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Periodical volume 31. Januar 1891, No. 18

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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Schloß zu standen 4, welche der König von Frankreich ge 
schenkt; 2 von Lambert Sigisbert Adam l’aine, de Nancy, 
ä Paris 1749, deren eine zwei Jagdninipfen, die einen Reiher 
anbinden, die andere eine Frauensperson mit einem Netze ist; 
und 2 von d. D. Pigalle 1749, bereit eine Venus, die 
andere ein unvergleichlicher sitzender Mercur ist. — In einem 
andern Bondel stehen 8 Musen von Glum. — Die Grotte 
ist kostbar, aber sehr einförmig und ohne Geschmack und Kunst 
von Benkert gesetzt. In dem obersten Ptlnkt der Niobe ist 
ein sehr großer Onyx. Wenn alle in den guirianden an 
gebrachten rothen Corallen ächt sind, so muß deren vor 
viel Geld in der Grotte sein. — Außer dem Garten gegen 
die Stadt zu ist ein Obelisk mit Hieroglyphen, um die 
Vue der großen Querallee zwischen den 4 Parterren zu 
terminiren. Auf der andern Seite des Gartens führt ein 
schöner berceau en ziczac nach dem dapanischen Palais, 
welches mit Bildsäulen in gehörigem gusto, die aus Stein 
und übergoldet sind, umgeben ist, und dessen Gewölbe in 
wendig von Hubert nach le Sueurs Zeichnungen gemahlt ist. 
— Auf dieser Seite ist auch der Fasanengarteu, in welchem 
die neue unvergleichliche Oolonnade oder Cascade ist. 
Der Berg, auf welchem das Schloß steht, erhebt sich in 
6 Stufen, und man geht auf den Seiten auf gewaltzten 
penten, in der Mitte aber auf steinernen Treppen, die bald 
23, bald 24 Stufen haben, zum Schlosse hinauf, an dessen 
Fronte, Sans-souci mit goldnen Lettern stehet. — Man 
wird zuerst in die kleine Bildergallerie geführt, welche gerade 
gegen Mittag stehet, dadurch sind viele Tableaux von der 
Sonne verblichen oder gesprungen. In dieser G-allerie stehen 
viel Polignaosche Antiquen. In der Lanterne ist eine 
antique und eine moderne Bildsäule von trefflicher Arbeit, 
davon die letztere einen Mars super arma vorstellet; beide 
in weißem Marmor. In dieser Gallerie steht auch ein busto 
König Carl des XII 18 “ en bronce auf der Erden." 
Hiermit schließt die Aufzeichnung in Pallas' Tagebuch, 
leider ohne die Beschreibilng des Schlosses von Sans souci 
zu Ende zu führen. Wer würde, geleitet von einem guten 
Beobachter, nicht gerne diese durch Friedrichs Geist geweihten 
Räume durchschreiten, um ein Augenblicksbitd in sich aufzu 
nehmen, das uns einen fast l x / 2 Jahrhunderte zurückliegenden 
Zustand widerspiegelte? Will es uns auch scheinen, als wenn 
das Innere des Schlosses seitdem wenige Aenderungen er 
fahren. ein pietätvoller Sinn die Einrichtungen des großen 
Königs unberührt gelassen habe, so kann sich das doch nur 
auf das Sans souci von 1786, nicht auf das von 1763 be 
ziehen. 
In Pallas' Bericht über die Gartenanlagen interessiert 
nicht zum menigsteu das, was er über den östlichen Teil des 
Parkes, jenseits des japanischen Häuschens erzählt. Hier ist 
der berceau en ziczac, hier ist die Cascade verschwunden. 
Dafür vollzog sich mit dem Bau des neuen Palais eine Aus 
dehnung des Parkes, die in unserem Jahrhundert durch die 
kunstsinnigen Schöpfungen König Friedrich Wilhelms IV. noch 
größere Erweiterung erfuhr, und deren Wachslum auch heute 
noch nicht abgeschlossen ist. Denn, wie man hört, sollen jen 
seits der Communs noch neue Anlagen geschaffen werden. 
Wahrlich, ein Palastbezirk, der seines gleichen sucht, 
ebenso großartig durch sein Gebietsumfang, wie durch die 
Schönheit seiner Anlagen, die Mannigfaltigkeit seiner Bauten I 
und den Reichtum historischer Erinnerungen; würdig, dem 
deutschen Kaiser und Könige von Preußen als Sommeraufent 
halt zu dienen! 
Morkuslro. 
Ein romantischer Sang vom Spreemald. 
Von Grvald MüUor. 
IX. Gesang. 
Zu der Fahrt gerüstet steht Morkusko 
Abschiedsbang im kleinen, schwanken Nachen. 
Sinnend ruht sein Aug' noch auf dem Schlosse, 
Das von Abendgluten purpurn schimmert. 
Einmal ziehen noch durch seine Träume 
All die Bilder glückbesonnter Tage, 
Einmal grüßt er noch der Liebe Stätte. — 
Jedem Raume, der ihm wert geworden. 
Jedem Fenster, dran er selig weilte, 
Jedem Orte, da er litt und liebte, 
Weiht sein trüber Blick den Gruß des Abschieds. 
Fassen kann er's nicht, daß sich die Pforte 
Seines Glücks, daß sich die neue Heimat, 
Ach, vielleicht für immerdar verschlossen. 
Heimatlos und bar jedweden Obdachs, 
Wie er nahte, sieht das Schloß ihn scheiden. 
Dennoch wendet er sich reichen Herzens, 
Birgt ja seine Brust den Hort der Liebe, 
Trägt sie doch Trudeskas holdes Bildnis. 
Ihr allein gehört die kurze Spanne, 
Die ihm noch vergönnt in ihrer Nähe. 
Spähend forscht sein Auge nach dem Söller. 
Ach, umsonst! Es winkt kein Arm zum Abschied, 
Und kein Blick grüßt trennungsschwer herunter. 
Wilde Reue packt ihn da, daß grußlos 
Er von seiner Trauten sich gerissen. 
Ob darum sie zürnte? Ob des Fluches 
Wegen sie ihm plötzlich gram geworden? — 
Grimmes Weh krampst ihm das Herz zusammen. 
Soll er einmal noch die Schritte wenden, 
Einmal noch hinauf zum Hügel eilen? 
Qualvoll überdenkt er's. Nein, er darf's nicht! 
Wie ein Mann will er des Loses Bürde, 
Das er selber auf sich lud, ertragen. 
Doch noch einmal greift er zu der Laute, 
Wühlt in irrem Schmerz in ihren Saiten, 
Und dem Schlosse singt er traur'gen Abschied: 
„Nun lebe wohl mit Turm und Zinnen, 
Du stolze Burg im Spreewaldthal! 
Dein Sänger zieht betrübt von hinnen, 
Er grüßt dich heut zum letzten Mal. 
Lebt wohl, ihr Wälder, Wiesen, Wellen, 
Und Du, mit Blicken, himmelshellen, 
Trudeska, lebe wohl! 
Wie wollt' ich Dir in hoher Minne 
Boll Treue dieses Leben weihn! 
Ob auch die Thräne bremtend rinne, 
Vieledle Maid, es darf nicht sein.
        
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