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Periodical volume 28. März 1891, No. 26

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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und Haus Leitzkau von uns und der Markgrafschafl Branden 
burg zum Lehen innehaben werden." 
Das Ami Leitzkau ist bis auf den heutigen Tag in den 
Händen der Faniilie von Münchhausen geblieben, die sich (schwarze 
Linie) 1679 in zwei Linien spaltete, 14 ) von denen jede einen 
Teil der Besitzung inne hat, die eine den östlichen, Althaus 
genannten, die andere den westlichen, welcher Neuhaus heißt. 
Die Steuerfreiheit der Bewohner des Amtes ist jedoch längst 
aufgehoben. 
Die Hauptgebäude des ehemaligen Klosters, welche mehr 
denn zweihundert Jahre älter sind als der 1363 eingeweihte 
Magdeburger Dom, haben im wesentlichen noch ihre ursprüng 
liche Gestalt, an den äußeren Verzierungen hat der Zahn der 
Zeit allerdings schon stark genagt. 
Der an den Südgiebel von Althaus-Leitzkau grenzende 
hohe Bau, welcher jetzt als Getreideboden benutzt wird, soll 
die alte Klosterkirche gewesen sein, und ein paar rechts und 
links von der Thür im Erdgeschoß desselben eingemauerte 
Grabsteinplatten, 1S ) die in den darunter befindlichen, jetzt fast 
gänzlich verschütteten Gewölben gefunden und worauf zwei 
Ritterfiguren mit Schild und Schwert eingemeißelt sind, möchten 
diese Annahme bestätigen. 
Eine gründliche Untersuchung der Gewölbe würde gewiß 
noch manchen historisch merkwürdigen Gegenstand aus der 
Blütezeit des Klosters zu Tage fördern; wegen der Baufälligkeit 
dieser Räume ist sie jedoch mit Gefahr verbunden. 
Von der wertvollen Stiftsbibliothek ist in Leitzkau nichts 
mehr vorhanden, der größte Teil derselben soll von den ersten 
Besitzeni des Amtes aus der Familie von Münchhausen der 
Bibliothek in Wolfenbüttel geschenkt worden und nur ein geringer 
Ueberrest an die Magdeburger und Brandenburger Archive 
gelangt sein. 
Die Gebäude aber thronen noch majestätisch und weithin 
sichtbar auf dem Berge „Letzka" und legen Zeugnis ab von 
der einstmaligen hohen Bedeutung des Klosters, der ältesten 
und wichtigsten Filiale des Bistums Brandenburg. 
Das Schill-Denkmal in Drsunschweig. 
Von G. Gnril Karrthol. 
(Schluß.) 
Das Haupt Schills wurde, nachdem es von dem Rumpfe 
getrennt worden, von Stralsund nach Kassel gesandt und von dort 
nach Leyden, wo sie der General-Inspektor des Militär-Medizinal- 
- dienstes Professor Brugmans als Geschenk für seine anato 
mische Sammlung erhielt. Als dann aber häufige und oft 
störende Nachfragen nach Schills Haupt von Reisenden vor 
kamen. die Leyden besuchten, ließ jener Gelehrte das Gefäß 
") Die Familie von Münchhausen ist in zwei Hauptlinien getrennt, 
die weiße und die schwarze Linie. Die Besitzer von Allhaus- und NeuhauS- 
Leitzkau gehören der schwarzen Hauptlinie an. 
16 ) Die rechlerhand ist die ältere und enthält die Inschrift: 
Walter ^.rnestezv si quis .... mortuus MC “ 
(dar übrige ist unleserlich). Die andere noch sehr gut erhaltene, trägt um 
den Rand die Worte: Clrieus eomes in Window obiit die sancti 
ßlasii MCCCLVI. 
Erstere ist der Grabstein des in der Schenkungsurkunde von 1173 
als Zeuge erwähnten Grasen Walther von Arnstein, welcher vermutlich 
Schirmoog! des Klosters war, letztere der des mit der Fürstin AgneS von 
Anhalt vermählt gewesenen Grafen Ulrich II. von Lindau und Ruppin, 
dessen Tod Riedel im eodex diplowatieus Lrandenbur^enais irrtümlich 
ins Jahr 1360 verlegt. 
im Jahre 1814 aus seiner Sammlung entfernen und in einem 
Privatzimmer im Bereiche des botanischen Gartens aufstellen. 
Im Jahre 1819 starb Brugmans, und seine Sammlung kant 
durch Ankauf der holländischen Regierung in den Besitz der 
Leydener Universität und damit auch Schills Haupt. Es war 
jedoch dabei übersehen worden, daß Brugmans letztwillige Be 
stimmungen über diese Reliquie getroffen halte, atts denen un 
zweifelhaft hervorging, daß er derselben eine ehrende Beisetzung 
in Deutschland wünsche. Vechelde war diese Sachlage bekannt, 
und er machte sie sich mit Erfolg zu Nutz. Das Haupt kam 
von Leyden nach Braunschweig und fand in einem Gewölbe 
an der Vorderseite des Denkmals seine endliche Ruhestätte. 
Dies Gewölbe bedeckt eine große Messingplatte, auf der fol 
gende Inschrift angebracht ist: 
„Das Haupt Ferdinand von Schill, in Stralsund am 
1. Juni 1809 durch Feindes Hand von dem ent 
seelten Körper getrennt und bis dahin zit Leyden 
aufbewahrt, ward am 24. September 1837 allhier 
feierlichst beigesetzt." 
Es würde zu weit führen, das allmähliche Wachsen der 
Stiftung chronologisch-historisch zu verfolgen; begnügen wir 
uns also mit einer Aufzählung der wichtigsten und inter 
essantesten Fortschritte und Erwerbungen derselben. 
Ganz nahe dem Denkmal befindet sich das sogenannte 
„Jnvalidenhaus"; es wird von einem invaliden Soldaten 
bewohnt, der durch seinen Dienst als Wächter der Stiftung ein 
sorgenfreies Alter genießt. 
Eine an dieses Wächterhans grenzende, mit einem turm- 
ähnlichen Aufbau geschmückte Halle enthält in einer Nische 
auf einem Postament, das durch preußische Kanonen von 1809 
gebildet wurde, die halbkolossale Büste Schills nach der Toten 
maske. 1839 von Stiglmater in München in Bronze gegossen, 
ein Geschenk vom Könige Ludwig I. von Baiern. Ferner- 
hängen daselbst vortreffliche Porträts, so das des Erzherzogs 
Karl von Oesterreich, geschenkt von ihm selbst; das des Herzogs 
Friedrich Wihelm von Braunschweig, von der Stadt Braun- 
schweig geschenkt; das von Andreas Hofer, ein Geschenk der 
Stadt Innsbruck. Den übrigen Raum der kleinen Halle zieren 
die Wappenschilder aller Offiziere, die Schills Banner folgten; 
auch werden daselbst Andenken aller Art aufbewahrt, so Schills 
Säbel, Cartouche, Pistolen, Weste. Husarenjacke, Geldbörse rc. 
Die wertvollste der dort aufbewahrten Reliquien aber ist wohl 
jene goldgestickte Brieftasche Schills, die dieser nach der Be 
lagerung von Kolberg von der Königin Luise zum Geschenk 
erhielt; es stehen darin die eigenhändigen Worte der Königin: 
„Für den braven Herrn von Schill. Königsberg. 21. Mai 
1808. Luise." 
Das eigentliche Denkmal ist von Kanonenröhren umgeben, 
die durch Ketten mit einander verbunden sind: — ein Geschenk 
des Königs Ernst August von Hannover. Die ganze Stiftung, 
also Denkmal, Halle und Jnvalidenhaus, ist umgeben von 
einem kleinen, durch ein Stacket abgegrenzten Park, den König 
Friedrich Wilhelm III. auf sandigem Boden erstehen ließ. 
Und über dem Park in dem kleinen Turm auf der Halle, 
schwebt eine Glocke, geschenkt von dessen Schwester, der Kur 
fürstin von Hessen. Nur fünfmal im Jahre ertönt das Geläut 
dieser Glocke: — an den Todestagen Schills und seiner hier und 
vor Wesel erschossenen Waffengefährten, ferner an denen Hofers 
und des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels.
        
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