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Periodical volume 9. Mail 1891, No. 32

Full text: Der Bär Issue 17.1891

398 s- 
Sinne Mitteilunqen. 
Standbild Albrecht I., Herzog ran Drensten, in 
KLnigsborg i./Pr. Bereits im vorigen Jahrgange des „Bär" 
(S. 438—441) haben wir unseren Lesern ein ausführliches Lebensbild von 
Albrecht I., dem ersten weltlichen Herzog von Preußen, gegeben; heute sind 
wir in der Lage, das Denkmal im Bilde vorzuführen, welches diesem 
Herrscher im Sommer dieses Jahres in Königsberg i,/Pr. errichtet werden 
wird (S. 393). Professor Fr. Reusch ist der Schöpfer desselben; er hat 
die markige und edle Gestalt des ersten Preußenherzogs, der so viel Herbes 
erdulden mußte, in geradezu meisterhafter Weise wiedergegeben. In der 
Rechten die Stiftungsurkunde der Ildertüra, die Linke auf das breite, an 
dem Kreuzgriff mit dem Bilde des Erlösers geschmückte Schwert der Kreuz 
ritter gestützt, so wird Herzog Albrecht künftighin inmitten seiner Königs 
berger stehen, vor der alma mater, die ihm ihre Entstehung verdankt, allen 
ihren Zöglingen ein Vorbild der Rechtschaffenheit, der Gelehrtheit, des 
idealen Streben? und des ernsten Wollenst Das Denkmal ist in der hiesigen 
Kunstgießerei der Aktien-Gesellschaft Schäfser & Wa lcker in 
formvollendetster Weise in heller Bronze ausgeführt worden. Die Abbil 
dung des Denkmals, die den Lesern des „Bär" in gegenwärtiger Nummer 
geboten wird, ist nach einer photographischen Aufnahme des Originals ange 
fertigt, welche die Redaktion der Güte des Herrn Max Brandenburg 
verdankt. !R. G. 
Du unsern Moltke-Kildern*) iS. 397). Ein Gefühl 
tiefer Wehmut beschleicht uns beim Anblick dieser nach Momentphoto 
grap hicn angefertigten Illustrationen, welche wir der Güte des Herrn 
Ed. Keller verdanken. Sie zeigen unS den greisen Strategen auf einem 
jener zahlreichen Spaziergänge, die er in der Nähe des Königsplatzes täglich 
unternahm. Jeden Nachmittag gegen 3 Uhr verließ er bis in die letzten 
Tage seines Lebens hinein das Generalstabsgebäude und erging sich selbst 
bei strömendem Regen im Freien, ohne auch nur seine Gangart zu be 
schleunigen. Nur bei andauernd schlechtem Wetter zog er es vor, in den 
langen Gängen der Generalstabsgebäudes sich die nötige körperliche Be 
wegung zu machen. Die letztere war ihm überhaupt Lebensbedürfnis; noch 
in den letzten Tagen hat sich der Neunzigjährige vom Reichstag nach dem 
Generalstabsgebäude zu Fuß begeben. Unsere Bilder, welche nach Auf 
nahmen aus dem Herbste des vorigen Jahres angefertigt sind, ver 
anschaulichen so recht die staunenswerte Rüstigkeit, die sich der Feldmarschall 
bis in sein höchstes Alter bewahrte. Charakteristisch für die Eigenart des 
greisen Strategen ist, daß er stets allein, ohne jede Begleitung, ausging; 
er hatte eben, obwohl er kein Feind der Geselligkeit war, eine stark aus 
geprägte Neigung zur Einsamkeit, und dieser verdankt er den Beinamen des 
„großen Schweiger«", welchen ihm die Volksseele in ihrer feinen Empfin 
dung für die Eigenheiten der großen Männer zugelegt hat. In tiefes Nach 
denken versunken, den Kopf ein wenig nach vom geneigt, mit großen 
Schritten in langsamer Gangart vorwärtsschreitend — ganz so, wie ihn 
unsere Bilder zeigen — hat wohl jeder Berliner den großen Feldherrn auf 
seinen Spaziergängen gesehen; so wird er in der Erinnerung vieler Tausende 
fortleben, und darum hoffen wir, daß wir mit diesen Bildern vielen Lesern 
eine angenehme Gabe dargeboten haben. R G. 
Du „Ijtkcrmärttisiije Nalkslazten" Nr. 29, S. 363 des 
„Bär." — Die hier aus Prenzlau mitgeteilte Sage von den Nestersuchern 
aus dem Marienturm wird nach Kuhn, Märkische Sagen und Märchen. 
Berlin. 1843. S. 123, „in vielen Städten der Mark und namentlich in 
Berlin erzählt." Kuhn selbst berichtet dieselbe ä. a. O. („Der fliegende 
Chorschüler") in der Fassung, wie er sie von dem Turme der Marienkirche 
in Berlin gehört hat (wiederabgedruckt bei Schwartz, Sagen und alte Ge 
schichten der Mark Brandenburg. 2. Aufl. S. 12 sg.); mir selbst ist sie 
fast ganz in Uebereinstimmung mit Kuhn noch aus Perleberg bekannt. 
K. Ed. H 
Das §(t)Uiebifdjc Häuschen bei Uetz, „dem schönsten 
Torfe des Havellandes," wie es Fontane nennt, ist auf Befehl des Königs 
Friedrich Wilhelm III. in Stockholm angefertigt und im Juni 1831 in 
einzelnen Stücken hergebracht und an seinem jetzigen Standort auf der An 
höhe in der Nähe der Windmühle aufgestellt worden. Es ist ganz von 
Holz konstruiert und enthält im Innern drei Räume, nämlich einen Salon 
und zwei Kabinette, welche mit birkenen Tischen und Stühlen versehen und 
mit zahlreichen, kleinen schwedischen Lithographien ausgeschmückt sind. Die 
Aussicht auf das Havelland in weiter Runde ist prächtig. 
0r. E. G. B-y. 
Gin geprügelter Uedatrteur. Der Oberst Friedrich 
Wilhelm v. Kleist vernichtete im Jahre 1760 vier Schwadronen Freidra 
goner und ein Croaten-Bataillon und wurde damit einer der gesürchtetsten 
Parteigänger des siebenjährigen Krieges. Besonders furchtbar machte er 
sich auf dem Heereszuge nach Franken. Der Redakteur der „Erlanger Ztg." 
hatte im Vertrauen auf den Schutz der damals in dortiger Gegend ste 
henden Reichsarmee sich in seiner Zeitung bittere Aeußerungen über den 
König von Preußen erlaubt, worauf Kleist sofort ein Husaren-Kommando 
nach Erlangen schickte und dem Zeitungsmacher auf öffentlichem Markte 
50 Stockhiebe aufzählen ließ, über deren richtigen Empfang der Ge 
prügelte noch eine Quittung ausstellen mußte. E. K. 
Drrs (Gcsunbbrunner Uegratiurn. Im Jahre 1835 
war Besitzer des Luisenbades auf dem Gesundbrunnen der Profeffor Or. 
Graßhoff, der im Volksmunde seiner blauen Gesichtsfarbe wegen der „blaue" 
*) In unserer nächsten Nummer werden wir in Bild und Wort dar 
Ableben des großen Mannes eingehend behandeln. 
Graßhoff genannt wurde. Er hatte den Profeffor Karin zum Freunde, 
und dieser wußte ihn zu bestimmen, auf seiner Besitzung, auf der soge 
nannten „runden" Wiese, ein Regratium zu errichten. Ja, verehrter Leler, 
gelehrt mußte der Name klingen, denn wozu waren es denn zwei Pro 
festoren, die diese großartige Idee halten! — Polnische und schlesische Ar 
beiter mußten wochenlang karren und schaufeln und einen 8 Fuß hohen, 
ovalen Damm herstellen, welcher ungefähr '/ 2 Morgen der runden Wiese 
umfaßte. Innerhalb dieses Dammes wurden Beete hergestellt und mit 
den schönsten Sommerblumen versehen, lieber diesen 8 Fuß hohen Wall 
konnte so leicht keiner hinweg sehen, und wer diese Pracht besehen und be 
riechen wollte, der sollte nach Ansicht des Besitzers 8 Gr. (1 M.) Entrö 
zahlen. Damit die gelehrten Herren aber auch regnen lasten konnten, 
wenn sie wollten, wurde ganz in der Nähe ein zweistöckiges, massives Ge 
bäude aufgeführt. Zwar versank ihnen das erste Fundament im Moor 
boden, das schreckte sie aber nicht ab, ein zweites auf Pfählen auszuführen. 
Im 2. Stock des Gebäudes befand sich ein großes, kupfernes Bassin und 
dieses wurde wieder aus einem in der Nähe befindlichen Brunnen gespeist. 
Vom kupfernen Bassin gingen Röhren mit seinen Löchern nach der „runden 
Wiese." Lag eS nun in der Absicht der Herren Profestoren regnen zu 
lasten, so öffneten sie die Ventile und ein feiner „Silberregen" ergoß sich 
über die Blumen. Nur kam kein Silber in die Taschen der Erbauer, denn 
recht wenige bezahlten die 8 Gr. Entrö und nach einigen vergeblichen Ver 
suchen, das Regratium rentabel zu machen, verfiel es dem Abbruch und 
zerstob in alle Winde. Mit der Erde des Dammes wurden die Gräben 
der Wiese wieder geebnet. J. L. 
Die tzöctistört Dannrerke betitelt sich eine bei Ernst WaS- 
muth in Berlin erschienenen Tafel, welche in vorzüglichster Ausstattung die 
Abbildungen der höchsten Türme, Gebäude und Denkmäler der Welt in 
Lichtdruck vorführt. Den Höhen-Angaben entnehmen wir die auf Berlin 
bezüglichen: Siegessäule 61,5 m; Rathaus 94,2 m; Brandenburger Thor 
26 in. R G. 
Unser Küchertisch. 
Kilder aus drei Jahrhunderten Srandenburgisch- 
Preutzisther Geschichte. Von PI. Loimel. I. Band. Das 
Jahrhundert des Großen Kurfürsten. Berlin 1891. Verlag der 
Buchhandlung der „Deutschen Lehrer-Zeitung" (Fr. Zillesien). Preis 
geh. 2,40 Mk., eleg. gbd. 3 Mk. 
„Soll echt deutsches Volksbewußtsein und rechte Liebe zum Vaterlande 
in unserm realistischen Zeitalter erhallen werden, so ist es nötig, daß jeder 
einzelne die großen Begebenheiten der Vergangenheit und dar Wirken der 
Vorfahren kennen lernt." 
Im Sinne dieser Worte Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm II. ist 
das vorstehende Werk verfaßt worden; es behandelt in volkstümlicher Dar 
stellung das Jahrhundert des Gründers der brandenburgisch-preußischen Größe. 
Die Form der Einzeldarstellungen ist gewählt, weil sich hierbei leichter als 
in der systematischen Behandlung das Trockene und für eine allgemeine 
Kenntnis Unwichtige ausscheiden läßt. In ungemein anziehender Weise 
hat es der Verfasser, ein Berliner Rektor, verstanden, jenes für unser 
Vaterland so traurige Jahrhundert darzustellen. In lebensvoller Plastik 
tritt namentlich der Große Kurfürst in den Vordergrund. Die Betrachtung 
seiner mächtigen, schöpferischen Persönlichkeit muß für unser Volk etwas Er 
hebendes haben. Sein Werk ist daher zu Geschenken, wie auch für Volks 
und Jugendbibliotheken aufS wärmste zn empfehlen. R. G. 
In dem Kunstverlage von Fritz Grandt, Berlin SW., Komman- 
dantenstr. 5a, erschien soeben in trefflicher photographischer und Photo 
gravüre-Reproduktion die in dem Schulteschen Gemälde-Salon in Berlin 
mit so vielem Beifall ausgestellte Original-Zeichnung von Konrad Dielitz: 
Generalfeldmarschall Graf von Moltke auf dem Totenbette, 
eine nach der Natur innig durchgebildete und unter Zuhilfenahme der 
O. Lessingschen Totenmaske, ausgeführte Arbeit des feinsinnigen Künstlers, 
welche sich der besonderen warmen Anerkennung der Familie des großen 
Verstorbenen erfreut. 
Saldpia in drei Kahrhnnderten. Historisches Festspiel 
in 9 Kildern von vr. Gtt« Tfchirch Verlag von Rud. 
Kochs Hofbuchhandlung in Brandenburg. 
Die dreihundertjährige Jubelfeier der altehrwürdigen Schule in 
Brandenburg ist seinerzeit in den Spalten des „Bär" gebührend gewürdigt 
worden. Das Festspiel, welches jenes Fest verschönte, liegt unS nun im 
Drucke vor, und wird sicher auch für den einzelnen Saldrianer in der 
Fremde eine liebe Erinnerung an die vergangene Schulzeit bilden. Die 
Dichtung ehrt sowohl den Verfasser wie die von ihm verherrlichte Anstalt. 
R. M. 
Anhalt: Ein neues Geschlecht, Roman von H. v. Dedenroth 
(Forts.); Erinnerungen an Kaiser Wilhelm I. und Gastein, von 
E. Frommei (mit Abbild.) (Forts.); Die Prignitzer Löcknitz, von 
E. Handtmann (Forts.); Die internationale Kunstausstellung zu 
Berlin. I.; Kleine Mitteilungen: Standbild Albrecht I., Herzog von 
Preußen, in Königsberg i/Pr. (mit Abbildung); Zu unseren Mollke Bildern 
(mit 2 Abbildungen); Zu „Ukermärkische Volkssagen": Das Schwedische 
Häuschen bei Uetz; Ein geprügelter Redakteur; Das Gesundbrunner Re 
gratium; Die höchsten Bauwerke — Büchertisch. — Anzeigen.
        
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