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Periodical volume 31. Januar 1891, No. 18

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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Seife nach Potsdam 1763. 
Mitgeteilt von H. u. Herwarth. 
Peter Simon Pallas, geboren zu Berlin 1741, ge 
storben ebendaselbst 1811, einer der berühmtesten Naturforscher 
des vorigen Jahrhunderts, ist der gelehrten Welt besonders 
durch die von der Kaiserin Katharina II. ausgegangene Be 
rufung nach Rußland zlir Erforschung entlegener Gebiete des 
Reiches und die damit im Zusammenhange stehende Leitung 
der in den Jahren 1768—1774 unternommenen großen sibiri 
schen Expedition, sowie durch 
sein Gemälde von Taurien 
bekannt geworden. Er hatte 
in Halle, Güttingen und 
Leyden studiert, lebte nach 
der bedeutungsvollen sibiri 
schen Reise 20 Jahre in 
Petersburg seinen wissen 
schaftlichen Arbeiten und 
seiner Thätigkeit an der 
kaiserlichen Akademie, brach 
dann zur Erforschung der 
russischen Provinzen am 
Schwarzen und Kaspischen 
Meere auf und siedelte nach 
der Krini über, ivoselbst ihn 
die Kaiserin mit Landgütern 
und einem Hause in Sym- 
pheropol beschenkte. Doch 
Sehnsucht nach der Heimat 
führte ihn ein Jahr vor 
seinem Tode nach der Vater 
stadt zurück, wo er sein 
arbeitsreiches Leben beschloß. 
„Multas per terras jacta- 
tus ut naturam rerum 
indagaret hie tandem 
requiescit“, lautet die selbst- 
gewählte Inschrift auf dem 
über seinem Grabe auf dem 
Halleschen Kirchhofe gemein 
sam von der Petersburger 
und Berliner Akademie 1835 
errichteten Denkmal. 
In einem nachgelassenen 
Tagebuche der Jahre 1762 
und 1763 findet sich unter 
anderem auch die nachstehend wiedergegebene Notiz über 
eine Reise von Berlin nach Potsdam. Sie ist von der 
Hand des damals noch jugendlichen Pallas ohne gelehrte 
Absicht niedergeschrieben, um zu eigenem Nutz und From 
men das Sehenswürdige zu vermerken, um als Er- 
innerungsblatt zu dienen. Gleichwohl bietet sie auch ein 
Interesse für die Gegenwart durch den Vergleich des Damals 
mit dem Jetzt, durch den Einblick in das Innere der Ge 
mächer Friedrichs des Großen, der Verteilung von Gemälden 
und Kunstschätzen wenige Wochen nach dem Hubertsburger 
Frieden, durch Beschreibung der Gartenanlagen, durch Erwäh 
nung der ausgestellten Bildsäulen und durch einzelne Angaben 
über die Bezugsquellen kostbarer Möbel- und Gardinenstoffe, 
zum Teil vaterländische und zwar Berliner Arbeit. 
Da das Neue Palais 1763 noch nicht gebaut war, so 
sehen wir, wo einzelne später dort untergebrachte Porträts, 
z. B. das der Kaiserin Maria Theresia, und vielleicht auch 
andere Gemälde und Kunstsachen sich zur Zeit von Pallas' 
Besuch befanden, oder erkennen, welche jetzt noch vorhandenen 
Stücke damals schon denselben Raum wie heule schmückten. 
Die Eintragung im Tagebuch lautet: 
„Reise nach Potsdam." 
„Den 17. Mart, reifete 
ich in Gesellschaft von Dr. 
Hansen aus Hoya und Dr. 
Bremers aus Helsingland 
nach Potsdam. Wir giengen 
Mittags nach 12 Uhr mit 
der Journaliöre von Ber 
lin ab. 
Man logirt in Potsdam 
am besten bey Herrn Krug, 
Eammerlaqueien vom König, 
in der Kirchgasse oder hinter 
der gerade dem Schlosse 
gegenüberliegenden Stadt 
kirche; es ist ein grüner 
Baum vor der Thür. Der 
Wirth hat mit den Castel- 
lanen der Königlichen Schlös 
ser Eonnection und kann 
um deßwillen nützlich sein. 
Das Schloß sieht mit der 
Fronte nach dem Markt, 
auf welchem ein marmorner 
Obelisk steht, und an wel 
chem noch das wohlgebaute 
Rathhaus,überdessen Faoade 
ein Atlas steht, die Stadt 
kirche und das Priesterhaus 
in die Augen fallen. — Die 
Hinterfronte des Schlosses 
sieht gegen ein Bassin, wel 
ches mit der Havel Gemein 
schaft hat und in dessen 
Milte eine aus Bley ge 
gossene grouppe stehet, die 
den Neptun und Amphi- 
trite auf einem von See 
pferden gezogenen und mit Tritonen umgebnen Wagen vor 
stellet. Auf der linken Seite des Bassins liegt der Lustgarten, 
der mit alleen, rondeelen, vielen bleiernen und steinernen 
Statuen und Verguldungen geziert ist. Vor solchem ist der 
parade Platz und die voin Schlosse abgeleitete Colonnade. 
Unter den Tableaux des mit vielem Geschmack und Pracht 
ausmeublirten Schlosses nimnit sich hauptsächlich eine vortreff 
liche Magdalena aus, die dem Könige aus der Dreßdner 
Bildergalerie geschenkt worden. Dann ein allegorisch Tableau 
von Rubens, auf welchem Mars, Venus, Cybele, der Neid 
und andere Sinnbilder agiren; ein Portrait der Barberini 
mit dem Tambourin von Pesne und 2 Tableaus von eben- 
Dor Roland zu Ptotzlsrv. 
Nach einer photogr. Aufnahme des Hofphotographen F. Albert Schwartz in Berlin. 
Aus: „Die Rolande Deutschlands. Im Aufträge des Vereins für die Geschichte Berlins 
herausgegeben von vr. Böringuier."
        
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