Path:
Periodical volume 2. Januar 1891, No. 14

Full text: Der Bär Issue 17.1891

« 181 & 
tulus, welcher in österreichische» Dienste» als tapferer Krieger 
i» Italien, am Rhein, in Ungarn, in Böhmen und in Bayern 
gefochten, durch seine Weigerung, die Kapitulation von Prag 
zu unterschreiben und mit seiner Kompagnie das Gewehr zu 
strecken, die Aufmerksamkeit des großen Königs auf sich, der 
ihn als Major und Flügeladjutanten in preußische Dienste 
nahm. Nachdem er 1752 zu Cassel die Vermählung des 
Prinzen Heinrich von Preußen zu stände gebracht hatte, be 
zeugte ihm der König seine Zufriedenheit durch Belehnung 
mit den Baronieen Travers und Colombiers iin Fürstentume 
Neufchatel. Bei Roßbach, wo er dem bis hinter Erfurt von 
ihm verfolgten Feinde 5 Kanonen, mehrere Fahnen und 800 
Gefangene abnahm, bei Leuchen, wo er 15 Kanonen. Fahnen 
und Standarten erbeutete und etliche hundert Gefangene 
machte, und bei anderen Gelegenheiten zeichnete er sich als 
Obrist und hernach als Chef des Leibregiments derart aus, 
daß ihn sein Monarch nach 
dem Friedensschluß in den 
engsten Kreis seiner Gesell 
schaft zog. Später wurde 
er zum Kommandanten über 
sämtliche Truppen des Kan 
tons Bern und 1768 nach 
Stillung des Aufstandes in 
Neufchatel zum Gouverneur 
daselbst ernannt und zwei 
Jahre später mit dem hohen 
Orden vom Schwarzen Adler 
dekoriert. Sein Porträt be 
findet sich auf dem bekannten, 
von Clemens und Richter ge 
stochenen Bilde: „Friedrich 
der Große mit seinen Gene 
ralen". Sehr gern verbrachte 
er die schöne Sommerszeit 
auf seiner norddeutschen Be 
sitzung, wo er tiach dem 
Muster von Sanssouci, das 
er als Liebling des großen 
Königs hinreichend kannte, 
den Garten prachtvoll ein 
richten und mit Statuen 
schmücken ließ. Das kleine Schlößchen saus cliagrin am Aus 
gange des Parkes mit der dahin führenden Linden-Allce wurde von 
ihm ins Dasein gerufen. Er ließ auf dem Wege nach Ferchland 
Kolonaden, von denen kein Stein mehr übrig ist, und ein gleich 
falls vom Erdboden verschwundenes chinesisches Haus erbauen, 
wo er für Kinder und Erwachsene Lustbarkeiten veranstaltet 
haben soll, bei welchen jene mit Sackhüpfen und Klettern, diese 
im Reiten auf ungesatteltein Pferde um Preise stritten. 
Er war vermählt mit Maria Anna von Schwerin, gest. 
6. August 1754, einer Tochter des Oberstallmeisters Friedrich 
Bogislav und Schwester des Oberstallmeisters und Staats- 
Ministers Grafen von Schwerin, welche ihm 4 Söhne in ihrer 
Ehe schenkte. Sie hat jedoch wohl nicht in Redekin gewohnt. 
Nach den durch die mündliche Tradition fortgepflanzten Nach 
richten scheint der General vielmehr das ungebundene, vielleicht 
wilde Lebeit mehr eines Junggesellen hier geführt, und nach 
einer voir ihm vollzogene» Schenkungsurkunde, den leichten 
Sitten der damaligen Zeit entsprechend, ein zartes Verhältnis 
zu einer Demoiselle Lucie Engelhardt unterhalten zu haben. 
Sein großer Aufwand und seine Verschwendung führten zum 
Konkurse. Seit 1779 wegen vorgerückten Alters und schwäch 
licher Gesundheit auf seinen Wunsch verabschiedet, nach andern 
Berichten in Ungnaden aus dem königlichen Dienste entlassen, 
begab er sich nach Bern, wo er 1781 bei den in der Schweiz 
ausgebrochenen Unruhen die Truppen des Kantons befehligte 
und am 26. Dezember 1787 auf seinem Gute Non repos 
verstarb. Mit Rücksicht auf den bereits vor seinem Abscheiden 
erfolgten Tod des großen Königs und seines Reiter 
generals Hans Joachiin von Ziethen soll er dem von ihm 
zu Rate gezogenen Arzte erklärt haben, er verlange eine durch 
aus militärische Behandlung: Ziethen habe die Avantgarde 
geführt, der oberste Kriegsherr sei gefolgt, er wolle die Arriere- 
garde übernehmen. 
Das Rittergut kam 1780 
durch Kauf an Friedrich 
Augllst v. Alvensleben auf 
Erxleben und Eimersleben, 
desscil Andenken in der Ge 
meinde durch die von ihm der 
Kirche geschenkte Orgel er 
halten wird. Dieser ver 
äußerte es aber sehr bald 
an Johann Friedrich von 
Alvensleben auf Vienau, der 
als ältester preußischer 
Kammerherr im 84. Jahre 
1819 verstarb und auf dem 
Kirchhofe zu Redekin unter 
den Linden ruht. An seinen 
jüngsten Sohn Eduard, Kammerherrn mit dem 
Titel Excellenz, Erbtruchseß im Fürsten tum Halber 
stadt iliid Landrat im II. Jerichowschen Kreise, sowie 
Ehrensenior des eisernen Kreuzes und Johanniter- 
Ritter, und an sein gesegnetes Wirken erinnern 
mannigfache Denkmale in der Kirche, im Dorfe und 
im Schlosse. Die beiden mächtigen aus Zink ge 
gossenen Löwen vor dem Herrenhauses) sind Geschenke 
der Kreisstände, zum Andenken an den fünfzig 
jährigen Besitz Redckins in seiner Hand. Der 
schöne Altarteppich von den weiblichen Gliedern der Familie 
von Veltheim, welcher seine zweite Gemahlin entstammte, ge 
arbeitet, wurde am Tage seiner goldnen Hochzeit der Kirche 
geschenkt, und die beiden kostbaren Statuen des großen Kur 
fürsten und des allen Fritz im Roccocozimmer sind Geschenke 
der dankbaren Ritterschaft zu derselben Feier. Ein Denkmal 
aber dauernder als Erz hat sich Eduard v. Alvensleben felbel- 
gesetzt. Als er als Landrat in den vierziger Jahren die 
Königin Elisabeth durch den LL Jerichowschen Kreis und durch 
die Altmark begleitete, wo diese die Anstalten christlicher Barm- 
herzigkeit in Augenschein nahm, envachte in ihm der Entschluß, 
ein Waisenhaus in Redekin zu gründen; dasselbe steht unter 
dem Patronate der Familie und unter dem dauernden Segen 
Gottes. In der Besitzzeit des von drei Königen hochgeehrten 
Kammerherrn war Redekin mannigfach Zeuge hohen und höchsten 
*) s. Illustration in Nr. 13. 
Dev Kartei? crrrf derrr Kadlrastorr. 
AuS Paul Giißfeldt, „Kaiser Wilhelms II. Reisen 
nach Norwegen".
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.