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Periodical volume 21. Februar 1891, No. 21

Full text: Der Bär Issue 17.1891

-'S 266 &• 
schuldigung um so schwerer wiegt, da sie Worte betrifft, die 
Se. Majestät gebraucht haben soll. 
Graf Pourtalss hat mir aus Venedig, wo er sich jetzt 
aufhält, aus mein Ersuchen noch eiiimal das bestätigt, was er 
und ich bereits im Juni v. I. als bestimmt und wörtlich ge 
hört zu haben, bereit waren zu antworten. 
Ew. Excellenz bitte ich daher ganz gehorsamst, als Vor 
gesetzter des Herrn von Hinckeldey, diesem die Sachlage vor 
stellen lind ihn veranlassen zu wollen, mir eine Erkläumg zu 
geben, welche es mir nlöglich macht, meine und des Grafen 
Pourtaläs Ansicht, daß Herr voll Hinckeldey durch diese Er 
klärung vom 18. Dezember v. I. amtlich eine Lüge aus 
gesprochen hat, zu ändern. 
Ich stehe Ew. Excellenz jeden Augenblick zu Diensten, 
die Korrespolidenzen mit Graf Pourtalss vorzttlegen, und er- 
Iciitbe mir noch gehorsamst zu bemerken, daß es mir wünschens 
wert erscheint, falls ich eine meiner Ehre genügende Erklärung 
von Herrn von Hinckeldey aus diesem Wege erlange, es Sr. 
Majestät dem König ztt ersparen, die Entscheidung hierüber 
zu geben." 
In den privaten, mir zur Durchsicht vorgelegten Auszeich 
nungen des Majors heißt es mit Bezug ans diese Eingabe: 
„Ich habe hier hinzuzufügen, daß ich beim Verfolge 
dieser Angelegenheit den amtlichen Weg — durch Beschwerde 
bei der vorgesetzten Behörde des Herrn von Hinckeldey — und 
nicht den persönlichen wählte, um mir Genugthuung zu ver 
schaffen, weil 
1. meine Lage eine sehr günstige war, 
2., weil nur auf diesem Wege mein Verdacht, daß Herr, 
von Hinckeldey möglicherweise die Person des Königs vorge 
schoben habe, um sich selbst vor einer Verantwortlichkeit wegen 
der Ausschreitungell der Polizei zu decken, eine Bestätigung 
erfahren konnte, 
3. weil meine Satisfaktion durch das Resultat einer 
vom Minister von Westphalen auf meinen Antrag angeord- 
lteten Untersuchung eine viel eklatantere und vollständigere sein 
mußte, als wenn ich den persönlichen Weg betreten hätte." 
„Während der Zeit meiner Korrespondenz mit 
dem Minister," so lautet es weiter in der Rochowschen Nieder 
schrift, „hatte der Geh.-Rai von Münchhausen, Mitglied des 
Herrenhauses, zu intervenieren gesucht. Er stellte mir in 
Aussicht, daß Herr von Hinckeldey mir eine befriedigende Er 
klärung ntachett würde, weitn ich meine Forderung ans Unter 
suchung gegen ihn fallen lassen würde." 
Die Verhandlungen zerschlugen sich jedoch, weil der Ge 
neraldirektor die von Herrn von Rochow ausgesetzte Erklärung 
tiicht unterzeichnen, auch mündlich vor zwei Zeugen nichts er- 
klären wollte. 
Dagegen war er bereit, demselben allein und unter vier 
Attgen die geforderten Zugeständnisse zu machen, ein Anerbieten, 
auf welches v. Rochow sich nicht einließ. 
Wenige Tage darauf, am 5. März 1856, reichte der 
General-Polizei-Direktor von Hinckeldey beim Könige sein Ab 
schiedsgesuch ein, welches auch bewilligt wurde. 
Diese Thatsache blieb ein tiefes Geheimnis, um das da 
mals nur der König und v. Hinckeldey ivußteit, da der letztere 
demnächst in seinen Posten wieder eintreten sollte. 
Unmittelbar darauf ließ er Herrn von Rochow durch den 
Geh.-Rat von Münchhausen fordern. 
„Als Grund dieser Herausforderung", heißt es in dem 
Manuskript des Majors, „gab Herr von Münchhausen im Auf 
träge von Hinckeldeys an, letzterer hätte erfahren, daß er von 
mir in einem Schriftstück der amtlichen Lüge bezichtigt worden 
sei. Ich nahm die Forderung an, ließ jedoch dem Herrn von 
Hinckeldey durch Herrn von Münchhansen erklären: 
Nach meiner Erklärung sei ich durch die Gesetze der 
Ehre nicht verpflichtet, mich mit ihm zu schlagen; ich hätte 
ihtt in einer Weise attgegriffen — und zwar um mich 
von einem Vorwurf zu reinigen — die es ihm möglich mache, 
sich in amtlichem oder gerichtlichem Wege von meiner Beschul 
digung zu befreien; ich . könne attch nach stattgefundenem Duell 
meine Ansicht über seine Erklänutg vom 18. Dez. 1855 nicht 
ändern — seine Lage werde sich daher durch einen Zweikampf 
kalim verbessern; trotzdem, wenn er bei seiner Fordemng 
bliebe, würde ich mich stellen; das Stattfinden unseres Duells 
könnte ich jedoch nur als eine Gefälligkeit betrachten, die ich 
seiner Ansicht über die standesgemäße Erledigung dieses Kon 
fliktes erwiese. 
„Herr von Münchhalisen kam am selben Tage wieder 
zu mir mit dem Bescheid, daß Hinckeldey auf seiner Forderung 
bestände . . . ." 
Jetzt verlangte von Rochow Bedingungen, welche ihm 
eine Garantie gäben, daß aus diesem Duell keine Farce ge 
macht werden sollte. 
„Eigene, gezogene Pistolen, ohne Stecher, fünf Schritt 
Barriere; das Versagen einer Pistole gilt nicht als Schuß ..." 
„Weiln zuni Schluß eine Erklärung abzugeben wäre," 
fährt das Rochowsche Manuskript fort, „weshalb ich ein Duell 
einging, was ich vielleicht meinem besten Freimde zu thun ab 
geraten haben würde — da es liach meiner Ueberzeugung 
diesen unglücklichen Kottflikt nicht vollständig erledigen konnte — 
dann könnte ich nur sagen: Ich schlage mich, ttm persönliche 
Genugthuung zu haben, lieber zehnmal zu oft, als einmal zu 
wenig " 
Hinckeldey glaubte bis zttletzt, daß der König das Duell 
inhibieren würde. Deshalb wählte er den Ort fast unter den 
Feustenl des Schlosses von Charlottenburg, wo der König 
damals wohnte. 
Als er zum Kampfplatz fuhr, begegnete ihm in der Nähe 
des Schlosses der Polizeidirektor von Charlottenburg, Polizeirat 
Maaß. Derselbe näherte sich dem Wagen, und Hinckeldey er 
wartete mit einent „Gott sei Dank!" jetzt den erhofften Befehl 
des Königs zu vernehmen. 
Maaß aber grüßte einfach mit den Worten „Guten 
Morgen", und Hiitckeldey lehnte sich erbleichend zurück. 
Er führte im Wagett seine Uniform mit sich, um sich, 
nach glücklichem Verlauf des Duells, wieder als Polizeichef 
zum Dienst beim König melden ztt können 
Am 10. März 1856 brachten die Berliner Zeitungen eine 
Notiz, welche ganz Berlin, ja, ganz Prettßett in Aufregung 
versetzte. 
Dieselbe lautete: 
„Der Generalpolizeidirektor von Hinckeldey ist heute vor 
mittag bei einem Duell tötlich in die Brust getroffen und 
wenige Mittuten nachher verstorben. Als Gegner nennt man 
den Herrn von Rochow auf Plessow." 
Das Dilell hatte in der Jungfenihaide, unweit des Forst- 
hauses Königsdamm, stattgefunden. Der Geh.-Rat von Münch-
        
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