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Band 27. Dezember 1890, No. 13

Volltext: Der Bär (Public Domain) Ausgabe 17.1891 (Public Domain)

Unter Mitwirkung 
Dr. R- Kerirrguior, F. Sudozirs, Tlieodov Fontane, Stadtrat G. Friedet, 
Gyinnasialdirektor Dr. M. Srt)»oaet; und (ütm|l von Mitdendructz 
herausgegeben von 
Oskar KetzweKet und Kans KrorrdirKo. 
XVII. ! Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist direkt von der Geschäftsstelle (Berlin X., Schönhauser Allee Hi, — 
Jahrgang. Fernsxrechstelle IHa, 8^60), sowie durch alle Postanstalten (No. sys), Buchhandlungen und Zeitungsspeditionen für 
Ml 13. j 2 m. 50 Psg. vierteljährlich zu beziehen. 
2?. Dezember 
1880. 
Wrn neues Deschkechi. 
Roman aus der Zeit der Befreiungskriege von Hermann von Dedeiiratlz. 
(Fortsetzung.) 
Mlielen, der Major und Otto hatten sich erhoben. Keiner von 
ihnen hätte in dem elegant gekleideten Herrn, der wie ein 
behäbiger Landwirt aussah und sich als Oekonom Palen vor 
stellte, einen Spion der Polizei vermutet. Das gutmütige 
Antlitz hatte etwas Bieder-Treuherziges, eher Phlegmatisch-Harm- 
loses als den Ausdruck boshafter Schlauheit. „Das ist ein 
glücklicher Treffer," sagte er, sich tief vor Dielen verneigend, 
„Ihr Herr Vater wollte mit mir nichts abmachen, ehe er Sie 
gesprochen, ich möchte nämlich das Gut pachten; er wußte nicht, 
ivo Sie zu finden seien, Sie waren schon früh fortgeritten." 
„Ich traf einen alten Jugendfreund und Kameraden," 
versetzte Dielen, auf Otto deutend, „und Sie sehen, daß wir 
beim Plaudern und beim Wein die Zeit vergessen." 
„Herr v. Braun! — ich weiß!" sagte Würst, sich vor 
Otto verneigend. „Ich habe gehört, daß Sie und Ihr Herr 
Vater hier ein Asyl gefunden. Nicht jeder wagt es, wie Graf 
Dielen, ehrenwerten Patrioten die Hand zu reichen. Es sind 
böse Zeiten" — die Stimme Würsts sank bei diesen Worten 
zum Gefliister herab — „man darf nirgend reden, wie es 
einem ums Herz ist, überall horchen Spione. Aber es wird 
anders werden, so Gott will, bald." 
„Haben Sie darüber besondere Nachrichten?" fragte Dielen, 
der bemerkte, daß der Major seine Ueberraschung über solche 
Sprache nicht zu verbergen verstand. „Sie können hier dreist 
reden, wir gehören nicht zu denen, die nur auf die schlechten 
Zeiten schimpfen, um andere auszuhorchen. Wir fügen uns 
dem Schicksal, aber man hört gern etwas Tröstliches." 
„Ich wüßte so manches. Daß Oesterreich rüstet, wird 
Ihnen bekannt sein, aber in Preußen ist auch alles vorbereitet, 
ja, sogar hier regt sich der Volksgeist. Doch Sie verstellen 
sich nur, Sie haben Recht, man darf keinem trauen. Sie 
wissen es sicherlich, daß Agenten einen Aufstand vorbereiten. 
War nicht ein Herr v. Hirschfeld hier?" 
Die Frage kam so plötzlich, daß der Major und Otto 
erschraken. Dielen, der gewandter in der Verstellung war, be 
eilte sich, dieselbe Frage an beide Brauns zu richten. „Ich 
glaube," sagte er auf Würst deutend, „wir können dem Herrn 
vertrauen. Haben Sie etwas von Baron Hirschfeld gehört? 
Er soll sich hier in der Gegend aufhalten." 
„Der Name war mir früher unbekannt," nahm Otto, der 
bemerkte, daß der Blick Würsts ihn fixierte, das Wort, „aber 
ich hörte neulich, daß die Polizei auf einen Herrn v. Hirsch- 
feld fahnde." 
„Unmöglich," rief Dielen. „Baron Hirschfeld war stets 
ein Ehrenmann, der hat nichts mit der Polizei zu thun." 
„Sie vergessen," entgegnete Würst, „daß Patriotismus 
heute ein Verbrechen ist. Man will uns zu Franzosen machen, 
wir sollen unseren heiligsten Gefühlen entsagen, der Druck der 
Tprannei wird unerträglich." 
„Lassen wir lieber alle politischen Gespräche," nahm Dielen 
das Wort. „Welches Gebot haben Sie meinem Vater ge 
macht?" 
„Dazu ist es noch nicht gekommen," antwortete Würst, 
den es sehr zu verstimmen schien, daß Dielen das Thema 
änderte. „Es waren zunächst andere Fragen zu erörtern, be 
sonders was die von der Herrschaft Wedehleu verpfändeten 
Ländereien betrifft. Das Fideikommiß soll aufgehoben werden. 
Der älteste Sohn des Grafen Wedehlen wird steckbrieflich von 
den Kreaturen des Kaisers Napoleon verfolgt. Der Herr Graf 
Dielen wollte erst Ihre Ansicht über den Pfandvertrag hören, 
der alsdann gelöst werden müßte." 
„Mein Vater mag schalten, wie es ihm beliebt," antwortete
	        
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