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Periodical volume 4. Oktober 1890, No. 1

Full text: Der Bär Issue 17.1891

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Erbhcren, nach Ausweisunge crer Briefe getruwe, gewere unde gehorsam 
czu syne, eren Franien *) czu werbin und Schaden zu wendin, ahn' Ge- 
fchrde. Alse uns God helpe und dy Heiligen." 
Darauf wurde, wie bei jeder Huldigung, gerufen: 
„Brandenburg! Brandenburg! Brandenburg!" 
Hafftitz erwähnt bei dieser Huldigung noch den folgenden Umstand: 
„Und obwohl die Städte sich anfänglich etwas dawider geleget, in 
Meinung, der König in Ungarn, dem sie als einem Erbherrn gehuldigt, 
sollte sie mit Hand und Mund losgeben, so sind sie doch durch die Räte 
beweget und überredet worden, daß sie Herrn Friedrich gehuldigt haben." — 
Gewiß, die Berliner vom Jahre 1415 hätten gern einer republi 
kanischen Freiheit genosien, wie Lübeck und Bremen sie besaßen. Was für 
ein Segen aus dieser Huldigung an Friedrich I. erwachsen würde, vermochte 
1418 ja noch niemand zu ahnen! — 0. 8. 
(Wir empfehlen hiermit aus's neue das vortreffliche Werk, dem die 
Abbildung auf S. 6 entnommen ist: Die Hohenzollern und das 
deutsche Vaterland von Dr. R. Graf Stillsried-Alcantüra und Dr. 
Bernh. Kugler, München 1882, Verlags-Anstalt für Kunst und Wissenschaft. 
Fürsten-Ausgabe 280 M.; Folio-Ausgabe 56, bez. 70 M.; Wohlfeile Pracht- 
Ausgabe 4° 16, bez. 20 M. Die Nachbildung des Schrader'schen Gemäldes 
auf S. 5 ist mit Genehmigung der Photographischen Gesellschaft 
in Berlin erfolgte. 
Dio hllsarrcninfol. (S. Illustration aus Seite 8). Einen der 
denkwürdigsten Punkte Brandenburger Landes bildet die „Pfaueninsel" 
mit ihrem prächtigen, natürlichen und künstlichen Schmuck. Ihr alter Name 
lautete allerdings etwas weniger poetisch: „der Kaninchenwerder", und 
wie das Volk der Mark anstatt „Kaninchen" sagt, das ist ja männiglich be 
kannt! Es war der große Kurfürst, welcher auf der Westspitze des „Kaninchen 
werders" zunächst ein „Hegerhaus" anlegte. Im Jahre 1648 erhielt darauf 
der Alchemist Kunkel den nördlichen Teil des Werbers zur Anlage einer 
Krystallglashütte und eines chemischen Laboratoriums. Seine Versuche, das 
Magisterium zu finden und Gold zu machen, führten ihn hier auf der Pfauen 
insel zur Darstellung des Phosphors und zur Erfindung des Rubinglases. 
Sein Schicksal ist bekannt; er starb 1702 als Bergrat in Schweden. 
Später lag die Insel lange Zeit unbeachtet da. König Friedrich 
Wilhelm III. aber gewann sie sehr, sehr lieb. Im Jahre 1798 kamen zu 
dem alten Baumbestände des Werders, zu den krausen, schier vierhundert 
jährigen Eichen neue Anpflanzungen; Maultiere, Fasanen, seltene Schafe 
und Ziegen fanden hier zugleich ein wohnlich' Unterkommen. Vom Jahre 
1814 ab ankerte auch eine kleine Fregatte an der Pfauen-Jnsel; dieselbe 
war ein Geschenk König Georgs IV. von England an den König von 
Preußen. Im Jahre 1816 begann dann Lenne mit der Anlage eines 
größeren Parkes; 1821 aber, nachdem Friedrich Wilhelm III. für 5000 
Thaler die große Rosensammlung des Doktors Böhme zu Berlin erworben 
hatte, wurde der prächtige „Rosengarten" der Insel begründet, welchen 
Jühlke 1870 umgeschafsen hat. Da diese Anlagen aber einer sehr reich 
lichen Bewässerung bedurften, so wurde schon 1822 durch Humphrey und 
Friedrich eine Dampfmaschine von 6 Pserdekräften aufgestellt, um das 
Master nach dem etwa 25 Mtr. höher gelegenen Reservoir hinaufzutreiben. 
Ein Kandelaber strömte oben das Wasser aus. Im Jahre 1824 wurde 
durch Schinkel dann das sogenannte „Danziger Haus" als CavalierhauS 
hergestellt; seine Farade ist alt — die Front eines Danziger Patrizier 
hauses deS 14. Jahrhunderts; sie war dem Kronprinzen zum Geschenke 
gemacht worden. Harmlos ergötzte sich damals der königliche Hof hier an 
ten so beliebten „russischen Schaukeln" und auf der „Rollbahn." » 
Einige Jahre später entstand der Portikus mit der Büste der Königin 
Luise, dem Meisterwerke Rauchs; 1830 wurde als Grundstock eines Palmen 
hauses die berühmte Foulchiron'sche Palmensammlung aus Paris hierher 
gebracht. Der Hofbau-Jnspektor Schadow errichtete darauf mit indischen 
Säulen dar berühmte Palmenhaus der Insel. Alle Welt staunte über die 
Pracht der tropischen Lianen, die sich nun von Säule zu Säule, von 
Stamm zu Stamni schwangen; — an der Hinterwand des Hauses aber 
wurde mit durchbrochenen Marniorplatten von altbirmanischer Arbeit 
ein entzückender Kiosk mit einer Fontaine angebracht. Die Baukosten ins 
gesamt betrugen die damals sehr erhebliche Summe von über 79000 Thalern. 
. All' diese tropenhaste Schönheit aber sollte untergehen: am 19. Mai 
1880 wurde das Palmenhaus der Pfaueninsel mit seinen Schätzen durch 
einen Brand völlig vernichtet. 
Die erwähnte englische Fregatte en miniature wurde auch alters 
schwach; schon 1832 wurde sie durch die „Royal-Luise" ersetzt — ein Ge 
schenk König Wilhelms IV., deS Nachfolgers König Georgs an Friedrich 
Wilhelm III. Dies Schiff war durchaus von Mahagoniholz erbaut und 
ankert jetzt — irren wir nicht — bei der Matrosenstation am Schwanen- 
brücken-Wege. 
Die Pfaueninsel wurde von Friedrich Wilhelm III. aber auch mit 
einem königlichen Landhause besetzt. Mit Recht ist der Stil, in welchem 
dasselbe errichtet worden ist, hart getadelt worden; Stadtrat Friedei sagt: 
„Dem armen, verwilderten Geschmacke jener Zeit entsprechend, wurde 
dasselbe im Stile einer romanischen Burg mit zwei runden, durch eine 
Brücke verbundenen Türmen aufgeführt. Es ist eine schwächliche, spielende 
Nachahmung, bei welcher jene Danziger Steine verwendet wurden, welche 
einst einem Hause des Geschlechtes von Schlieffen zu Danzig angehört hatten." 
Sehr berühmt und sehr besucht war damals die Menagerie der 
Pfaueninsel. Der alte Name „Kaninchenwcrder" verschwand, seitdem man 
zunächst einen stattlichen Stamm Pfauen hierhergebracht hatte. Später 
*) Frommen. 
kamen noch Löwen, Tiger, Lamas, Kängurus u. s. w. hinzu. Auch ein 
Biberbau und eine Hirschbucht wurden angelegt. „Aus den seidenwolligen 
Haaren der auf der Insel gezüchteten Ziegen aus Nepal ließ König Friedrich 
Wilhelm III. in Paris drei Shawls weben, welche er an die Kaiserin von 
Rußland, seine Lieblingstochter, an die Prinzessin Friedrich der Niederlande 
uud an die Fürstin von Liegnitz verschenkte. Auch ein Riese, Karl Licht, 
zwei Zwerge, Karl und Marie Strackow, sowie der Sandwichs-Insulaner 
Mattey hatten einst auf der Pfaueninsel ihren Wohnsitz. „Dienstag" aber 
und „Donnerstag" — das waren die froh genossenen „Besuchstage" des 
Werders für die Berliner." — 
Die Menagerie der Pfaueninsel ging 1844 nach Berlin; sie wurde 
der Grundstock des heutigen Zoologischen Gartens. Jetzt liegt die Stätte 
stiller, denn sie einst war; um ihre herrlichen Baumwipfel aber schwebt die 
Erinnerung an König Friedrich Wilhelm III., den leidverklärten Hohen- 
zoller, der geliebt worden ist, wie selten ein Herrscher — an ihn, der den 
Namen jenes Frevlers nicht misten wollte, der ihm die kostbare, seltene 
Blüte, das Geschenk der russischen Kaiserin, auf der Pfaueninsel schnöde 
gebrochen hatte, „damit der Mann nicht abgewiesen würde, wenn er 'mal 
'was zu bitten hätte." — O. 8. 
Leutseligkeit Fviedvirti Mi1i>ol»n IV. Von dem Seelen 
adel und der Leutseligkeit des Kronprinzen, nachmaligen Königs Friedrich 
Wilhelm IV., giebt die nachstehende Episode beredtes Zeugnis. 
Der Tiroler Schütz Riedl war im Feldzuge 1813/15 in der preußi 
schen Armee als Führer einer Schützen-Abteilung verwendet und wegen 
hervorragender Tapferkeit mehrfach dekoriert und zum Offizier befördert 
worden. Leider besaß Riedl einen unüberwindlichen Hang zum Wildern, 
der ihn öfter in Konflikt mit den Forst- und Gerichts-Behörden brachte und 
ihm schließlich eine dreimonatliche Festungshaft zuzog. Doch auch die Ver 
büßung dieser Strafe vermochte nicht seine Leidenschaft zur unerlaubten 
Ausübung der Jagd zu zügeln; kaum aus der Haft entlassen, griff er 
wieder zum Stutzen, um auf verbotenen Wegen dem Wilde nachzustellen. 
Es wurde aufs neue Anklage gegen ihn erhoben, und da dieselbe eine sehr 
ernste Wendung zu nehmen drohte, auch alle seine Vorstellungen und Bitten 
keinen Erfolg hatten, wandte er sich schließlich in unerschütterlichem Ver 
trauen zu der Herzensgüte des Kronprinzen mit folgendem authentischen 
Bittgesuch an denselben: 
Berlin, den 15. Oktober 1827. 
Grüß Di Gott zu Deinem frohen Geburtstag! Das gaiht voran. 
I hob Di holt ein Wort ins Ohr neinzusagen, das Dir grad kain 
plaisir wird mache, aber Freud wirst Du habe, wenn Du thust, was ich 
Dir bitt. 
I bin holt ein armes Lauseluder geworden und wais gar nit, wie es 
besser werden soll, wenn Du nit mithilfst. 
Nu mußt mir zuhören, und wenn Du Host gehört, so wirst ach schon 
helfe, i kenn halt Dein gutes Gemüth. Wenn die Unterschrift «siehst, do 
wirst mir holt schon kenne, und waißt, wos i bin. Du waißt, mir Tyroler 
können ohne den Stutz'rl nit sain, der ist holt uns lieber wie's Mädel im 
Arm. Was aber bei uns zu Land vor'» Stuz'rl kommt, das wird, wenns 
grod kain Mensch is, hinuntergeschossen, hier bei euch zu Land wolln's 
aber dos nit Han, und i konnt holt nit leicht von der Oart laste, do is 
kumme, daß i hob a Häsla oder Böckla geschosse und kannst Dir holt 
denke, wos sie vor a Geschrei machen. Do Habens mich ins Loch herein 
geschmissen, hoben mich, Dainen alten Kriegskameraden, der Dir Hot Dain 
Land mit gerettet, als a Dieb behandelt. Nu sogens gar i soll kain 
Offizier mehr bleiben, meine Ordens woll'ns mir nehme, und dann woll'ns 
mir Gott wais noch hänge und Kroate, i soll als a Dieb ins Zuchthaus 
hinein, soll zwai Jahr mit de Verbrecher arbeite; das kannst Du nit zu 
geben, das darfst Du nit laide. I bin kain Verbrecher, i hob'n Thier 
geschosse, wos in der fraien Natur 8 gewesen, kann aner beweisen, daß 
Gott allein für ihn gemacht Hot, oder kann er zaigen, daß es sain Eigen 
thum is, nu so kann i es bezahlen, aber maine Ehren und Würden mit 
mainer Tapferkeit verdient, dos dürfens mir nit nehme. Dos i hob ge 
schossen, dos sag i Dir holt im Vertrauen, dos mußt nit wiedersagen, 
denn sie hoben mir vors Schießen schon einmohl 3 Monat nach der 
Festung gebracht, und as i nit Lust hob noch einmohl hinzugehen, so hob 
i gesagt, i hätt nit geschoffen. 
I hob Dain Vater dies geschrieben und hob gebeten, daß er mich 
soll laufen lasse, i will glaich nach Tyrol zu Haus gehn, und bin i ein 
mohl h'naus aus dem Land, da hat's Wild gute Ruh. 
Da wollt i holt gebeten hab'n, daß Du Dain Wort mit hinzu giebst, 
denn sieh, Dain alter guter Papa, der schlckt'S an den Minister, aS i wohl 
gehört hob, ein prächtiger Mann, aber an Gerichts- oder Gesetz-Minister is 
kain Soldat, is kain Tyroler-Schütz, der geht holt nach dem Wort, wos das 
Gesetz sogt und dann wirst Du sehn, dann schnappen sie mich weg. Mußt 
Dir mit Gewalt h'nein schmeißen, dann wird's schon zähen. Wenn i Haus 
komme bei mir, da werd i Dich auch loben und wenn Du Krieg host, komm 
i wieder und helf Dir wieder Daine Scharfschützen einstu'zrl. Nu lebwohl, 
liebes Brüderle, und thu, wos Du kannst, daß i frei komme und daß i 
um bißla Schießen nit meine Orden und Würden verliere. — Sonst hob 
i durch gelehrte Leute schreiben lassen, do glaub i do Hot immers' Herz 
gefehlt, weil's nit geholfen, und docht, i mußt mol selber schreiben, es geht 
wies geht und do hob i nun geschrieben. Das nit besser iS geworden, dos 
is nit maine Schuld, i kann nit bester, und host Du mi verstanden, dann 
wird's schon helfen. — 
Riedl wurde auf Verwendung des Kronprinzen nicht nur begnadigt 
sondern es wurde ihm später auch noch eine Försterstelle verliehen. 
B. H.
        
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