Path:
Periodical volume 6. Dezember 1890, No. 10

Full text: Der Bär Issue 17.1891

<3 124 fr- 
gegen Napoleon denunziert, und mein Vater gelte als Ver 
trauter und Mitverschworener desselben." 
„Und Herr v. Mariigm)," rief Otto erglühend, „wird 
Ihrem Herrn Vater auch daraus einen Vorwurf machen, daß 
derselbe meinen Vater imb mir Obdach gegeben. Sie ver 
schweigen das, leugnen Sie es nicht." (Fortsetzung folgt.) 
Morkusko. 
Ein romantischer Sang vom Spreewald. 
Von Grvald MüUov. 
III. Gesang. 
Als am ätherblauen Himmels 
runde 
Vor dem Feuerblick des Sonnen 
gottes 
Kaum das letzte Sternenbild 
erblichen, 
Tönte lautes Leben schon vom 
Schloßberg, 
Jener dreigezackten Hügel- 
welle, 
Die in graiten.längstvcrscholliten 
Tagen 
Einst drei Niesenweiber auf 
geschüttet. 
Dorthin flüchtete zur Urwald- 
wildnis, 
Götter, Sitte. Freiheit sich zu 
wahren, 
Einst des Königs Ahn vor den 
Germanen. 
Hier erstand das Schloß des 
Wendenkönigs. 
Noch die gleichen Mauern sind's 
und Türme, 
Dran der Epheu nun empor- 
geklettert. 
Noch die gleichen Brücken und 
die Thore, 
Wie des Königs Ahnherr sie 
erbaute. 
Irn Tiovgcrrton. 
Jllustrationsprobe aus „Berliner Pflaster", Verlag von W. Pauli in Berlin. 
Drauf, als sie dem Herrn der Burg gehuldigt, 
Rudern die Getreuen wieder heimwärts. 
In dem Schloß zur festgesetzten Stunde 
Eilen Ritter, Knappen und auch Frauen, 
Dem Gebieter Glück und Heil zll wünschen. 
Bald da eint im Saal die Tafelrunde 
Die Getreuen um den Wendenfürsten. 
Was der sorglich ausgewählten Bissen 
Immer auch die reiche Tafel spendet, 
Lassen sich die Gäste trefflich munden. 
Und tnan weiht mit frendelantem Munde 
Sattsain Lob Frau Trinicka, 
der Köchin, 
Welche heut so hohem Dienste 
oblag. 
An Getränken auch ist reiche 
Auswahl; 
Hier ist's süßer Meth im bunten 
Steinkrug, 
Dran sich Gaumen ilnd auch 
Zunge laben, 
Dort im goldgefaßten Auerhorne 
Alter, glntenschwercr Saft der 
Reben, 
Deren Trauben Gubens Berge 
reiften. 
Und den Ritter Roßmij für die 
Tafel 
Aus dem spinnivebdüsteril Keller 
heischte. 
In dem Mains von Leder oder 
Sammet, 
Brust und Arm geschmückt mit 
reichem Zierrat, 
Bald aus Gold, aus Silber 
bald und Bronze, 
Also sitzt der Edelinge Reihe. 
Kühne Männer, meist im Lebens 
sommer, 
Bärtig, wetterbraun imb nervig, 
sind es, 
Deren narbenreiches Antlitz 
kundgiebt, 
Kürzer werden schon der Bäume Schatten, 
Lauter ivird's im Schloß und in der Runde. 
Horch! Von fernher rauschen Ruderschläge, 
Dumpf verworren klingen Männerstimmen. 
Und es naht der Kähne lange Kette 
Auf den stillen, sonnenlichten Fluten, 
Die den Mauerfuß des Schlosses küssen; 
Hub hernieder rasselt laut die Brücke. 
Au§ dem Nachen steigen Mann und Jüngling, 
Die des Wcndenstanimes beste Söhne; 
Nach dem Burghof feierlichen Schrittes 
Ziehen sie, dem Kral zu seinem Festtag, 
Jenem Tag, der ihn dem Licht geboren, 
Ihres Herzens Glückwunsch darzubringen. 
Daß sie oft in harter Fehde standen. — 
Oberhalb auf goldverziertem Thronstuhl 
Ueberragt durch Körpenvuchs uud Haltllug 
Alle die Gestalt des Wendenkönigs. 
Auf dem Lockenhaar. dem rabenschwarzen. 
Strahlt die dcmantreiche Fürstenkrone. 
Von den Schultern wallt ein Purpnrmaittel, 
Goldgestickt, besetzt mit Edelsteinen 
Und mit Hermelin verziert am Saume. 
Also thront der König stolz und prächtig, 
Und der Blick des dunkelglut'gen Auges 
Gleicht dem Blitz aus schwarzen Wetterwolken; 
Nlir zitweilen flainmt die Glut verschleiert, 
Gleich der Sonne hinter Nebelschwaden.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.