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Periodical volume 17. Januar 1891, No. 16

Full text: Der Bär Issue 17.1891

Unter Mitwirkung 
ri»rgtrier, F. Kudczros, Tsier-dft Fontcrno, Stadtrat 
Gymiiasialdirektor Dr. M. Kctzwcrvt; und Gvrrst tum Mitdo,rDtrrU> 
herausgegeben von 
Gslrcrr Schwebet und Hans Drrendirtrc. 
XVII. 
Jahrgang. 
10. 
Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist direkt von der Geschäftsstelle (Berlin X., Schönhauser Allee m, — 
Fernsxrechstelle Ula, s-^so), sowie durch alle Postanstalten (No. sgs), Buchhandlungen und Zeitnngsspeditionen ftir 
2 Nk. 50 Pfg. vierteljährlich zu beziehen. 
17. Jvimar 
1891. 
Kitt neues Neschkechi. 
Rornan aus dev Zeit der Sefeeinngstrrivgo von Hermann van Hedenroth. 
(Fortsetzung.) 
MWrschrecke nicht", rief Otto bestürzt, „die Dame meint es 
gut mit Dir, sie bietet Hilfe, von ihr ist kein Verrat 
zu befürchten. Beruhige Dich — o, ich hätte daran denken 
sollen, daß Kranke leicht erregbar sind." 
Arthur lächelte trübe. „Du denkst doch nicht, daß ich 
aus Augst für meine Sicherheit erschrecke?" sagte er, „nein, 
aber wenn Du Mitglied unseres Bundes sein wirst, dann 
wird Dir klar werden, warum Deine Worte mich so schwer 
beunruhigen. Mit der Mission, die mich herführt, ist das 
Geheimnis der bravsten Männer unseres Volkes verknüpft, 
würde es verraten, so scheitern Pläne, an denen Jahre 
hindurch mit den besten Kräften gearbeitet worden, dann ver 
fallen die edelsten Märtyrer der Rache des Korsen. Du sagst, 
ein Weib wisse um mein Hiersein, Otto, und wäre sie Dir 
vor Gottes Altar angetraut, Du hättest vor ihr das Geheimnis 
Deines Freundes bergen müssen!" 
„Du hast mich falsch verstanden, Arthur, ich hatte nichts 
zu verraten, was sie nicht wußte, ihre Mitteilungen sind es, 
die mich erschrecken." 
Otto wiederholte jetzt dem Freunde sein Gespräch mit 
Claire de Frillon, und je lebhafter sich Unruhe, Argwohn 
und Zweifel im Antlitz Arthurs malten, als er Claires 
Namen genannt, um so wärmer schilderte er, welche Gefühle 
Claire zu erkennen gegeben und wie er sich freudig dafür 
verbürgen wolle, daß an ihr kein Falsch, daß sie das edelste, 
begehrenswerteste Weib der Erde. 
Die Miene Arthurs ward immer düsterer, wenn es auch 
zuweilen schien, als flamme ein Strahl besserer Hoffnung 
ans. „Ich kenne sie", murmelte er, „ich eriitnere mich, daß 
ihr Aitge mich aufforderte, mit Feuer zu spielen. Es ist ein 
gefährliches Weib, in der Liebe vielleicht noch gefährlicher 
als im Haß, itnb ich kann es verstehen, daß sie ein Werkzeug 
Fouchss geworden: sic will herrschen. Ich fürchte, sie wird 
mich zwingen zu einer großen Lüge, zu einem Betrüge, den 
ich mir selber nicht werde vergeben können. Ich wollte, sie 
hätte mich vergessen." 
Otto schaute den Freund mit einer Bitterkeit au, als 
könne er aufhören, ihn zu schätzen und zu lieben. Es war 
ihm, als kämpfe Arthur mit einer Neigung, die er für 
Claire in der Brust trug, vielleicht weil sie ihm zu gering, 
vielleicht nur deshalb, weil sie eine Französin, weil sie die 
Schwester des Kapitäns v. Martigny. Er hätte dem Freunde 
das Opfer gebracht, seine Leidenschaft für Claire zu bekämpfen, 
wenn Arthur ihre Liebe erwiedert, aber dulden, daß Arthur 
mit ihrem Herzen nur spiele, sie tältsche, das härte er nicht 
vermocht. 
„Es wird der besten Sache keinen Segen bringen können", 
sagte er in bitterem Tone, „wenn Du um ihretwillen das 
Vertrauen einer edlen und reinen Seele tätlschen wolltest. 
Vielleicht habe ich mich, geirrt und es ist nur Freundschaft, 
nur warmes Gefühl für jemand, den ihr Bruder mit 
Tücken und Ränken verfolgt, was sie danach begehren läßt, 
Dich zu sehen und zu sprechen. Dir ihre Hilfe zu bieten. 
Sie erinnerte sich ja auch meiner und meiner Geschwister 
mit Herzlichkeit." 
Arthur gab keine Antwort, er schien tief in Gedanken 
versunken. „Weiß es Deine Schwester", fragte er plötzlich 
und wie Flammenglut leuchtete es über sein Antlitz, „daß 
Du mich hier aufsuchen wolltest?" 
„Ja", versetzte Otto zerstreut, es berührte ihn peinlich, 
daß Arthur ihm keine Antwort gegeben. 
„Schickt sie mir keinen Gruß?"
        
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