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Periodical volume 11. April 1891, No. 28

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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fr— 
und Herr v. Braun in Ihren Händen mären. Sie sich die 
Befriedigung und den Genuß nicht versagt hätten, dieselben 
hierher zu führen, wie man ja auch den jüngeren Braun hier 
her schleppte, um uns die rohe Gewalt zu zeigen, der wir 
uns beugen sollen. Geben Sie doch Ihr Ehrenwort darauf, 
daß keine Täuschung stattfindet!" 
„Komtesse," entgegnete Marcel in völlig verändertem 
Tone, und man sah es ihn, an, daß er auf Rache brütete, 
„ich verschulde es, wenn Sie es vergessen, daß ich hier zu 
befehlen habe. Sie zeigen mir, wie sehr ich inich in meinen 
Hoffnungen getäuscht, aber damit begeben Sie sich auch des 
Rechtes, mit mir zu scherzen, Zweifeln Sie an meinen Worten, 
aber sprechen Sie das nicht ans!" 
Damit verbeugte er sich kalt und verließ das Gemach. 
Die kühne, stolze Haltung 
Jdas hatte die Ihrigen elektrisiert; 
der alte Stolz war in den schwer 
geprüften Herzen wieder erweckt, 
und die ganze Art, wie Marcel 
der Bekräftigung seiner Angaben 
ausgewichen, ließ die gräfliche 
Familie den Zweifeln zugänglich 
werden, die Jda ausgesprochen, 
Martigny bemerkte diese Stim 
mung. „Sollten Sie besser unter 
richtet sein, Schwägerin?" fragte 
er. den Blick lauernd aus Jda 
heftend, „Marcels Wesen erscheint 
mir verdächtig; war er seiner 
Sache sicher, so konnte er schwören. 
Er bat mich, ein Wort zu seinen 
Gunsten zu sprechen, ich mußte 
ihm den Gefallen thun, er hätte 
sonst geglaubt, ich gönnte es ihm 
nicht, mein Schwager zu werden," 
„Was sollte ich wissen." ver 
setzte Jda, der es leicht war. sich 
einem Manne gegenüber zu ver 
stellen. den sie aus tiefster Seele 
verachtete; „ich weiß nur, daß 
mein Bruder Arthur von Franzosen 
so wenig Gnade annehmen würde, 
wie Ernst von Braun das gethan, 
und ich traue keinem, der erst 
einen Preis fiir eine Handlung 
der Menschlichkeit fordert, ehe er diese vollführt." 
„Ich werde an den Kaiser schreiben." nahm Graf Wedehlen 
das Wort, „ich werde Gerechtigkeit und Schutz fordern, dann 
mag geschehen, was Gottes Wille noch ferner über mich und 
mein Haus verhängt." 
Einige Stunden später, und der Kapitän Martigni) ver 
ließ mit Wlaska und deren Mutter das Schloß. Graf Wedehlen 
hatte der letzteren sein Schreiben an den Kaiser übergeben, 
damit die Fürstin von Rudolstadt dasselbe vermittle, 
(Fortsetzung folgt. 
Erinnerungen eines Feldjägers. 
Von F. K. 
(Fortsetzung.) 
In Steglitz kam uns ein Reiter entgegen, in dem ich. 
obwohl derselbe auch in Civil war, doch sofort Seine König 
liche Hoheit den Prinzen Karl erkannte. Wir machten Front 
vor dem Prinzen, 
„Die Herren sind vom reitenden Corps?" 
„Zu Befehl, Königliche Hoheit!" 
„Sie gehen nach Berlin? — Ja! es sieht dort schlimm 
aus — gestern noch empfing das Volk Seine Majestät und 
mich mit Ausdrücken der Freude — aber heute!" 
Der Prinz war sichtlich bewegt, Thränen traten ihm in 
die Augen bei der Erinnerung an die schmerzlichen Ereignisse 
in Berlin, „Königliche Hoheit", 
wagte ich zu erwidern „es ist 
heute der Tag, wo die Gefallenen 
beerdigt werden — das mag 
wohl ein Grund sein für den von 
Euer Königlichen Hoheit bemerkten 
Umschlag der Volksstimmung!" — 
„Ja! Ja! das mag sein. Was 
führt die Herren nach Berlin?" 
Ich meldete den uns gewordenen 
Auftrag, „Ah! das ist schön! 
Und jetzt bitte ich Sie, den dort 
herankommenden Extrazug zurück 
zubeordern — ich werde meinen 
Weg zu Pferde fortsetzen!" — 
Damit entließ uns der Prinz, 
Ich erwähne dieses Zusammen 
treffen absichtlich so eingehend, 
weil es die unmittelbare Veran 
lassung zu einem der interessantesten 
Ereignisse meines Lebens geworden 
ist. In Berlin eingetroffen, mel 
deten wir uns bei dem Komman 
deur des Corps, und ich nahm Ge 
legenheit, demselben die Begegnung 
mit dem Prinzen mitzuteilen und 
gleichzeitig zu bemerken, „daß es 
Seiner Königlichen Hoheit wohl 
jedenfalls sehr angenehm sein 
dürfte, über die Ereignisse in 
Berlin auf dem Laufenden er 
halten zu werden." Dieser Ansicht pflichtete der Kommandeur 
vollständig bei, und so sah mich schon der nächste Tag in Pots 
dam, um dem im Stadtschlosse wohnenden Prinzen Bericht zu 
erstatten. 
Dort traf ich den mir persönlich bekannten, damaligen 
Hofmarschall, späteren Oberhofmarschall Grafen Pückler und 
wandte mich an denselben mit der Bitte, Seiner Königlichen 
Hoheit dem Prinzen Karl mich zu melden. 
Mochte nun der Graf mich falsch verstanden haben oder 
mochte es sonst ein Spiel des Zufalls sein — der Hofmarschall 
ging fort, kam nach kurzer Zeit wieder und sagte mir, „ich 
könne eintreten!" 
Ich trat ein und sah mich Ihrer Königlichen Hoheit, der 
Frau Prinzessin von Preußen gegenüber! 
Fürstenhof Wordportcrl) in Misrnnr. 
Nach einer Photographie des Hofpholographen F, Albert Schwartz in Berlin,
        
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