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Periodical volume 30. Mail 1891, No. 35

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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Diese Rinnen haben ans oie Verbreitung des Geschiebe- 
lehmes einen wesentlichen Einfluß; sie zerreißen denselben und 
teilen Inseln von Geschiebelehm ab, die umgeben sind von 
Sand; denn der größte Teil von diesen Rinnen, immer aber, 
sobald sie sich weit genug dem Rande nähern, find durch den 
oberen Geschiebelehm hindnrchgeivaschen und verlausen im 
unteren Sande, einige gehen sogar bis zum unteren Geschiebe 
lehm hindurch. 
Es sind wohl gelegentlich noch große Inseln von oberem 
Geschiebelehm vorhanden, wie die in der Nachbarschaft von 
Werneuchen und Alt-Landsberg; je inehr man sich aber von 
NO her, dem Rande nähert, desto inehr beginnt die sandige 
Ausbildung hervorzutreten, schließlich bleibt neben der Havel 
nur noch die Steinbestreuung aus dem unteren Sande übrig. 
Damit ist nicht gesagt, daß die obige Grenze eine ganz genau 
bestimmte ist; es finden sich vielmehr auch im Gebiete des 
Sandes noch Parzellen von Lehm und umgekehrt. 
Die äußere Randzonc trägt die großen Forsten ans 
Nadelholz, es sind 
die Biesenthalsche, 
die Redernsche rc. 
Wichtig für den 
Abschmelzprozeß ist 
folgende Erschein 
ung: in der Mitte 
zwischen der Briese 
und demHermsdor- 
fer Fließ, am Rande 
des Plateaus, 
findet sich in der 
Gegend von Stolpe 
ein Vorsprung ans 
gutem, seilein Lehm; 
dazu kommt, daß 
derStrichanch land 
schaftlich sich milder 
Moräne-Landschasr 
vergleichen läßt, 
denn es finden sich 
in ihm einige gm 
ausgebildete Solle; ein zweites ausgespartes Stück guten Lehm 
bodens ist der schon erwähnte Vorsprung nordöstlich neben 
Berlin, auch hier ist der Boden etwas fetter, und es treten 
eine größere Zahl abflußlose Depressionen auf. 
Wir können diese Erscheinung nur daraus zurückführen, 
daß die Abschmelzwasser sich vor diesen Punkten gabelten und 
rechts und links neben ihnen die großen Rinnen answuschen. 
Aber nicht bloß bis ans den unteren Sand ist die Aus 
waschung des oberen Geschiebelehmes gegangen; dort, wo die 
beiden Randzonen zusammenstoßen, in der nordwestlichen Ecke, 
ist int Kreuzbruch der untere Geschiebelehm bloß gelegt wor 
den; daß hier ein besonders großartiges Zusammenströmen der 
Schmclzwasser stattgefunden haben muß, lehren auch die großen 
Seen, welche vor dieser Ecke im Plateau liegen; es sind dies 
der Liepnitz- und der Wandlitz-See. 
Am Spreerande fehlt eine Randzone ans Sand, nach 
Osten aber bildet wieder ein Strich unteren Sandes die 
Grenze; auch hier finden sich ausgedehnte Kiefer-Waldungen, 
wie der Strausberger Stadtforst und der Alt-Landsberger Forst. 
Das Gebiet trägt noch in weit ausgeprägterer Weise die Spuren 
von bewegtem Wasser; die Rinnen haben sich hier zu Seen er 
weitert und zu tiefen Schluchten ausgewühlt; sie liegen mit 
Ausnahme der Anfänge dnrchiveg im unteren Sande. 
Die Neigung des Plateaus begünstigt die Bildung außer 
ordentlich. Es fällt stark nach Süden, aber auch ein wenig 
nach Osten ein; der Wasserspiegel des Straus-Sees liegt 64 m 
hoch und der des Stienitz-SecS 36 na, so daß auf diesen 
6 km Entfernung ein Fallen von 28 m stattfindet. Der 
Stienitz-See muß angesehen iveroen als der Vereiiiignngs- 
pnnkt dieses großartigen Riiinensystemes. 
Auch hier sind noch zwischen den Rinnen Klippen ans 
oberen Geschiebelehm erhalten, aber doch nur sehr vereinzelt; 
gewöhnlich ist von dein oberen Geschiebelehm nur die Slein- 
bestrennng übrig geblieben. Heute ist sie allerdings nur noch 
gelegentlich vorhanden; in früheren Zeiten dagegen lagen die 
Steine hier so dicht, daß die Leute haushohe Wälle von ihnen 
auftürmen mußten, um nur Ackerland zu erlangen. Besonders 
auffällig war dies 
bei dem Dorfe 
Hohenstein bei 
Strausberg, so daß 
wohl der Name 
nicht ohne Bezieh 
ung zu dieser Er 
scheinung ist. 
Im Lande Teltow 
stellt sich die Her 
ausbildung der Ab- 
schmelzzone ganz 
anders dar; im Zu 
sammenhange mit 
der horizontalen 
Oberfläche steht das 
Fehlen von deut 
lich ailsgeprägten 
Rinnen. 
Freilich wird der 
Geschiebelehm in 
dem Randgebiet, je 
weiter von der unveränderten Moräne ab, immer zusammen- 
hangloser und immer sandiger, und es stellen sich immer 
größere Flächen von Sand ein, bis schließlich in dem Gebiete 
der Forsten am Rande wieder der untere Sand herrscht; aber 
doch ist nur das Trlte-Fließ mit dem Teltow-See und die 
Kette der Grunewaldseeen als ausgesprochene Rinnenbildung 
anzusehen. 
Es herrscht hier die Einebnnng; im Südivesten xutb 
Süden ist es schwer anzugeben, wo die Niedernng und das 
Plateau sich berühren, es schneidet hier neben dem Rangs- 
dorfer See eine Bucht tief nach Norden in das Plateau ein, 
das sich ganz allmählich in die Niederimg hinabsenkt. 
Daftir sind aber zu beiden Seiten dieser Bucht wiedernm 
zwei Vorsprünge von bedeutenderer Höhe stehen geblieben, der 
eine ist das Vorgebirge von Thyrow und der andere, breitere, 
bildet den Strich des Plateanrandes von Rangsdorf bis 
König s-Wusterhausen. 
Dieser tiefe Einschnitt des Plateaus, welcher bis Gr. 
Der rrreehanilrhe Mel»Paal der städtischen Mede schule. 
Nach einer photographischen Ausnahme des Hof-Photographen F. Albert Schwartz in Berlin.
        
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