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Periodical volume 4. April 1891, No. 27

Full text: Der Bär Issue 17.1891

<3 332 Ab 
fall, dann würde ich freveln gegen den Schwur, den ich ge- 
Iciftet, wenn ich mich von Dir losreißen wollte. Gefühle 
lassen sich nicht gewaltsam erzeugen; beweise mir, daß ich mich 
in Dir getäuscht, und schon die Gerechtigkeit würde mich zwingen, 
Dir andere Empfindungen enlgegenzutragen." 
„Wlaska, kann ich Dir meine Liebe besser beweisen, als 
mdeni ich mein Dasein abhängig mache von einem Worte 
Deiner Lippen?" 
„Schütze Arthur! Erhalte meinem unglücklichen Vater 
wenigstens diesen Sohn! Schütze meine Schwester gegen die 
Nachstellungen des Lieutenants Marcel, und Du wirst meinem 
Herzen teurer werden, als Du es je gewesen!" 
„Mein Herz möchte jubeln und weinen! Wenn mein 
Antrag aus Abberufung genehmigt wird, kann jeden Augen 
blick die Ordre kommen, dann habe ich hier im Distrikt nichts 
mehr zu befehlen. Würst ist im Schlosse. Ihm ist nicht zu 
trauen. So lange ich mein Amt bekleide, kann ich alles von 
ihm fordern; aber, werde ich abberufen, so beeifert er sich, 
meinem Nachfolger zu dienen. Ich werde thun, was ich ver- 
inag, vielleicht hilft mir eine höhere Macht. Vor Marcel 
ivürde Jda sich am besten schützen, wenn sie mit ihren Eltern 
Schloß Wedehlen verließe. Aber bei der Haltung, die Dein 
Vater angenommen, ivird er keine Pässe erhallen; das einzige 
wäre, Ihr reistet mit mir, das kann Euch keiner verwehren; 
aber das mute ich den Deinen nicht zu, kann ich es doch nicht 
einmal von Dir hoffen, daß Du mich begleitest." 
„Ich werde mit den Meiuigen darüber sprechen," versetzte 
Wlaska, „lasse mich jetzt allein, es wird spät. Ich bedarf 
auch der Sammlung, ehe ich meine Entschlüsse fasse." 
Der Kapitän erhob sich. „Ich gehorche," sagte er, „und 
wie Du Dich auch entschließest, ich füge mich. Mein Gehorsam 
soll Dir beweisen, wie schwer ich mein Benehmen bereue. Sei 
nicht allzu hart, Wlaska!" 
Sie gestaltete es ihm, einen Kuß auf ihre Hand zu 
drücken. Er fühlte, daß er gesiegt. 
(Fortsetzung folgt.) 
Erinnerungen eines Feldjägers. 
Von F. ■&. 
Am 24. und 25. November 1890 feierte das Reitende 
Feldjäger-Corps das Fest seines 150jährigen Bestehens. — 
Ins Leben gerufen durch Friedrich deit Großen im Jahre 
1740, har das Korps bekanntlich die Bestimmung, daß die 
ihm angehörenden Feldjäger sowohl im Kriege wie im Frieden 
als Kuriere da Verwendung finden, wo besonders wichtige 
Staalsdcpeschen u. s. w. eine unbedingt sichere Ueberbringung 
nötig machen, und wo gleichzeitig die Persönlichkeit des Ueber- 
bringers Gewähr leistet, daß mit solchen oft über das Staars- 
wohl entscheidenden Papieren keinerlei Mißbrauch getrieben wird. 
Ist nun auch die neuere Zeit infolge der schnellen Be 
förderungsmittel gerade nicht geeignet, des Feldjägers Dienst 
reisen besonders interessant zu machen, und ist auch heute die 
Verwendung der Herren teilweise verändert worden, indem 
einzelne den deutschen Gesandtschaften fest zugeteilt sind und nur 
den Verkehr zwischen zwei Hauptstädten, etwa zwischen Madrid 
und Paris, vermitteln — so war doch vor 50 Jahren ein Feld 
jäger, wenn er einigermaßen Glück hatte, häufig genug in der 
Lage, Reisen zu machen und Persönlichkeiten kennen zu lernen, 
wie dies anderen gewöhnlichen Sterblichen wohl kaum zu 
Teil wurde. So glauben wir in den nachfolgenden Erleb 
nissen manches zu bieten, das auch in weiteren Kreisen von 
Interesse sein dürfte, und bemerken nur noch, daß wir das 
uns zur Verfügung gestellte Manuskript ohne Rücksicht auf die 
politische Färbung desselben unverändert zum Abdruck gebracht 
haben, da wir eben nur Feldjägerfahrten berichten tvollen. 
* 
Vierzig Jahre und darüber sind verflossen — und doch 
stehen mir die Ereignisse, welche den Inhalt der folgenden 
Erinnerungen bilden, in denkbarster Frische vor Augen! 
Sind diese Thatsachen auch nicht Dinge von weittrageitder 
Bedeutung, von großem geschichtlichen Wert, so dürften die 
selben doch wohl hier und da geeignet sein, interessante Schlag 
lichter auf die Zeit werfen, die ich — ein Atom in dem großen 
Getriebe, aber durch ein merkwürdiges Spiel des Zufalls ein 
Atom inmitten der höchsten und hochstehendsten Personen — 
— mit vollem Verständnis der Sachlage durchleben konnte. 
Im Jahre 1848 gehörte ich dem Reitenden Feldjäger- 
Korps an und hatte Gelegenheit, den Beginn der unseligen 
Märzlage, deit 18. März selbst und den für jedes Soldaten 
herz so schmerzlichen Abzug unserer braven Truppen mitzu 
machen. 
Kann man auch nicht leugnen, daß der Aufstand, dieser 
so bedauerliche Abschnitt in der Geschichte unseres teuren preußi 
schen Vaterlandes, seinen erklärlichen Grund in nur zu bekannten 
Ereignissen haue, und daß das „tolle Jahr" uns wohl hätte 
erspart bleiben können: so ist doch die Aera, welche mit der 
Räumung Berlins begann und die erst mit dem Einrücken des 
Generals Freiherrn von Wrangel wieder endigte, einer der 
dunkelsten Punkte unserer „Geschichte ohnegleichen!" 
Gern zugegeben, daß getäuschte Hoffnungen und Erivar- 
tungen die Stimmung anno 1848 beherrschten: die Wirtschaft 
aber, die am Mittage des 19. März ihren Anfang nahm, muß 
das Herz jedes königstreuen Mannes mir bitterem Weh er 
füllen. 
Weil entfernt davon, die geschichtliche Entwickelung der 
achtundvierziger Ereignisse verkennen zu wollen, ist es doch das 
„Wie", mit welchem die Dinge damals in Scene gesetzt wurden, 
das den alten schwarz-iveißen Preußen das „tolle Jahr" mit 
anderen, nicht phrasenumnebelten Augen ansehen läßt. 
Daß nur auch heute noch nicht aufgeklärte Irrtümer das 
Zurückziehen der Truppen veranlaßten und daß nur durch diese 
Irrtümer die Person Seiner Majestät, der in dem Vertrauen 
auf die feierlich gegebenen Versprechungen in Berlin verblieb, 
in frechster Weise beleidigt werden konnte, ist ebenso bekannt 
wie schmerzlich. — In jenen Frühstunden des bösen 19. März 
befand ich mich auf dem Schloßhofe. In großen Kesseln wurde 
Frühstück für die ermüdeten Truppen bereitet, die den vorher 
gehenden Tag bis in die Nacht hinein gekämpft halten. Ich 
stand in uitiniktelbarster Nähe des kommandierenden Generals 
von Prillwitz, als plötzlich mehrere Herren auf den Hof heraus 
traten, und der eine derselben, wenn ich nicht irre, der da 
malige Sladtsyndikus Hedeinann, sich an den General mit den 
Worten wendete: 
„Seine Majestät hat den Abzug der Truppen befohlen!" 
Der General, welcher die eigentümliche Angewohnheit 
halte, den Kopf bei seinen Entgegnungen sehr schnell ruck-
        
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