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Periodical volume 28. Februar 1891, No. 22

Full text: Der Bär Issue 17.1891

ns 272 fr- 
Die Kaiser Wilhelm - Gedächtniskirche in Berlin. 
Von K. Nollrnar. 
(Nebst zwei Abbildungen.) 
Jene Versaiiimluiig. welche am 2. Mai des Jahres 1890 
im Stmidehaus der Provinz Brandenburg zu Berlin gehalten 
wurde, legte den Grund zum „Evangelischen Kirchenbau-Verein", 
der es sich zum Ziel setzte: Ihre Mas. die Kaiserin in ihren 
hochherzigen Bestrebungen zur Abhilfe der Kirchennot in Berlin 
wirksam zu unterstützen. Die von Herrn v. Mirbach in jener Ver 
sammlung gesprochenen, 
ernst mahnenden Worte 
sind auf fruchtbaren Bo 
den gefallen. Allenthalben 
im Vaterlande sind seit 
dem die bisher gebunde 
nen Kräfte der helfende» 
Liebe frei geworden, und 
opferwillig sind Gaben 
dargebracht worden, 
welche den Ban ver 
schiedener, für die Haupt 
stadt und ihre Vorstädte 
so notwendigen Kirchen 
ermöglichen. Von diesem 
Schaffen und Weben, dem 
hoffentlich noch viele 
Jahre sichtbaren Wachs 
tums beschieden sind, 
wollen wir gelegentlich 
ausführlicher berichten; 
heute drängt es uns, den 
Blick unserer Leser aus 
jenes Gotteshaus hinzu 
lenken, dessen Grundstein 
binnen kurzem, an dem 
für alle Deutschen un 
vergeßlichen 22. März, 
gelegt werden soll. 
Es ist dies die 
„Kaiser Wilhelm- 
G e d ä ch t n i s k i r ch e ", 
welche erbaut wird, um 
Jahrhunderten ein reden 
des Zeugnis von der 
Verehrung, Liebe und 
Dankbarkeit zu geben, 
welche die Zeitgenossen 
für diesen unvergleich 
lichen Herrscher empfanden, 
seinen Wunsch die Stelle 
sich erheben wird, nämlich 
Kaiser Wilhelm I. selbst hat durch 
bestimmt, an der jenes Gotteshaus 
an der Kreuzung des Kursürsten- 
dammes und der Hardenberg-Taueitzienstraße. Als im Jahre 
1884 die Dankeskirche für die Errettung des Herrschers aus 
Mörderhand projektiert war, fuhr der greise Monarch einst mit 
seiner Tochter, der Großherzogin von Baden, im offenen Wagen 
nach dem Grunewald, und eben an jener Stelle des Kur- 
fürstendammes sprach er es aus, das; er wünsche, jenes 
Gotteshaus möge hier auf der Grenze von Berlin und Char- 
lottenburg erbaut werden. Dem Wunsche des Monarchen konnte 
dainals nicht entsprochen werden; die Dankeskirche fand viel- 
mehr — um der großen Kircheiinot des Nordens von Berlin 
willen — ihre Stätte auf dem Wedding. Daß man aber jetzt 
bei diesem neuen Dankesopfer — denn als solches muß auch 
die Kaiser Wilhelm-Gedächlniskirche aufgefaßt werden — auf 
jenen Wunsch des hochseligen Kaisers zurückgriff, tvar einfach 
eine Pflicht der Pietät, und wir gehen gewiß in der Annahme 
nicht fehl, daß jedem Patrioten gerade um jenes Wunsches 
ivillen der gewählte Platz ganz besonders lieb und wert sein wird. 
Um den Bau dieser 
bedentsamen Kirche zu 
beschleunigen und um der 
Ausgestaltung des ganzen 
Bauwerkes volle Kraft 
zuzuwenden, zweigte sich 
von dem Ev. Kirchenbau- 
Verein ein besonderes 
Komitee für Erbauung der 
Kaiser Wilhelm-Gedächt 
niskirche ab. Dieses ging 
mit regem Eifer vor und 
suchte Herzen und Hände 
zum Geben willig zu 
machen, um zunächst die 
Grllndbedingungeit alles 
und jedes Banetis zu be 
schaffen. Der architekto 
nische Entwurf der Kirche 
wurde durch einen Wett 
bewerb gezeitigt, dessen 
Entscheidung das deutsche 
Kaiserpaar, welches ge 
rade dieses Werk warm 
herzig init Rat und That 
förderte, in die Hand 
nahm, und die zu 
Gunsten des BaUrals 
Schwechten in Berlin 
ausfiel. Die Haupt- und 
Residenzstadt verdankt be 
kanntlich diesem Architek 
ten viele überaus ge 
lungene Bauwerke, von 
denen wir hier nur die 
Kriegsakademie in der 
Dorotheenstraße und den 
Anhalter Bahnhof er 
wähnen wollen. Baurat 
Schwechleii har für die Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche den 
rheinisch-romaiiischeii Stil gewählt; die Bausumme, 650000 M., 
nötigte ihn, sich einer möglichst schlichten Bauweise zu bedienen, 
doch ist es ihm gelungen, innerhalb der gezogenen Grenzen 
seinen Gedanken in schöner, edler Einfachheit zum Ausdruck 
zu bringen. Unsere Abbildungen zeigen neben der Vorderfront 
den nach Berlin hin gerichteten Chor des Gotteshauses. Letzterer 
ist durch Giebelaufbauken sowie durch einen äußeren Umgang 
und ein wuchtiges Dach betont; überdies flankieren ihn zwei 
54 Meter hohe, reich gegliederte Türme. Der Altar im Innern 
|flor8rr«*«Jwijt 8er Kaiser Milstelm-Gedärhtniskirrhe 
in J3eriin-®ijstricittent»urß. 
Enlwurs dcs Baurats Schwcchten. — Aus der „Deutsche» Bauzeituug".
        
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