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Periodical volume 30. Mail 1891, No. 35

Full text: Der Bär Issue 17.1891

433 S— 
Beeren zurückreicht, muß folglich angesehen werden als die 
Hauptabflußrinne für die Gletscherwasser des Innern. 
Am Südrande des Plateaus über Königs-Wusterhausen 
führen nur kleinere Schluchten zitm Thale, es har sich daher 
hier der obere Geschiebelehm besser erhalten können. Auf dem 
Vorgebirge bei Thyrow ist er 4 m mächtig. 
Wenn sich allein schon zwischen Barnim und Teltow ein 
Unterschied in der Ausbildung der Randzone geltend macht, so 
bilden diese beiden zusammeit Lebus gegenüber wiederum einen 
Gegensatz. 
Im Lande Lebus ist die Rinnenbildung eine sehr aus 
geprägte, und in der Anlage eine sehr merkwürdige; liefen im 
Lande Barnim und Teltow die Rinnen von einem centralen 
Punkte aus in fast regelmäßiger Verteilung gegen den Rand 
zu, und nehmen sie nach dem Rande hin an Tiefe und Breite 
zu. so teilen im Lebus die Rinnen das gesamte Plateau in 
mehrere Abschnitte und treten gleich mit einer bestimmten Tiefe 
auf. Abgesehen von 
der großen Spalte 
des Roten Luches 
und des Stobber, 
die noch besonders 
erwähnt werden 
soll, sind zwei vor 
handen; die eine 
beginnt bei Geor 
genthal mit dem 
Falkenhagener See 
und zieht sich nach 
Norden über 
Lietzen, Diedersdorf 
und Görlsdorf zum 
Oderbruch, als süd 
liche Fortsetzung 
derselben kann man 
den Madlitzer 
Mühlenteich und 
den Petersdorfer 
See ansehen; die 
zweite Rinne beginnt nur wenige Kilometer östlich davon 
mit dem Gr. Treplin - See und streicht in nordöstlicher 
Richtung durch den See von Hohen-Jesar und den Zeschdorfer- 
See, in dem sie endet. Aus dem letzteren See entsteht dann 
ein Abfluß über Schönsließ und Wüst - Cunersdorf zum 
Oderrand. 
Zuerst liegen die Schluchten und Seen des Landes Lebus 
im Gebiete der unveränderten Moräne, während jene des 
Laudes Barnim und Teltow in der Abschmelzzone lagen. 
Dann aber bestehen sie selber ebenfalls aus oberem Geschiebe 
lehm; derselbe steigt an den Rändern der Seen bis an den 
Wasserspiegel hinab oder bildet in den Schluchten die Gehänge, die 
überall Laubholz tragen. Diese Erscheinung tritt in allen soeben 
angeführten Rinnen auf, auch in der Rinne des Stobber und 
an den Gehängen des Schermützel Sees; wo an letzterer Stelle 
die Tagewässer Schluchten ausgewaschen haben, tritt unter dem 
oberen Geschiebelehm der tertiäre Glimmersand zutage; neben 
dem großen Treplin See sind am Ufer zwei Ziegeleigruben im 
Septarienthon angelegt, während die Gehänge aus oberem 
| Geschiebelehm bestehen. In dem See von Hohen - Jesar 
j tritt ebenfalls unter dem Diluvium die Braunkohlenbildung 
zutage. 
Das lehrt deutlich, daß jene Rinnen schon vor der Ab 
lagerung des Diluviums vorhanden waren, so daß schon der 
Gletscher in dieselben hinabsteigen mußte, und später sich der 
obere Geschiebelehm in ihnen bilden konnte. 
Durch diese ursprünglichen, wahrscheinlich schon tertiären 
Rinnen, war daher dem Gletscherwasser der Weg ge 
wiesen. es vertiefte dieselben wohl noch, war aber nicht gewaltig 
genug, um den oberen Geschiebelehm gänzlich wegzuwaschen. 
Hierdurch erklärt sich auch wohl zum Teil das Fehlen 
einer deutlich ausgeprägten Moränenlandschaft; es war auf der 
ganzen Hochfläche durch vorhandene Rinnen für ein gleichmäßiges 
Abfließen des Wassers gesorgt. 
Auf der anderen Seite wurde hierdurch auch für eine aus 
gedehntere Erhal 
tung der Moräne 
gesorgt, so daß 
das Gebiet der 
zerstörten Moräne 
ein sehrbeschränkles 
ist. Es begreift 
nur den schmalen 
Rand gegen das 
Roie Luch und 
den Stobber, so 
wie gegen die 
Spree. Namentlich 
das Gebiet gegen 
den Stobber ist aus 
gezeichnet; es trägt 
eine Unzahl von 
größeren und klei 
neren Seen und 
wird gebildet aus 
unterem Sande mit 
reichlicher Stein- 
bestreuung; offenbar ist in dieser Rinne nur von Süden 
her ein Zuströmen des Wasssers vor sich gegangen, denn 
der gegenüberliegende Nordrand der Spalte im Lande 
Barnim zeigt bis in die Thalsohle den besten oberen Ge 
schiebelehm.- 
Der schmale Rand gegen die Spree ist durchaus der 
übliche, die Verteilung der Rinnen und Schluchten eine ziemlich 
gleichmäßige, nur in der Mitte zwischen Arensdorf und Buch 
holz und südlich von Heinersdorf erweitert sich der Rand zu 
einem flachen Busen, der im Westen von dem Vorgebirge bei 
Trebus begrenzt wird und zwei nahe nebenauderliegende Fließe 
beherbergt; diese Bucht stellt offenbar die Hauptentwässerungs- 
richtung für die Hochfläche um Müncheberg dar. 
Bemerkenswert ist noch, daß der Plateaurand gegen die 
Oder scharf und die Böschung steil ist. so daß nur kurze und 
steile Schluchten zum Thale führen. Der südliche Vorsprung 
von Lebus oberhalb Frankfurt erhebt sich noch zu 111 m und 
flacht sich zur Spree überall hin ganz allmählich ab.
        
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