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äußerte, als die einzige, ja auch nur als die mächtigste der
Willensbestiinmungen Joachims II. bei der Annahme der neuen
Lehre ansehen wollte. Er konnte sich ja auch keineswegs ver
hehlen, daß er unter Umständen mit Gut und Blut für das
evangelische Bekenntnis einzutreten haben werde. Als katho
lischer Fürst im Nordosten Deutschlands hatte er alles von
seinem Kaiser zu hoffen, als Protestant alles zu fürchten.
Diese einfache Erwägung läßt uns weit abweisen all die
herben Verurteilungen, welche dieser Bekenntniswechsel leider
noch in jüngster Zeit erfahren hat.
Nein, die neue Lehre war ihm Herzenssache geworden.
Es ist wahr: Joachim war ein mehr als leichtlebiger Fürst;
die Güte seines Herzens machte ihn zum Verschwender, und
sittlich steht er nicht eben höher als ein Philipp von Hessen.
Allein auch der Sünder, — auch der leichtfertigste Genuß
mensch fühlt in gewissen Perioden seines Lebens die tiefe,
heiße Sehnsucht nach dem Frieden Gottes, welcher erworben wird
durch den Glauben allein, nicht durch die Werke.
zollern, Jakob Stratner, den neu ernannten Berliner Propst
Georg Buchholzer und den katholisierenden Niemegker Prediger
Witzei zur Abfassung einer märkischen Kirchenordnung nach
Berlin. Diese Kommission bestimmte,
daß die Reformation an den Kalenden
(dem ersten Tage) des November beginnen solle.
Und so nahm Joachim am 1. November 1539 denn ohne
jedes Gepränge, umgeben nur von Männern der Ritterschaft,
z. B. von elf Edelleuten aus dem Teltow, von einzelnen
Geistlichen, wie dem Salzwedeier Propste Wolfgang von Arnim,
und von Bürgern zu Spandau in St. Nikolai zum erstenmal
das hl. Abendmahl in beiderlei Gestalt. Es war dem Fürsten
eine schmerzliche Feier; — seine kränkelnde, starrsinnige
Mutter Elisabeth war ebensowenig an seiner Seite, wie seine
edle, altgläubige Gemahlin Hedwig, die Dulderin.
Ueber eine gemeinsame, erste, besonders feierliche Kom
munion in Berlin-Kölln ist uns nichts überliefert. Wir
Entwurf Nr. 129 (Kennwort: „Kaiser und Reich") zum National-Denkmal Kaiser Wilhelms I.
Die Einführung der Reformation in der Mark war daher
eine That, geboren aus dem Grunde des Gewissens. —
Die Unterthanen aber drängten zu schnellster Ausführung.
Der Berliner Rat bat am 15. Februar 1539, das hl. Abend
mahl um die österliche Zeit unter beiderlei Gestalt nehmen zu
dürfen. Als im April 1539 der Brandeilburger Bischof
Matthias von Jagow zu Teltow auf dem Erbsitze des Lehns
richters von Schwauebeck verweilte, traten 10 gestrenge und
veste Junker aus dem Teltow, Spiels, Hakes, Schlabbren-
dorfs, von der Liepe u. s. w.. vor den geistlichen Herrn hin
und erklärten, daß sie evangelische Pfarrherren in ihre Patronate
einsetzen, die Katholischen aber nicht verjagen, sondeni ihnen
auch fürder den Unterhalt reichen wollten. Die Spandauer
aber bestellien schon zu Osten: 1539 in Johann Kaulitz auch
ihrer Stadt einen Geistlichen lutherischen Bekenntnisses.
Nun endlich traf Joachim entscheidende Maßregeln. Im
Sommer 1539 berief er den Hofprediger der ftänkischen Hohen-
glauben bestimmt, daß Baderasch in St. Peter das heilige
Sakrament schon seit 1537 sub utraque ausgeteilt hat.
Und nun erklang es, tief aus des Herzens Grunde, wo
Märker nur zum Gottesdienst sich scharten:
„Allein Gott in der Höh' sei Ehr'!" —
Wir alle aber kennen die beiden Grundlagen unsrer
Größe: „Das Walten der Hohenzollern" und „der
evangelische Geist unsres Volkes", — so heißen sie.
Die heilige Schrift in unsrer teuren Muttersprache, sie ist die
eigentliche Erzieherin zu preußischer Eigenart gewesen. Auf
dem Grunde der Reformation stehen vor allen anderen die
vier Großen:
Kurfürst Friedrich Wilhelm,
König Friedrich Wilhelm I.,
Friedrich und Wilhelm der Große.
Drum für das Evangelium auch in den Tod! — Wir
wissen endlich, daß dem deutschen Volke der blutige Kampf