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Periodical volume 18. Juli 1891, No. 42

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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seines Meisters auf andere Disziplinen übertrug, ist eine der 
Hauptursachen seiner großen Erfolge gewesen. Gans starb im 
Jahre 1839, erst zweiunvierzig Jahre alt. Die Elite der 
„Stadt der Intelligenz" folgte seinem Sarge, voran Friedrich 
Wilhelm III., der Kultusminister von Altenstein und der be 
rühmte 99jährige Obertribunalspräsident Grolmann. Gans' 
Grabstein besteht aus einer hohen Stele, die durch klassische 
Form und zierliche Dekoraiion unverkennbar Schinkelschen 
Einfluß zeigt. 
Auf demselben Kirchhof, auf dem Hegel und sein be 
deutendster Schüler ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, schläft 
ein Philosoph, der eigentümlicherweise dasselbe Verhältnis zu 
Schelling einnahm, wie Gans zu Hegel: Karl Wilhelm 
Ferdinand Solger. Auch er war Professor der Philosophie 
in Berlin und gilt als der hervorragendste Schüler Schellings. 
Solgers Hauptwerk sind seine „Vorlesungen über Aesthetik" 
— man hat ihn 
vielfach den „Ro 
mantiker in der 
Aesthetik" genannt. 
Sein Grabmal ist 
sehr bescheiden: ein 
kleiner Würfel, mit 
einem kleinenKreuze 
darauf. Es erinnert 
dies Kreuz auf dem 
Philosophengrabe 
an die Bedeutung 
des Christentums 
bei den Romanti 
kern überhaupt. 
Auch Solger ist wie 
Gans im frühen 
Mannesaller, noch 
nicht 39 Jahre alt, 
im Oktober 1819, 
gestorben. 
Wir verlassen 
nun den Dorotheen 
städtischen Kirchhof 
und begeben uns 
durch das entgegen 
gesetzte Ende der Friedrichstraße vor das Hallesche Thor auf 
den Dreifaltigkeits-Kirchhof, der neben dem Dororheenstädtischen 
die meisten Helden des Geistes birgt. 
Haben wir ans dem vorigen Friedhof zuletzt das Grab 
eines Schülers Schellings besucht, so wollen wir hier 
der Schellingschen Schule zuerst unsere Huldigung darbringen, 
indem wir an das Grab des Professors der Philosophie 
Heinrich Steffens treten. Wer kennt heute noch den 
Philosophen Steffens? Und doch war er in der ersten Hälfte 
unseres Jahrhunderts lange Zeit der Liebling der Berliner 
Studenten, und seine philosophischen und naturwissenschaftlichen 
Schriften wirkten danials epochemachend. Steffens' Philosophie 
nimmt ihren Ausgangspunkt durchweg von Schelling. Auch 
als Dichter und Verfasser mehrerer Romane ist Steffens auf 
getreten, der, wie der andere Schüler Schellings, Solger, die 
romantische Richtung in der Philosophie vertritt. Steffens 
war ein geborener Norweger, hatte sich aber völlig germanisiert 
König Friedrirli I. auf dorn Totcndotte und Eidesleistung für den 
neuen König am 25. Fodruar 1713. 
und sogar in der preußischen Armee die Freiheitskriege mit 
gekämpft. Steffens Grabstele ist die imposanteste auf den 
bis jetzt besprochenen Gräbern. In Schinkel'scher Klassizität 
gehalten, zeigt sie über seinem Namen das schön modellierte 
Relief seines Kopfes. 
Auf der Höhe dieses Friedhofes grüßt uns sodann das 
Denkmal eines Mannes, der ungleich bedeutender, als Gans, 
Solger und Steffens, dem Guten, Schönen und Wahren gleich 
zeitig als Prediger und als Philosoph mit mächtigem Erfolge 
gedient hat und noch heute eine treue Gemeinde eifriger Ver 
ehrer zählt: Friedrich Daniel Schleiermacher. Er umfaßte 
Theologie, Philosophie und Philologie, war zugleich Professor 
an der Berliner Universität und Prediger an der Dreifaltigkeits 
Kirche. Ein gewisser mystisch-romantischer Zug seiner Philosophie 
ist auf seine Erziehung bei den Herrenhutern und auf den 
Einfluß des mit Schleiermacher eng befreundeten Friedrich 
Schlegel zurückzu 
führen. Seine 
Wissenschaft und 
Lehre wie sein Glau 
ben und Leben 
dlirchwehl aber der 
Geist echter Huma 
nität, die sein herr 
liches Wirken weit 
über sein Grab 
hinaus lebendig er 
halten hat. Schleier 
macher hat dashohe 
Alkervon76Jahren 
erreicht und davon 
vierzigJahre öffent 
lich gelehrt. Sein 
Grabstein, eben 
falls in der Form 
der griechischen 
Stele gehalten, kann 
als ein Meisterwerk 
der Schinkelschen 
Schule durch ein 
fache Vornehmheit 
gelten. Jnmitklen 
desselben tritt ^aus einer medaillonartigen Vertiefung die schöne 
Büste Schleiermachers von Rauchs Meisterhand hervor. Wie 
eine Mahnung des Toten selber berührt uns der auf dem 
Grabstein gemeißelte gedankenvolle Vers 7 aus dem 13. Kapitel 
der Epistel au die Ebräer: 
„Gedenket an Eure Lehrer, die Euch das Wort 
Gottes gesagt haben; welcher Ende schauet an, 
Und folget ihrem Glauben nach!" — 
Johann Heinrich Lambert. 
Von R £ 
Die „Königliche privilegine Berlinische Zeitung" (Vossische- 
enthält unter Sonnabend, den 27. September 1777, folgende 
Todesanzeige: „Vorgestern Abend \O l / 2 Uhr verstarb all hier 
der Herr Lambert, Königlicher Oberbaurat und Mitglied der 
Königlichen Akademie der Wissenschaften. Seine für die Wissen-
        
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