Ausstellungen einen 
Dreiklang, dessen vielgestaltige und vielfarbige Schönheit all 
gemeine Wertschätzung findet und den Kunstfreund ebenso wie 
den Patrioten erfreut. Das rege Kunstleben, welches sich in 
der Kaiserstadt an der Donau entfaltet, und schöne monumen 
tale Leistungen zeigt, kann allerdings im Rahmen einer solchen 
Ausstellung nur beschränkt zur Erscheinung gelangen, jedoch 
haben sich sowohl die großen Bildhauer Wiens wie auch die 
bedeutendsten Maler besonders rege beteiligt. Der phantasie- 
reiche Tilgner ist durch einen seiner graziösen Zterbrunnen 
und die fein charakterisierte Büste des jüngst verstorbenen Dom- 
baumeisters Schmidt, des genialen Gotikers, der das Wiener 
Rathaus erbaute, vertreten, und Weyr, der für die malerische 
Behandlung der Plastik so überaus begabte Künstler, sandte 
jene sechs Reliefs, welche das vor kurzem vollendete Grillparzer- 
Denkmal schmücken. Benks leuchtende Sonnenblumen tragende 
„Clytia" aus dem Burgtheaier, und Kundmanns „Najade" 
sind reizvolle, formenschöne Werke, Straffers eigenartiges, 
die Natur unmittelbar wiedergebendes Talent, kommt besonders in 
seinen orientalischen Typen trefflich zur Geltung. Ein ganzes 
Stück Zeitgeschichte der letzten Jahre spiegelt sich in Scharsfs 
Medaillen wieder, welche zu den besten Arbeiten dieser, Art ge 
hören. Oesterreichs Porträtmalerei stand von jeher auf hoher 
Stufe; Meister Angeli hat allein vier seiner jüngsten Werke 
im Ehrensaal vereint. Doch ist hier zu betonen, daß die zuletzt 
geschaffenen Brustbilder der Kaiserin Friedrich und der 
Prinzessin Viktoria die lebensgroße Bildnisse des deutschen 
Kaiserpaares an künstlerischer Bedeutung überragen. Ein be 
sonders geförderter Schüler von Angeli ist H. Temple, welcher 
den großen Wiener Radierer Unger in seiner Werkstatt dar 
stellt; auch die Arbeiten von Schmidt, L. Allem and und 
Adjukiewicz zeichnen sich durch vornehme Schlichtheit der 
Auffassung und vollkommene Lebenswahrheit aus; der letzt 
genannte Künstler ist Pole, und verschiedene seiner Landsleute 
sind mit ihm in Wien heimisch geworden; so C. Pochwalsky, 
welcher im österreichischen Saale mit seinen drei geistvollen 
Männerporlräts * fast alle andern Kollegen besiegt. Derselbe 
Pochwalsky stellt auch mit seinen Landsleuten den Polen aus, 
und dieses Recht haben mit ihm verschiedene Künstler in An 
spruch genommen, welche einesteils ihr Geburtsland, andern- 
teils ihren Wohnort oder ihr augenblickliches Domizil als 
maßgebend für die Abteilung der Ausstellung, der sie sich zu 
gesellten. haben gelten lassen. Das Gebiet der Historienmalerei 
haben die Oesterreicher I. v. Paper und Brozik mit den 
räumlich größten Gaben beschickt; der erstgenannte Maler hat 
bekanntlich eine der Franklin-Expeditionen mitgemacht und 
faßte, zurückgekommen, den Entschluß, den opfermüligen Helden 
jener Expedition, John Franklin, sowie die tragischen Schicksale 
der ihn begleitenden heldenhaften Männer in einem Cyklus, 
dessen Besitzrecht der österreichische Staat erwarb, zu verherr 
lichen. Mit eiserner Konsequenz ging der nicht mehr Jugend 
liche ans Werk und schuf, nachdem er in München malen ge 
lernt, in Paris sein erstes Bild, „die Bai des Todes"; dieses 
sehr bekannte Gemälde bildet den Schlußakkord der Tragödie, 
welche der Künstler in absteigender Linie schildert. Eine lang 
wierige Augenkrankheit, welche mit dem Verlust eines Auges 
endete, machte ihn nicht schwankend, sondern nur eifriger, sein 
Ziel zu erreichen; er schuf als zweite große Komposition: „Das 
Verlassen der Schiffe" und ließ als dritte das hier ausgestellte 
„Ende des John Franklin in seiner Schiffskajüle" folgen. 
Ein großer Zug und bedeutsamer Ernst charakterisiert auch dieses 
Payersche Bild, doch steht es nicht auf der künstlerischen Höhe 
seiner ersten Leistung. 
In Broziks „Fenstersturz in Prag" — dem Beginn des 
30jährigen Krieges — steckt eine tüchtige Kraft, die einzelnen 
Gestalten sind trefflich individualisiert; welch elastisches Talent 
Brozik ist, tritt jedoch besonders durch den Gegensatz hervor, 
daß derselbe Maler, welcher dieses Historienbild und das 
farbenfreudige Repräseniationsgemälde, „Ein Empfang bei 
Rilbens" schuf, jüngst im allerinnigsten Anschluß an die Natur 
einen „Morgen" und „Abend" malte, welche ein junges 
Menschenpaar zeigen, die hier im taufrischen Morgen zur 
Feldarbeit wandern, dort im Schein der Abendsonne ihrem 
friedlichen Daheim zustreben. Das ist Freilichtmalerei von 
rechter Art, sie überzeugt jeden Beschauer, daß ein Naturalist 
von rechter Art die Gesetze der Schönheit respektieren kann, 
ohne die Wahrheit zu schädigen. 
Köstlich sind die Produkte der österreichischen Genremalerei; 
im kleinsten Raum wissen Simon, A. v. Marde, Hamza, 
Rumpler, A. Müller und Friedländer, das Wiener 
Volksleben von einst und jetzt malerisch reizvoll mit an 
heimelnder Behaglichkeit festzuhalten. Auch das Stillleben hat 
in der Donaustadt von jeher vorzügliche Schildercr gefunden; 
neben K. Moll und Charlemont sind es Friedländer 
und Fritz Nickesch, welche in ihren feingestimmten Bildern 
den vollkommensten Schein der Wirklichkeit erreichen. Auch 
die Blumenmalerei glänzt durch Olga Wiesinger-Florians 
duftige, farbenglühende Gaben. Landschaften von Schindler, 
R. Ruß und Jettel zählen zu den besten der zeitgenössischen 
Kunst und der ernste Akkord, welchen Schindler in seinem 
großen Friedhof „Pax" anschlägt, bildet eine gute Dominante
        
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