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Periodical volume 18. Oktober 1890, No. 3

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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Aber die Städte der Marken waren nur durch die Schwäche 
der Fürsten zur Macht gelangn Als mit der ersten Hälfte des 
15. Jahrhunderts ein zielbewußtes, thatkräftiges Geschlecht, die 
Nürnberger Burggrafen, zur Herrschaft gelangte, ein Geschlecht, 
das die einst von Karl IV. vergebens erstrebte wirtschaftliche 
Ordnung nun wirklich ins Land brachte, da mußte auch die 
erträumte städtische Freiheit zusammenbrechen, und mit der Er 
hebung der Zwingburg ans der Cöllnischen Insel, sank in Berlin 
die alte Rolandsäule, das Zeichen der Freiheit. 
Man hat viel über die Bedeutung dieses Sinnbildes ge 
stritten. Die einen gaben ihm nur die niedere Bedeutung, ein 
Zeichen des Marksriedens zu sein; die andern sahen darin 
das Merkmal der hohen Gerichtsbarkeit. Es ist sicher, daß 
alle die Hansestädte das Bild vor ihrem Rathause aufrichteten, 
die sich der Fürstenmacht soweit entwachsen dünkten, daß sie 
Wir haben oben der „Sprachstüdte" erwähnt. Den märkischen 
Hansestädten gelang es nach und nach, einen Kreis kleinerer 
Städte mit sich zu verbinden, deren Vorort sie bildeten, und 
deren Interesse, besonders auch in wirtschaftlicher Beziehung 
sie vertraten. Letzteres zeigen schon die märkischen sogenannten 
„Münzyser" d. i. Münzdistrikte. Zum Berliner Münzyser ge 
hörten Cölln, Frankfurt, Spandow, Bernau, Eberswaldc, Lands 
berg, Straußberg, Müncheberg, Drossen, Fürstenwalde — 
Städte, die sämtlich später zu den „Sprachen" Berlins und Frank 
furts gehörten. 
Die Marken standen im vierzehnten Jahrhundert in 
einem überaus losen Zusammenhange. Man unterschied Alt 
mark, Vormark d. i. Priegnitz, und Neumark d. i. die spätere 
Mittelmark. Die heutige Neumark hieß damals das Land über 
der Oder und war zumeist in andren Händen, als die drei 
Das GvoMiovzoglirhL KriitaH gfdjnjcri«. 
(Nach einer photogr. Aufnahme des Hofphotographen F. Albert Schwärtz-Berlin W.) 
nur den allgemeinen Bund der Städte als höchste Autorität 
anzuerkennen brauchten. Ein Beispiel bietet Hamburg. Eben 
auf jenem Kaisertage zu Lübeck im Jahre 1375 führte der 
Graf von Holstein als geborener Herr der Stadt Klage, daß 
Hamburg ihm den schuldigen Gehorsam verweigere. Die 
Hamburger Vertreter aber beriefen sich auf die Kaiserlichen 
Privilegien, besonders auf Friedrich Barbarossa und glaubten 
sich in derselben Lage wie Lübeck. Kaiser Karl IV. aber gebot den 
Hamburgern, sich fortan den Holsteiner Grafen zu fügen als 
ihren Herren, doch geschah das Gebot unter Bestätigung 
der alten Rechte der Stadt und mit der Festsetzung, daß die 
Grafen diese nicht antasten dürften. Die Hamburger waren 
über den Rechtsspruch sehr betrübt. Als die Abgeordneten nach 
Hause kamen, erzählt der Chronist Grotuff, und den Kaiserlichen 
Spruch verkündeten, „warfen sie den Roland ab", der als ein 
Zeichen der Freiheit an der Brücke stand. 
erstgenannten Landschaften. Jede dieser hatte zur Zeit der 
Luxemburger ihre besondere Verwaltung unter einem Haupt 
mann, Statthalter oder Vogt, aber auch ihre besonderen Inter 
essen, und so kam es, da die Landesherren zmneist im Aus 
lande weilten und die Angelegenheiten ihren Hauptleuten über 
ließen, dieselben auch gehen ließen, wie's Gott gefiel, wenn 
sie nur zeitweise ihre Einkünfte erhielten, daß diese Land 
schaften oder Marken selbständig Krieg führten und Frieden 
schlossen, ja in den letzten Zeiten des Markgrafen Jobst er 
eignete sich der Fall, daß der Landeshauptmann der Altmark 
und Vormark, Gans Edler von Puttlitz, beiu Landeshauptmann 
der Neumark (Mittelmark), dem Herzoge Svantibor von Stettin 
feindlich gegenüberstand, zu einer Zeit, in der auch die Altstadt 
Brandenburg mit ihrer Neustadt in Fehde lag. Eine größere 
Verwirrung ist kaum denkbar. Kein Wunder, daß die größeren 
Städte, die sichersten Festen des Landes, die Ruhepunkte der
        
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