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Periodical volume 25. Oktober 1890, No. 4

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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Feldtruppen durch Vermehrung der Friedensstämme und durch 
bessere Bereithallung der bei der Mobilmachung aufzustellenden 
Reserve- und Landwehrtruppen erhöht. 
Mit dieser umfangreichen dienstlichen Thätigkeit, die sich 
mit der durch die Zeitverhältnisse be 
dingten Vergrößerung des Heeres mit 
den Jahren immer noch mehr er 
weiterte, hat Mollke auch noch stets 
eine doppelte parlamentarische Wirk 
samkeit als Mitglied des deutschen 
Reichstages und des preußischen 
Herrenhauses zu verbinden gewußt. 
Mit pünktlicher Regelmäßigkeit wohnt 
er den Sitzungen des ersteren bei. 
Er spricht freilich nicht oft, aber wenn 
er das Wort ergreift, dann herrscht 
ringsum lautlose Stille, und wieder 
holt hat gerade bei den erregtesten 
Verhandlungen sein erfahrenes Urteil 
den Ausschlag gegeben. 
Bei aller geistigen Frische und 
körperlichen Rüstigkeit, deren er sich 
noch bis heute erfreuen darf, macht 
sich schließlich doch auch bei ihm die 
Last der Jahre geltend, uird nur der 
ausgesprochene Wunsch Kaiser Wil 
helms bewog ihn, bei dessen Leb 
zeiten auf seinem Platze auszuharren. Aber als sein Helden 
kaiser aus dem Leben geschieden war und nach der kurzen 
Regierung Kaiser Friedrichs der jugendliche Kaiser Wilhelm II. 
den Thron bestiegen hatte, da bat er 
um den ersehnten Abschied. „Ew. 
Majestät," so schrieb er, „brauchen 
jüngere Kräfte, und ist Allerhöchst- 
demselben mit einem nicht felddienst 
fähigen Chef des Generalstabes nicht 
gedient." Die ergreifenden Worte, 
mit denen der Kaiser den greisen 
Feldmarschall wohl von der Stellung 
als Generalstabschef entband, aber 
zugleich zum Präses der Landoer- 
teidigungskommission ernannte, wer 
den allezeit unvergessen bleiben. Als 
letzter der Feldmarschälle, denen 
Kaiser Wilhelm I. den Feldmarschalls 
stab verliehen hat, ist Graf Mollke 
übrig geblieben, der ehrwürdigste 
Zeuge und Mitkämpfer aus den 
Tagen der Wiederherstellung des 
deutschen Reiches. Die Ehre und die 
Sicherheit des Vaterlandes ist es 
allezeit gewesen, wofür er in den 
Wechselfällen der Kriege, die er ge 
leitet, sowie in der stillen Friedens 
arbeit sein Leben und alle seine Kräfte 
eingesetzt hat. Möge es ihm noch lange beschieden sein, im Rate 
des Kaisers, wie bei den Verhandlungen des Reichstages die Wehr 
haftigkeit und Kriegstüchtigkeit des deutschen Volkes hüten zu 
helfen! Sein neunzigjähriger Geburtstag wird es von neuem 
kund thun, wie groß die dankbare Verehrung ist, die unser 
ganzes deutsches Volk dem größten seiner Helden zollt, und 
mir wie freudigem Stolze insbesondere Berlin ihn den Seinen 
nennt; aber die beste Feier dieses Tages wird es sein, wenn 
wir den Wahlspruch zu dem unserigen 
machen, welchen Mollke in die Samm 
lung von Handschriften deutscher 
Männer im Germanischen Museuni 
zu Nürnberg als das Losungswort 
seines Lebens eingetragen hat: 
Alle Zeit 
Treu bereit 
Für des Reiches Herrlichkeit! 
Moltlrcs Geburtshaus in Darrhirn. 
Das Mattko-Dontrrnal in Darchinr 
Generalversammlung 
des Gesamlvkreinsder deutschen 
Geschichts- und Altcrtums- 
vereine )u Schwerin i. M. 
(Schluß.) 
Das Thema des folgenden Vor 
trages lautete: „Die Renaissance 
in Mecklenburg". Ueber dieses 
Thema sprach Or. Sarre-Berlin, 
der sich zeitweilig in Mecklenburg 
aufgehalten und hier die Renaissance studiert hat. 
Derselbe führte etwa folgendes aus: „Naturgemäß konzen 
triert sich das Interesse für die mit Recht als ein Kind des Südens 
bezeichnete Kunstepoche der Renaissance 
ziemlich ausschließlich auf den pracht 
liebenden Herzog Johann Albrecht, 
der 1555 den Fürstenhof in Wismar 
erbaute unb zum erstenmale die 
Terracotten in künstlerische Ver 
wendung nahm; Verfertiger derselben 
war Statins von Düren in Lübeck. 
Außer dem Fürstenhof zeigt auch die 
Waffenhalle in dem Schweriner Schloß 
alte Säulen desselben Meisters aus 
rotem Thon, wie denn auch ein Teil 
des Schweriner Schlosses in dem eigen 
artigen, malerischen Johann Albrecht- 
Stil erbaut ist. Als andere Schlösser 
dieses Stils sind nur zu nennen 
Gadebusch und Ulrichshusen, 1553 
erbaut. Jin übrigen ist ein Einfluß 
italienischer Baumeister im Lande 
nicht zu konstatieren. Sehr reiche 
Verwendung dagegen hat die Re 
naissance gefunden im Kirchenschmuck. 
Kanzeln, Altäre unb namentlich zahl 
lose Gedenktafeln und Epitaphien ver 
raten eine hohe Blüte der Kunst 
fertigkeit auf diesem Gebiet. Auch an künstlerischem Haus 
gerät der wohlhabenden städtischen Bürger sind treffliche Stücke 
auf uns gekommen." 
Nach einen: gemeinschaftlichen Frühstück versammelten sich
        
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