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Periodical volume 25. Oktober 1890, No. 4

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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Kleine Mitteilungen. 
Z« Feldmav schall Graf Moltke's ncuangjährkgem 
Geburtstage. 
Preiset ihn laut, den neunzigjährigen Helden, 
Den Mann von Eisen, dieses Herz von Gold! 
Den Mann, des hehre Ruhmesthaten melden, 
Daß mutvoll stets das Höchste er gewollt: 
„Das Vaterland zu einen; 
Als Schutz und Schirm den Seinen — 
Ein Schlachtendenker — kühn voranzugehn, 
Wo immer ZollernS stolze Fahnen wehn." 
Gedenket seiner schwerbedrängten Jugend, 
Gedenkt des Eifers, der ihn früh ersaßt! 
Gedenkt der stillen, wunderstarken Tugend, 
Der Pflichterfüllung sonder Ruh und Rast! 
„Die Arbeit nur giebt Adel!" — 
Es spricht's ein Mann ohn' Tadel 
Und reift so schnell zu seines Standes Zier, 
Erst dänischer, dann deutscher Offizier. 
Wer kennt ihn nicht, den freudig Hellen Namen? — 
Hellmuth! — Und hell war seines Lebens Bahn. 
Ein Schweiger und doch Held gewalt'ger Dramen, 
Wie Gustav Wasa, sein glorreicher Ahn! 
„Erst wägen, und dann wagen! 
Nie zagen, alles tragen!" 
So formt er seinen Wahlspruch frühe schon, 
„Des Mars und der Minerva bester Sohn." 
Doch sieh! Im gold'gen Osten winken Palmen, 
Wie glänzt ihm der Kalifen Wunderwelt! — 
Gewahrst Du ihn auf Balkans hohen Almen? 
Dort blickt er auf zum stillen Himmelszelt! 
In Orientes Banden, — 
Wird je er wieder landen 
An deutscher Küste, im bescheidenen Port? 
Er thut's — und wird üns der ersehnte Hort! 
Wie könnten sagen wir, was er geschaffen!? 
Wie rühmen all' das, was er uns gethan!? — 
„Ein starkes Reich in schneidig-scharfen Waffen," — 
So führt' er aus Wilhelms des Großen Plan! — 
Als „Schmied von Sedan" ehrte 
Sein Kaiser ihn, erklärte: 
„Held Moltke war des Sieges Waffenschmied!" 
Heil ihm, dem solch' ein hohes Werk geriet! — 
Wir können nimmer hoffen, nimmer harren. 
Daß stets ein Moltke steh' an seinem Ort; 
Doch wie die Waffen rings um uns auch starren: 
Sein Geist ist Hüter uns und treuer Hort. 
„Erst wägen und dann wagen, — 
Im Schlachtensturm nie zagen, 
Das Schwert nur schneidig, fest das Herz und rein," 
Soll all'zeit deutschen Volkes Wahlspruch sein. 0. 8. 
„Die Segoüfzrrng des Feldmaesehcrll Moltke 
durch fremde (>)fst;iere der einem Manöver". Tiefe 
spontane Huldigung, welche der Augenblick zeitigte und die infolgedessen 
um so unmittelbarer und ergreifender wirkte, hat Georg Koch — der be 
kannte treffliche Militärmaler — in einem Gemälde dargestellt, dessen Be 
steller die Direktion des Berliner Passage-Panoptikums war. 
G. Kochs Darstellung bildet ein Glied in der Reihe der wertvollen historischen 
Dioramen, welche das Passage-Panoptikum seinen Besuchern bietet; neben 
den drei interefianten Bildern, die unsere Reichshauptstadt in den Jahren 
1500, 1670 und 1780 mit charakteristischer Staffage vorführen, fesseln die 
lebensvollen Darstellungen „Bismarck im Reichstag", „König Wilhelms II. 
Ankunft in Kronstadt" und das erwähnte „Moltke auf dem Manöverfelde" 
den Blick; diese Bilder, welche an Ort und Stelle durch ihre Lebenswahrheit 
geradezu überraschend wirken, verdienen noch über den Rahmen jenes In 
stituts hinaus bekannt zu werden, denn die Marine-, Landschafts- und 
Figurenmaler Saltzmann, Günther-Naumburg, G. Koch und 
C. Becker haben in diesen sechs Bildern Arbeiten geliefert, die in ihrer 
flotten, ftischen und dennoch lebenswahren Art als schätzenswerte künstlerische 
Beiträge zur Zeitgeschichte betrachtet werden müssen. Gerade in diesen 
Tagen, wo das ganze Vaterland dem Schlachtendenker huldigend naht, 
möchten wir den Blick unserer Leser auf dies noch viel zu unbekannte Bild 
lenken. Russische, österreichische, italienische, sranzösische und türkische Offi 
ziere, sie alle fühlen sich eins in der ungeteilten Bewunderung des großen 
Mannes, der schlicht im Aeußeren auf seinem Braunen den Hügel hinauf 
reitend, ihren Gruß mit gewohnter bescheidener Freundlichkeit erwidert. 
Daß dies kein gewöhnliches Salutieren vor dem höheren Offizier ist, sondern 
daß jeder einzelne der fremden Offiziere hier unter dem bannenden Eindruck 
der imponierenden Persönlichkeit steht und. diese einem Könige gleich durch 
ritterlichen Gruß ehrt, bezeugt Haltung und Ausdruck jedes Reiters der 
vielgestaltigen Gruppe. II. V. 
Ueber das fehlende Portepee anr Denkmal 
Slüchers ist der „Staaisbürgerzeitung" von einem alten Abonnenten 
folgende Mitteilung zugegangen: Blücher hat bekanntlich nach seiner Ge 
fangennahme in Lübeck durch Napoleon I. seinen Säbel abgeben müssen. 
Als später der Aufruf Friedrich Wilhelms III. erfolgte, äußerte Blücher zu 
dem Könige: „Ich kann auch ohne Portepee dem Franzosen den Pelz 
waschen." In Erinnerung an diese Aeußerung ist Blücher auf dem Denk 
mal mit einen: Säbel ohne Portepee dargestellt worden. 
Was hat die Stadtbahn gehaftet? Diese Frage be 
antwortet die „Zeitschrift für Bauwesen" (Jahrgang 1886) mit folgenden 
Zahlen-Angaben: „Die Kosten der ganzen d. i. der 12145 m langen und 
318 m östlich der Fruchtstraßenunterführung beginnenden und bis zum 
Bahnhof Charlottenburg reichenden Strecke, haben ca. 75085000 Mark be 
tragen; hiervon entfallen: auf die eigentliche Bauausführung 39886000 
Mark; auf den Grunderwerb 35199000 Mark; letztere Summe ermäßigte 
sich durch Rückverkauf von Restgrundstücken noch um ca. 8000000 Mark." 
Die 200jährige Jubelfeier des Käuigl. Fran 
zösischen Gpmnastums in Kerlin. Noch nicht fünf Jahre 
sind verflossen, seit die Französische Kolonie in Berlin, in dankbarer Er 
innerung an das Edikt von Potsdam, ihre 200 jährige Jubelfeier beging, 
und schon wieder rüstet man sich zu einem ähnlichen Festakt. Diesmal 
gilt es, das 200jährige Bestehen des König!. Französischen Gymnasiums 
(College Royal Fransais) zu feiern, das bekanntlich für die Kinder der 
Rsfugiäs vom Kurfürsten Friedrich Ilb. errichtet wurde. Die Anstalt ist 
zunächst in einem Mietslokal der Stralauerstraße eröffnet worden und 
siedelte 1702 in eines der stattlichsten Gebäude der Niederlagstraße über. 
Anfangs der siebziger Jahre wünschte Kaiser Friedrich, damals noch Kron 
prinz Friedrich Wilhelm, das Grundstück zu erwerben, um es seinem nach 
barlich gelegenen Palais zuzugesellen, und so wurde in der Dorotheenstraße 
ein neuer stolz gefügter Bau errichtet und im Jahre 1873 bezogen. 
Das Programm der Jubelfeier verspricht ein sehr reichhaltiges zu 
werden. Am 1. Dezember findet in den Vormittagsstunden eine Feier in 
der Aula des Gymnasiums statt, für den Abend wird in denselben Räumen 
eine Schüler Aufführung geplant. Für den 2. Dezember ist von dem 
„Verein ehemaliger Schüler des Französischen Gymnasiums" ein Festmahl 
in Aussicht genommen, bei welchem alle früheren Lehrer und Schüler der 
Anstalt willkommen geheißen werden. (Der derzeitige Direktor der Anstalt, 
Herr Dr. Schulze, ist gern bereit, eingehendere Auskunft zu erteilen). 
„Die Modenmelt", welche seit dem 1. Oktober 1865 hiersclbst 
im Verlage von Franz Lipperheide erscheint, feierte in diesen Tagen 
das Fest ihres 25jährigen Bestehens, zu welchem Zwecke die Verlagshandlung 
eine äußerst glänzend ausgestattete Jubiläumsschrift herausgegeben hat. 
Wir entnehmen derselben, daß das in dreizehn Sprachen erscheinende Blatt 
gegenwärlig eine Gesamt-Auflage von 439000 Exemplaren hat. Der Papier 
verbrauch bezifferte sich in dem Zeitraume von April 1889 bis dahin 1890 
auf 19850624 Bogen, diese Anzahl, in der Breite aneinander gelegt, er- 
giebt 15284980 in, eine Länge, welche die der großen Erdachse (12754794 m) 
noch um beinahe 7s übertrifft. Nach dem Flächeninhalt ergeben die Bogen 
8560000 gm. Zu einer Säule übereinander gelegt, würde die Bogenzahl 
eine Höhe von 1323 w ergeben, gleich 47z Eiffeltürmen oder der Höhe 
des Vesuvs, oder 180 m höher als der Brocken. 
Diese Zahlen geben ein ungefähres Bild von der gewaltigen Thätig 
keit der Firma Franz Lipperheide, auf welche der Berliner Verlags 
handel mit Recht stolz sein kann. R. G. 
Unser Küchertisch. 
Uiederlarrsther Mitteilungen. Zeitschrift der Nieder 
lausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. 
Herausgegeben vom Vorstände. Lübben 1890. Buchdruckerei 
F. Driemel. 
Es liegt nunmehr das Inhaltsverzeichnis des stofflich überreichen 
1. Bandes vor. Beigegeben ist demselben eine Anfrage des Doktor Weineck 
zu Lübben bezüglich der religiösen Feuer, welche sich noch zu Fastnacht, 
Ostern, Walpurgis, Johannis oder Michaelis erhalten haben. Die Ergeb- 
niffe dieser Anfrage sollen den Stoff zu einer wiffenschaftlichen Arbeit 
liefern, welcher wir mit höchster Spannung entgegensehen. 0. 8. 
Insialt: Der Kaiserin und Königin August« Victoria. 
Zum 22. Oktober, von A. M. Witte; Ein neues Geschlecht, Roman 
von H. v. Dedenroth (Fortsetzung); Zum neunzigjährigen Geburts 
tag Moltke's, von. v. tlieol. Bernhard Rogge (mit 4 Abbildungen): 
Generalversammlung des Gesamtvereins der deutschen Ge- 
schichts- und Altertumsvereine zu Schwerin i. M. (Schluß). — 
Kleine Mitteilungen: Zu Feldmarschall Graf Moltke's neunzigjährigem 
Geburtstage, Gedicht von O. S.; Die Begrüßung Moltke's durch fremde 
Offiziere bei einem Manöver; Ueber das fehlende Portepee am Denk 
mal Blüchers; Was hat die Stadtbahn gekostet? Die 200jährige Jubel 
feier des König!. Französischen Gymnasiums zu Berlin; Die Modenwelt. 
— Unser Büchertisch. — Anzeigen.
        
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