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Periodical volume 28. März 1891, No. 26

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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Wenden wir nun unsere Gedanken ab von den drei Schill- 
Denkmälern aus Stein und Erz, von dem in Stralsund, in 
Braunschweig und in Wesel, und richten dieselben schließlich 
noch auf Denkmäler, die Dichter durch das Wort dem edlen 
Schill gesetzt haben! 
Besungen wurde derselbe schon, als er nach dem Tilsiter 
Frieden in das von den Franzosen geräumte Berlin einzog, 
aber die Lieder berühmter Poeten feierten ihn erst nach seinem Tode. 
Das früheste derselben ist wohl Max von Schenken- 
dorfs „Schill, Eine Geisterstimme", denn es stammt schon aus 
dem Jahre 1809; aber 
nicht nur das: es ist 
auch eins der schönsten; 
die letzte der sechs kur 
zen Strophen lautet: 
„Tag des Volkes, du wirst 
tagen, 
Den ich oben feiern will, 
Und mein König selbst 
wird sagen: 
Ruh' in Friesen, treuer 
Schill" 
Dann mag der Zeit 
nach des berühmten 
Engländers William 
Wordsworth Sonett 
auf Schill folgen, das 
Karl Vollheim erst 
1864 Deutsch wieder 
gab. Im Jahre 1813 
schrieb Ernst Moritz 
Arndt sein „Lied vom 
Schill", von dessen 
16 Strophen vier die 
sen Artikel eröffnen. 
Bald darauf feierte 
Friedrich Rückert 
im Bänkelsängerton 
den „Vorreiter Schill" 
als den „Vorreiter der 
Lützowschen Jäger". 
Dann weit später, um 
1844, entstand Ema- 
nuel Geibels Sonett 
„Schill" und zuletzt 
die fünfaktige Tra 
gödie „Ferdinand von 
Schill" von Rudolf 
Gottschall (Ham 
burg, Hoffmann it. Campe, 1850), die bei ihrem Erscheinen in 
Preußen verboten wurde, weil die Schuld Schills diesem selbst im 
Stücke nicht zum Bewußtsein komme, und weil also sein Bruch 
des Gehorsams der militärischen Disziplin gefährlich werden könne. 
Treten wir im Geist noch einmal an Schills Grab, und 
schließen wir diese kurze Uebersicht und diesen ganzen Artikel 
mit Geibels schönen Worten ab: 
„O, eine Eiche pflanzt auf diesen Hügel! 
Die grünste sucht, so weit die Amsel ruft! 
Sie streue Schatten auf des Helden Gruft, 
Und Lieder rausch' in ihr der Windes Flügel." 
Ein Zug aus dem Leben Kaiser Wilhelm I. 
Von K. Ulaldemar. 
Soviel liebenswürdige Züge aus dein Leben des ver 
ewigten Heldenkaisers Wilhelm I. auch bekannt sind und er 
zählt werden, so dürften dieselben, die allzeit sein weiches, 
mitfühlendes Herz, seine stets offene Hand verraten, manchmal 
aber auch eindringliche Ermahnung in sich tragen, noch lange 
nicht erschöpft sein. 
Einen solchen Zug möchte auch ich hier erzählen, und ich 
darf wohl mit Sicher 
heit annehmen, daß 
derselbe nur wenigen 
bekannt sein wird. 
Es war im Beginn 
der achtziger Jahre. 
Kaiser Wilhelm war, 
wie damals alljährlich, 
zumKnrgebrauche nach 
Wiesbaden gekonunen. 
Zu bestimmter Stunde 
erschien er am Sprudel, 
nahm von der knicksen 
den Wasserjungfrau 
das Glas entgegen, 
dankte ihr mit einigen 
Scherzworten, ehrte 
diesen und jenen mit 
einer Ansprache und 
bezauberte alle, die 
ihn sahen und ihm 
begegneten, durch sein 
leutseliges. ungemein 
liebenswürdiges We 
sen. Dann begab er 
sich, nur von einem 
Kavalier begleitet 
(dessen Namen mir 
entfallen), auf die vor 
schriftsmäßige Prome 
nade, die er, der Ab- 
.. wechselung halber nach 
deni Kurgarten aus 
dehnte. Vorsorglich die 
nächste Umgebung des 
Kurhauses vermeidend, 
schritt er immer weiter, 
während er sich an 
gelegentlich mit seinem Begleiter unterhielt. Plötzlich blieb 
er stehen, jenem die Hand auf den Arm legend, zum Zeichen, 
daß er schweigen sollte, und so hörten sie ganz deutlich die 
helle Stimme eines Mädchens, das in französischer Sprache 
mit ungemein großer Zungenfertigkeit zu einer zweiten Person 
sagte: 
„Ich will aber nicht, Mademoiselle, und Mama hat ge 
sagt, Sie wären dafür da und würden dafür bezahlt. Wenn 
Mama wüßte, daß Sie verlangen, ich sollte den Ball selbst 
aufheben und mir die Handschuhe beschmutzen, würde sie sehr 
böse sein." 
Geschäftshaus „Zum Hausuaigt" in Kerlin. 
Ansicht auS der Mohxenstfraße. 
Aus der „Deutschen Bauzeitung".
        
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