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Periodical volume 21. Februar 1891, No. 21

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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Hausen hatte dem Polizeichef sekundiert, Haus von Rochows 
Sekundant war ein Lieutenant von Rochow von den Gardes 
du Corps gewesen. Als Unparteiischer fungierte ein Herr von 
der Marwitz, und Hinckeldey halle den ersten Schuh gehabt. Als 
das Pistol versagte, reichte ihm sein Sekundant ein zweites. 
Er feuerte, fehlte aber. Hierauf schoß Herr von Rochow und 
traf den Gegner ins Herz. 
Herr von Hinckeldey war ein Opfer. Jene unselige 
Mitteilung war ihm in der Uebereilung entschlüpft — später 
leugnete er diesebe, um seinen König zu decken. Seine Lage 
war eine beklagenswerte, sein Geschick ein tief tragisches. Er 
starb als treuester Diener seines Herrn. 
Der König hatte ihm befohlen, zwei Offiziere aus Berlin 
zu entfernen, eine Aufgabe, zu welcher ihm jegliche Befugnis 
und jegliche Macht fehlte. Er versuchte daher in seiner Rat 
losigkeit, dieselben „hinaus zu schikanieren", und begann mit 
jenem Ueberfall des Jockey-Klubs, woselbst er die Herren ver 
mutete, aber nicht fand. Dieser Versuch wurde ihm ver 
hängnisvoll. ... 
„Stände ich heule noch einmal vor jener Alternative, schloß 
der Major an jenem Januarabend seine Mitteilungen, „ich 
hätte heute noch dieselbe Gesinnung — und denselben Finger 
druck." 
Herr von Rochow wurde wegen dieses Duells zu zwei 
jähriger Festungshaft verurteilt. 
Richt lulwichtig bei der Beurteilung des ganzen Falles 
ist die Thatsache, daß dem Inhaftierten die Hälfte dieser Straf 
zeit erlassen wurde, und zwar aus persönliche Verwendung 
der Wittwe des Herrn von Hinckeldey bei König Friedrich 
Wilhelm IV. 
Kleine Mitteilungen. 
Dos alte Rothons in Kerlin. Aeltere Berliner werden 
sich des ehemaligen Rathauses, das sich an Stelle des 1868—1870 von 
Waesemann erbauten jetzigen Monumentalbaues in der Königs- und 
Spandauerstraße erhob, und dessen Abbildung wir auf Seite 261 bringen, 
noch zu erinnern wifien. Von dem Bau des 13. Jahrhunderts enthielt 
dieser „alte Rathaus" freilich nur noch die sogenannte „Gerichtslaube." 
Bei der Errichtung des jetzigen Prachtbaues war die Erhaltung dieses 
merkwürdigen Baudenkmals vergangener Zeiten leider nicht möglich, doch 
ist dasselbe auf Babelsberg, dem Lieblingssitze des ersten deutschen Kaisers, 
wiederaufgerichtet worden. 
Seiflost Grdrnannsdorf, dessen Abbildung der „Bär" auf 
S. 265 bringt, liegt im gleichnamigen Dorfe in reizender Gegend im 
Ricsengebirge. Wer von Schmiedeberg nach Hirschberg gewandert ist, dem 
wird dieses Stück herrlicher GotteSnatur unvergeßlich bleiben. Das pracht 
volle königliche Schloß mit seinem sehr schönen Parke, gehörte einst dem 
Feldmarschall Gneisen«», von dessen Erben es 1833 an Friedrich Wilhelm 
III. verkauft wurde. Durch Erbschaft ging es dann an dessen Wittwe, 
die Fürstin von Liegnitz, über und wurde 1840 von Friedrich Wilhelm IV. 
wieder angekauft. In unseren Tagen beherbergte das Schloß den Prinzen 
Heinrich und seine Gattin, die Prinzessin Irene von Hessen, welche 
daselbst ihre Flitterwochen verlebten. Außer dem Schlosic ist in Erdmanns 
dorf die 1838 von Schinkel erbaute Kirche bemerkenswert. In der Nähe 
von Erdmannsdorf liegt die Kolonie Zillerthal, die 1838 von ausge 
wanderten evangelischen Tirolern gegründet wurde. 
f les gtelfarfrieifirt** ln 5>rambm*oi Kestallrrng 
5.*) Wir Bürgermeister und Rath dieser Stadt Dramburg urkun 
den und bekennen hiermit, daß wir fürweiser dieser Meister Hans auf sein 
zuförderst gethanes fleißiges ansuchen für einen Scharff und Nachrichter 
bestellet und angenommen, dieser gestalt, daß wo wir dessen zur iustilleation 
einiger Maleficanten und Uebelthäter werden benützet seyn, er alsdann uns 
jederzeit willig zur Hand gehen und ufwertig sein soll. Dahingegen wir 
ihn vor einen jeden durch Urtheil und zum Todte verdampten Maleficanten, 
er werde endweder gehencket, ertränckel, ckeeollisrst, gerädert, verbrannd 
und geschmäuchet oder sonst umbgebracht und leiblich bestraffet, wie auch 
im Gefängnis auS Desperation »mbkommen, 4 fl. auf seine Person, für 
die Tortur ausbringen und das Richten und 1 fl. seinem Knechte altem 
Brauche nach nebst nottürfftiger freyer außrichtung futter und mahl zu geben 
versprochen. Wen er hierüber einen mit ruhten zur Staupe schlagen und der 
Stadt verweisen wird, hat er jedesmal dafür 2 fl., und das Gefängnis, 
worinnen die Maleficanten gehalten werden zu reinigen einen Thaler zu 
gewärtigen. 
Fürs Abdecken des entweder durch krankheit oder sonsten gestorben 
und umbgekommenen Viehes hat er wo er solche Stücke zuförderst an den 
Ort fürs Thor, so ihm der Gelegenheit nach durch den Stadtdiener soll 
angewiesen werden, wird gebracht haben, hat er vor jede Pferdehaut 2 l sgr. 
3 Pf., vor eine Kuhhaut 26 gr. 6 Pf. und 1 Ochsenhaut 1 schl. Thaler 
oder 32 sgr. soferne sie es noch würdig sein wird, umbschichtig von hiesigen 
Schustern, so solche Heute bekommen werden, zu haben. Was aber alschon 
Betreffen und scbadhaftige häute sein werden, hat er sich absonderlich den 
Werde nach mit gedachten Schustern zu vergleichen: Jngestalt der solcher 
benannten allerhand Heute Niemand anders als hiesigen Schustern, bei 
welchen er sich deswegen anzugeben, und sich mit denselben bester Maßen 
zu vereinigen schuldig sein soll, verkauffet und zugebracht werden soll; 
hierüber bekommt bemelter Scharfrichter auS jedem Hause (ausgenommen 
der Herrn Bürgermeister und anderen sämptlichen Rathspersonen Häuser, 
so davon eximiret und befreiet) jährlich auf Michaelis 4 gute Pfennige. 
Jngleichcn ist ihm in den HundStagen das Hundeschlagen vergünstiget, jedoch 
*) Diese interessante Mitteilung entnehmen wir dem 1. Hefte der 
soeben erschienenen „Mitteilungen des Vereins für die Geschichte 
der Neumark." 
daferne Einer und andere Bürger einen guten Haushund hette, und densel 
ben zu salvieren begehrete, sollte durch ein ihm an de» Hals gehenckteS 
Zeichen und dafür gegebenes biliches Trinkgeld verschonet bleiben. 
Dahingegen auch der Scharsrichter uhraltem Gebrauche nach dem Hrn. 
Bürgermeister und jeder Rathsperson ein gut paar Händschen oder an statt 
dessen einen Reichsortsthaler jährlich gegen Pfingsten zu geben schuldig. — 
Hierbei verspricht ein E. Raht mehrbesagtem Scharfrichter Meister Hans 
Jacob, wo er sich nebst den Seinigen der gcbür nach so wohl gegen den 
Rath bei der ihm durch Urtheil und Recht anbefohlenen Tortur und Nach 
richten wie auch Männiglich damit Niemand in vor und außerhalb Collation 
seinethalben einigen Despect oder Unglimpf haben und leiden dürfte (fehlt: 
verhalten würde), sichern Paß und Geleite. Auch daß ihm laut dieser Be 
stallung dasjenige, so ihm für seine Verrichtung zu haben versprochen, ohn 
einige Abbruch gesolget werden solle, worüber ihm zu mehrer Versicherung 
diese Bestallung unter der Stadt Siegel und E. E. RahtS eigenhändiger 
Subscription erteilet. So geschehen und gegeben zu Dramburg am Tage 
St. Martini episeoxi 1665. v N. 
Unser Kiichertisch. 
Dev Untertans dos leisten Ho st enstanfen. Historisches 
Drama in 4 Akten von Iiidw. Hoffmann und Friedrich Kruse. Halle 
1890. Verlag von R. Schrödel. Preis 1 M. 
Es ist ein gefährlicher Boden für den dramatischen Dichter, wenn er 
sich an einen historischen Gegenstand wagt, namentlich wenn der Stoff ein 
jo bekannter und so oft bearbeiteter ist, wie der des vorliegenden Dramas. 
Die Gefahr liegt darin, daß auS den Personen weniger warmblütiges Leben 
als daS Studium dicker Folianten spricht. An dieser Klippe sind die Ver- 
fasier gescheitert. Was wir hören sind Worte — nichts als Worte, wie 
wir sie schon oft in wohlgesetzten Jamben gehört haben. Wir fürchten, 
daß die beabsichtigte Ausführung im Stadttheater zu Halle noch ein schärferes 
Verdikt über das Drama nach sich ziehen wird, als wir es hier abgeben 
müsien. 11. M. 
Flotte ©esdjidjte ons der uniformierten Mett. Von 
fflobnr Tauber Illustriert von Karl Elleder. Wien 1891. 8°. 
149 S. Preis 2,40 Mk. 
Jeder Freund des bunten Rockes wird Freude an diesen „flotten 
Geschichten" finden, welche uns einen Blick in die Verhältnisie und Zu 
stände der österreichischen Armee gestatten, die in wesentlichen Punkten von 
denen des deutschen Reichsheeres verschieden sind. Ein kecker Humor durch 
zieht diese Geschichten, die in den Kreisen österreichischer Offiziere spielen, 
und wenn derjelbe uns auch Situationen vorführt, welche der Wirklichkeit 
nicht immer entnommen sind, so müssen wir dem Verfasser doch nachsagen, 
daß er es meisterhaft verstanden hat, die schneidigen feschen Marssöhne 
Oesterreich-Ungarns zu charakterisieren. Die Zeichnungen sind in dem 
flotten Stile der „Fliegenden Blätter" gehalten und gereichen dem Buche 
zur Zierde. R. G. 
Briefkasten. 
Abonnent. Der Palast Adam von Schwartzenbergs, in 
welchem der zweite und vierte Mt von Wildenbruchs „Der neue Herr" 
spielen, lag Brüderstraße 1 und 2. Erhalte denselben 1628 erbauen lassen; 
erhalten ist das Gebäude nicht mehr. 
Knifalt: Ein neues Geschlecht, Roman von H. v. Dedenroth 
(Fortsetzung); Die Flucht der preußischen Prinzen im Jahre 1806. 
Nach Schilderungen eines Begleiters. Mitgeteilt von R. Hahn; Der Schuß 
in der Jungfernhaide. Eine Ergänzung der Zeitgeschichte. Von Friedr. 
Meister. — Kleine Mitteilungen: Das alte Rathaus in Berlin (mit 
Abbild.); Schloß Erdmannsdorf (mit Abbild.); Des Scharfrichters in Dram. 
bürg Bestallung (1. 1665. — Büchertisch. — Briefkasten. — Anzeigen
        
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