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oben voll auf sie herab. Sie scheint die Arme der Ewigkeit
entgegenzubreiten. Ihr Antlitz, von losem Lockenhaar um
wallt, ist schön und rein, wie das eines Engels. Darauf
deuten auch die untergesetzten Verse hin:
setzt. Zum Beweis dafür bringt jener Selneccer ein uraltes
„deutsches Sprichwort" bei, welches lautet:
„Wo man zehlek tausend sechshundert acht und achtzig Jahr
Gcschicht nichts Neues, so vergehet die Welt gar." —
„Zu gut für eine Welt voll Mängel,
Schwebt sie, ein früh verklärter Engel.
Dem Himmel, ihrer Heimath, zu."
Dieser Verklärung geht ein andres Blättchen voraus, auf
welchem wir die edelste der Königinnen in voller Jugend
anmut des Lebens, im Parke lustwandelnd, erblicken (Abb. 3).
Es wurde von Dähling, dem wir so viele Luisen-Bilder
danken, gemalt, 1799 von Friedrich Volt gestochen, und zeigt
eine auffallende Verwandtschaft mit Gustav Richters weit über
ein halbes Jahrhundert später entstandenem allbekannten Bilde
der Königin Luise, auf welchem
sie von den Stufen einer Treppe
niedersteigt.
Abgesehen nun davon, daß
bildliche Darstellungen besser an
gesehen wie beschrieben werden,
konnten wir, ini Raume beschränkt,
aus der in Rede stehenden Samm
lung hier nur diese wenigen
Blätter hervorheben. Mögen sie
als Beleg dienen, daß die Pflege
vaterländischer Erinnerungen bei
uns auch im stillen und im kleinen
liebevoll geübt wird, wie sie unsre
Museen nub öffentlichen Samm
lungen , unsre Litteratur, ja den
Anteil der ganzen Nation längst
in großartigem Maßstabe be
schäftigt.
Cm Erdbeben in der
Altmark vor zweihundert
Jahren und der jüngste Tag.
Von Dr. Käset).
Vor wenigen Jahren wurde
ein Teil des Städtchens Zug in
der Schweiz durch den Zuger See
verschlungen. Die Aufregung und
die Teilnahme, die damals allerorten herrschte, ist noch in aller
Gedächtnis. Ein ähnliches Unglück ist gerade vor nun zwei
hundert Jahren dem Städtchen Arendsee am Arendsee in
der Altmark widerfahren. Eine Sammlung „Merkwürdigster
Historien und Geschichten", die vier Jahre nach dem Ereignis
(1689) zusammengestellt wurde, enthält einen ziemlich aus
führlichen Bericht darüber. Das Unglück soll von einem Erd
beben begleitet worden sein, und der Verfasser jener Samm
lung nimmt daraus Veranlassung, von dein herannahenden
jüngsten Tag zu sprechen. Ueber dieses Eintreten des jüngsten
Tages Vennutungen aufzustellen, war schon im Mittelalter
eine sehr beliebte Spielerei. Theologen und Astrologen haben
sich darin versucht. So führt unser Verfasser einen Dr. Selneccer
an, welcher um 1570 lebte und den jüngsten Tag ins Jahr 1688
Auch ein Astronom Namens Dr. David Herlicius wird er
wähnt, der in seiner „Historischen Stern-Glocke, gedruckt zu
Alten-Stettin Anno 1603", folgendermaßen geschrieben haben
soll: „Ich kann nicht glauben, daß die Welt noch ferner
siebenhundert Jahre stehen soll . . . meines Erachtens (Gott
in seinem Gericht nicht vorgegriffen, auch andern Gelehrten
ihre Meinung frey gelassen) wird das Ende der Welt, durch
Feuer-Kugeln, von dem himmlischen und obersten Schützen
meister gesandt, hereinbrechen."
Zu diesen Erörterungen veranlaßt unsern Verfasser, wie
schon gesagt, die Schilderung des
„seltzamen Arendsee" und der
Arendseer Erdfall, ein Bericht,
der merkwürdig genug ist, um hier
im Auszuge wiedergegeben zil
werden. Man erzählt sich, berichtet
der Chronist, daß der Arendsee
Tops-Scherben und anderes Haus
gerät auswerfe, wie es die
Wäscherinnen dann und wann
gebrauchen. Auch soll eine Bürgers
tochter einen Dukaten am See
strande gefunden haben, der so ab
gespült war, daß man sein Ge
präge nicht mehr erkennen konnte.
Wenn ein Gewitter am Himmel
steht, soll der Arendsee die Eigen
schaft besitzen, die Netze und Garne
der Fischer tief unten zu verbrennen
oder zu versengen, so daß sie
schleunigst eingezogen werden
müssen. Der Verfasser sikcht diesen
Vorgang nun wissenschaftlich zu
erklären und finbet, wie er sich
ausdrückt, „natürliche Ursachen in
und über dem Wasser". „Ich halte
wol davor," sagt er, „daß die See
und deren Grund mehr Schwefel-
als Salpeter-Gehalt besitze und
daß dann bei Wetterstrahlen oder
Blitzen die Dünste von unten sich mit den glühenden Blitzen
von oben vereinigen und Alles, was sich zwischen ihnen be
findet, verzehren." Die Wirkungen von Donner und Blitz
schildert er als ganz entsetzlich: die Fische z. B. schwimmen
vom Grunde herauf uud schnappen nach der Luft; der Degen
an der Seite seines Trägers zerschmilzt, die Scheide aber
bleibt ganz; es kommt vor, daß Menschen und Vieh die
Knochen zerschmettert werden, die Haut aber bleibt unverletzt."
Auf den See nun wieder zurückgehend, wird erzählt, daß
das Wasser desselben auch eine starke „vim lapidificam“ d. i.
Versteinerungskraft, besitze. Man habe im Arendsee augen
scheinliche Beweise von versteinertem Holz, besonders Glücke
von den nahen Buchen, gefunden. Der Chronist erwähnt
einen Herum „Amptmann Walter," der ihin ein solches Stück
Königin Kni so inr Pnrlro lnstwcrndolnd.