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Periodical volume 18. Juli 1891, No. 42

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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seines Aufenthaltsortes freigestellt bliebe. Trotzdem er die 
Sammlung der akademischen Abhandlungen dieses gelehrten 
Institutes mir den wertvollsten Arbeiten bereichert hatte, entzog 
ihm die Regierung den Jahrgehalt, weil jedes besoldete Mit 
glied nur in München wohnen sollte, welche Beschränkung er 
sich nicht gefallen lassen wollte. Lambert begab sich nun nach 
Erlangen, immer thälig, immer schaffend mit unsäglichem Fleiße. 
In diese Zeit fällt die Abfassung seiner bewundenen „Kos 
mologischen Brirfe über die Einrichtung des Weltbaus" (1761). 
Seine alten rälhischen Freunde bestimmten ihn. im Jahre 1763 
nach Chiavenna im Veltlin zu kommen und dort den Vorsitz 
der zur Regulierung der Grenze zwischen Mailand und der 
Republik der drei Bunde eingesetzten Kommission zu über 
nehmen. Die dortigen Arbeiten hielten ihn bis zum Dezember 
in der Schweiz, dann kehrte er nach Deutschland zurück und 
wählte Leipzig als seinen vorläufigen Wohnsitz. 
Lamberts Kosmologische Briefe besitzen auch für uns noch 
unveralteten Wert und Reiz, indem sie die erhabensten Ge 
danken über die Einrichtung des Weltbaus enthalten, die, was 
Lambert zum Teile nur berechnen und wahrscheinlich machen 
konnte, durch spätere Beobachtungen würdiger Nacheiferer und 
Mitarbeiter zu unleugbarer Gewißheit geworden sind, in ihrer 
Darstellung auch Ungelehrten faßbar und verständlich. Der 
gewaltige Forschergeist des genialen Verfassers nimmt in diesem 
Buche oft einen prophetischen Schwung, der dem Meisterwerke 
eine gradezu poetische Anziehungskraft verleiht. 
(Schluß folgt.) 
Beiträge zur Geschichte des Berliner 
Elementar-Schulwesens. 
Von Hugo Frank. 
(Fortsetzung.) 
Die Verantwortung Wackenroders selbst, welche am Tage 
zuvor au den König abgegangen war, lautete nach den ein 
leitenden Worten: 
„Nun Allergnädigster König und Herr! ist mir von 
allen denen imputatis nichts befand, ich kenne auch den 
Supplikanten nicht einmahl, und weiß dahero nicht, wie 
ich ihn solle außer Brot gesetzet haben. 
Wenn er aber darüber, daß er zu Rathhause gehohlet 
worden (welches etwa vor ein halbes Jahr geschehen) do- 
liret ist. mir darunter so wenig, da ich, qua Syndicus, 
keine Jurisdiction exerciren kann, etwas zur Last zu 
legen, als vielmehr der Magistrat solches, wegen seines 
Ungehorsams, da er sich, praevia citatione, nicht sistiren 
wollen, wie Rechtens, veranläßet hat, und wird derselbe 
sein factum, wenn es erfordert wird, genugsam zu justi- 
ticiren wißen; Woraus denn auch die angegebene falsche 
Ursache, der Real-Citation, als wenn er meinen Vetter 
Gottschalck nicht informiren wollen, von selbst wegfällt. 
Denn ich habe Hierselbst keine Verwandte und wenn 
dergleichen bei mir hätte, ist wohl die Präsumtion, daß 
solche noch gute Oerther in der Stadt, nicht aber vor dem 
Thor nach einer Klipschule, und bey einen nicht recipirten 
Schulmeister, umb etwas zu lernen, senden würde; Es ist 
auch begreifflich, daß Keiner deßfalß wird realiter citiret 
werden, wenn er jemand die verlangte Unterweisung ab- j 
schlagen solle, da selbige vor Geld überall zu erlangen 
stehet. 
Hat indessen die vormahlige Prediger Gottschalcken (so 
jedoch nunmehro an ein Viertel Jahr außer Berlin, und 
auswärts, an einen Prediger verheurathet) ihren Sohn, 
vor dem, bey dem Boltze, in die Schule gethan, ist mir 
solches unbekannt, und gehet mir auch nichts an." ic. 
Schließlich wiederholt Wackenröder, daß alle Anschuldi- 
'gungen, die Boltze vorgebracht, grundlos seien. 
Hierauf ergeht an E. Boltz unter dem 25. Juli 1743 
eine Kabinettsordre, unter Beifügung einer Abschrift beider 
Verantwortungen, in welcher ihm nachdrücklich verwiesen wird, 
„daß er sich nicht geschämet, in öffentlichen Schriften seine 
Vorgesetzten durchzuziehen." 
Damit beruhigte sich dieser jedoch nicht, sondern reichte 
eine neue Bittschrift an den Kömg unter dem 5. August 1743 
ein. auf welche ihm am 11. August 1743 geantwortet wurde, 
daß er sich nur beruhigen solle und das Vertrauen haben 
könne, 
„daß ihm weder an seiner Persohn noch seiner Arbeit 
Hinderniße von dem Syndico Wackenröder in den Weg 
geleget werden." 
Hiernach scheint es, daß er ohne Konzession seine Winkel 
schule weitergeführt habe; Aktenmaterial hierüber existirt nicht. 
Das Königliche Geheime Staatsarchiv (R. 47. 2a) meldet 
jedoch von einem anderen Schulhaller (Gestrich mit Namen), 
mit dem Friedrich der Große infolge einer Eingabe der Ber 
liner Bürger Timmann, Carchow, Ackermann, Gradke und 
Genossen vom 27. Oktober 1754 strenger ins Gericht ging, 
als mit dem Exulanten Boltz. 
Die Anzeige lautet: 
„Ew. König!. Majestät müssen wir in aller Unler- 
thänigkeit vorstellen, wie wir von des seel. Schultzens. Pre 
diger zu St. Gertraudten Hinterbliebener Gemeine wegen 
der schlechten Beschaffenheit der mehrsten Schulen sind ge 
nöthigt worden, uns zusammen einen Mann zu erwählen, 
der unsere Kinder in Gottes Wort alß auch Gottes und 
des Königs nöthigen Wissenschaften unterrichtete." 
Nun habe aber das Oberkonsistorium sie mir ihrer Bitte 
abschlägig beschieden; 
„wiewohl nun anderen nicht nur untüchtigen Mannes-, son 
dern auch Weibes-Personen, von den sogenannten Geistlichen 
erlaubet wird. Schule zu halten, so sind sie uns doch hier 
innen zu wider, und zwar aus der Feindschaft, weil so 
wohl wir als auch der von uns erwählte Schulmeister durch 
den seel. Schultzen, welchen uns Ew.> Königl. Majestät 
allergnädigst zum Lehrer geschenket haben, in Gottes Wort 
und der alten evangelischen Lutherischen Lehre unter 
richtet sind." 
Die Bittsteller führen ferner aus: 
„Obgleich 24 Bürger danials vorstellig geworden seien, 
wie sie nicht jeder einen eigenen Lehrer zu halten vermöchten 
auch in ihren Wohnungen 
„wegen ihrer Nahrungen" 
die Gelegenheit nicht hätten, ihre Kinder unterrichten zu lassen, 
und deshalb bäten, den von ihnen gewählten Mann Namens 
Gestrich nach Gottes Wort zu examinieren und ihn dann ihre 
Kinder unterweisen zu lassen, seien sie abgewiesen und bäten 
nun den König um Erfüllung ihres Wunsches."
        
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