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Volume Nr. 18, 01.02.1890

Full text: Der Bär (Public Domain) Ausgabe 16.1890 (Public Domain)

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oben voll auf sie herab. Sie scheint die Arme der Ewigkeit 
entgegenzubreiten. Ihr Antlitz, von losem Lockenhaar um 
wallt, ist schön und rein, wie das eines Engels. Darauf 
deuten auch die untergesetzten Verse hin: 
setzt. Zum Beweis dafür bringt jener Selneccer ein uraltes 
„deutsches Sprichwort" bei, welches lautet: 
„Wo man zehlek tausend sechshundert acht und achtzig Jahr 
Gcschicht nichts Neues, so vergehet die Welt gar." — 
„Zu gut für eine Welt voll Mängel, 
Schwebt sie, ein früh verklärter Engel. 
Dem Himmel, ihrer Heimath, zu." 
Dieser Verklärung geht ein andres Blättchen voraus, auf 
welchem wir die edelste der Königinnen in voller Jugend 
anmut des Lebens, im Parke lustwandelnd, erblicken (Abb. 3). 
Es wurde von Dähling, dem wir so viele Luisen-Bilder 
danken, gemalt, 1799 von Friedrich Volt gestochen, und zeigt 
eine auffallende Verwandtschaft mit Gustav Richters weit über 
ein halbes Jahrhundert später entstandenem allbekannten Bilde 
der Königin Luise, auf welchem 
sie von den Stufen einer Treppe 
niedersteigt. 
Abgesehen nun davon, daß 
bildliche Darstellungen besser an 
gesehen wie beschrieben werden, 
konnten wir, ini Raume beschränkt, 
aus der in Rede stehenden Samm 
lung hier nur diese wenigen 
Blätter hervorheben. Mögen sie 
als Beleg dienen, daß die Pflege 
vaterländischer Erinnerungen bei 
uns auch im stillen und im kleinen 
liebevoll geübt wird, wie sie unsre 
Museen nub öffentlichen Samm 
lungen , unsre Litteratur, ja den 
Anteil der ganzen Nation längst 
in großartigem Maßstabe be 
schäftigt. 
Cm Erdbeben in der 
Altmark vor zweihundert 
Jahren und der jüngste Tag. 
Von Dr. Käset). 
Vor wenigen Jahren wurde 
ein Teil des Städtchens Zug in 
der Schweiz durch den Zuger See 
verschlungen. Die Aufregung und 
die Teilnahme, die damals allerorten herrschte, ist noch in aller 
Gedächtnis. Ein ähnliches Unglück ist gerade vor nun zwei 
hundert Jahren dem Städtchen Arendsee am Arendsee in 
der Altmark widerfahren. Eine Sammlung „Merkwürdigster 
Historien und Geschichten", die vier Jahre nach dem Ereignis 
(1689) zusammengestellt wurde, enthält einen ziemlich aus 
führlichen Bericht darüber. Das Unglück soll von einem Erd 
beben begleitet worden sein, und der Verfasser jener Samm 
lung nimmt daraus Veranlassung, von dein herannahenden 
jüngsten Tag zu sprechen. Ueber dieses Eintreten des jüngsten 
Tages Vennutungen aufzustellen, war schon im Mittelalter 
eine sehr beliebte Spielerei. Theologen und Astrologen haben 
sich darin versucht. So führt unser Verfasser einen Dr. Selneccer 
an, welcher um 1570 lebte und den jüngsten Tag ins Jahr 1688 
Auch ein Astronom Namens Dr. David Herlicius wird er 
wähnt, der in seiner „Historischen Stern-Glocke, gedruckt zu 
Alten-Stettin Anno 1603", folgendermaßen geschrieben haben 
soll: „Ich kann nicht glauben, daß die Welt noch ferner 
siebenhundert Jahre stehen soll . . . meines Erachtens (Gott 
in seinem Gericht nicht vorgegriffen, auch andern Gelehrten 
ihre Meinung frey gelassen) wird das Ende der Welt, durch 
Feuer-Kugeln, von dem himmlischen und obersten Schützen 
meister gesandt, hereinbrechen." 
Zu diesen Erörterungen veranlaßt unsern Verfasser, wie 
schon gesagt, die Schilderung des 
„seltzamen Arendsee" und der 
Arendseer Erdfall, ein Bericht, 
der merkwürdig genug ist, um hier 
im Auszuge wiedergegeben zil 
werden. Man erzählt sich, berichtet 
der Chronist, daß der Arendsee 
Tops-Scherben und anderes Haus 
gerät auswerfe, wie es die 
Wäscherinnen dann und wann 
gebrauchen. Auch soll eine Bürgers 
tochter einen Dukaten am See 
strande gefunden haben, der so ab 
gespült war, daß man sein Ge 
präge nicht mehr erkennen konnte. 
Wenn ein Gewitter am Himmel 
steht, soll der Arendsee die Eigen 
schaft besitzen, die Netze und Garne 
der Fischer tief unten zu verbrennen 
oder zu versengen, so daß sie 
schleunigst eingezogen werden 
müssen. Der Verfasser sikcht diesen 
Vorgang nun wissenschaftlich zu 
erklären und finbet, wie er sich 
ausdrückt, „natürliche Ursachen in 
und über dem Wasser". „Ich halte 
wol davor," sagt er, „daß die See 
und deren Grund mehr Schwefel- 
als Salpeter-Gehalt besitze und 
daß dann bei Wetterstrahlen oder 
Blitzen die Dünste von unten sich mit den glühenden Blitzen 
von oben vereinigen und Alles, was sich zwischen ihnen be 
findet, verzehren." Die Wirkungen von Donner und Blitz 
schildert er als ganz entsetzlich: die Fische z. B. schwimmen 
vom Grunde herauf uud schnappen nach der Luft; der Degen 
an der Seite seines Trägers zerschmilzt, die Scheide aber 
bleibt ganz; es kommt vor, daß Menschen und Vieh die 
Knochen zerschmettert werden, die Haut aber bleibt unverletzt." 
Auf den See nun wieder zurückgehend, wird erzählt, daß 
das Wasser desselben auch eine starke „vim lapidificam“ d. i. 
Versteinerungskraft, besitze. Man habe im Arendsee augen 
scheinliche Beweise von versteinertem Holz, besonders Glücke 
von den nahen Buchen, gefunden. Der Chronist erwähnt 
einen Herum „Amptmann Walter," der ihin ein solches Stück 
Königin Kni so inr Pnrlro lnstwcrndolnd.
	        
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