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Als sie dann in das große Modehaus kamen, mußte sie
Sißner aufs neue bewundern. Wie er sich rasch umblickend
orientierte, wie er Bescheid wußte, wie alles ihm zu Dien⸗
sten war. Lie stellte sich die gleiche Lituation mit ihrem
Clemens vor, sah seine schũchtern verdrossene Miene vor
Derkäuferinnen und Direktricen und mußte lächeln.
Während nun Sißner VReisemäntel und Nachmit-—
tagskleider vorführen ließ, fiel Karolas Blick auf ein
Regal, in dem Kindermäntel aufgereiht waren. Serade
an der Scke hing einer aus weißem Leder. Auf den
ging sie wie gebannt zu.
Zie nimmt die glatte Kinderhülle vom Bügel, strei⸗
chelt an der dreieckigen Kapuze im Nacken, tastet den
kleinen Rũcken entlang, findet innen ein schottisch ka—
riertes Muster, das an Kleidchen der eigenen Kindheit
erinnert; und als sie dann den Ärmel anfaßt, glaubt
sie ihres Erwins Fäustchen aus den etwas zu langen
Behälter hervordringen zu fühlen.
Sißner und die Verkäuferin sind ihr, erstaunt über
die Abschweifung, nachgekommen.
„Würde dieser Mantel einem Knaben von sechs
Jahren passen oder sich leicht ändern lassen?“