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Periodical volume 17. November 1888 Nr, 7

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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Die Symbole der Sonne und des Mondes, welche 
ihn umgeben, sollen in diesem Zusammenhange mit Christus 
die Ewigkeit der Gottheit bedeuten. 
e) Die Bogenfelder der Eingangsthüren rechts und links 
sollen später die Darstellungen des heiligen Georg (Ueber 
windung des Bösen) und eines Engels mit Palme und 
Krone (Symbol des durch die Ueberwindung der Sünde 
erworbenen, ewigen Lebens) erhalten. 
6) Die Bogenfelder über den 4 Eingängen zum Querschiff 
sind noch leer; dieselben werden durch 4 Darstellungen 
der Wirkungen des wahren Christenthums in biblischen 
Vorbildern geschmückt werden. 
Wenn nun auch das protestantische Gemüth leicht von allem 
unnöthigen Tand absieht, so hat das Auge doch gern wohlthuende 
Ruhepunkte und den Beschauer ergreift neben der Rede des Seelen 
hirten auch der äußere Schmuck der Kirche. 
Es geht daher im Innern in sinniger Weise der Aus- 
schmückungsgedankc vom Altar und seiner Umgebung aus. 
a) Der Altar selbst bringt die Idee des Opfers zur Dar 
stellung und zwar befindet sich in der Mitte das Hauptsymbol, 
das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt, während rechts 
und links davon uns die Opfertypen des alten Testaments; in 
den Personen Abel, Isaak, Melchisedek und Aron als Hohepriester, 
mit ihrer prophetischen Vorbedeutung entgegentreten. 
Ueber dem Altar gelangt das vollbrachte Opfer zum Aus 
druck: Christus am Kreuz, zu den Füßen rechts und links die 
trauernde Christenheit. Die Spitze des Kreuzes bildet die durch 
den Märtyrertod erworbene Krone des ewigen Lebens. 
Das Monogramm Christi am Parament /X0TS (i/Ms, d. h. 
VrjooBs XptiTTi'is SzoB ulds awTTjp) in Verbindung mit dem A und ß 
dem Anfang und Ende aller Dinge, vervollständigt den Schmuck 
des Altars selbst. 
Der Triumphbogen des Chores mit den 12 kleinen Propheten, 
sowie der obere bereits ausgeführte Figurenkranz der 4 großen 
Propheten enthält den prophetischen Hinweis auf das Opfer 
und wird noch weiter durch die großen Figuren der Chorwand, 
Elias und Johannes den Täufer als die ersten und letzten 
Propheten betont, (die noch der Ausführung harren). Mal. 4, 5. 
Marc. 1, 2. Luc. 9, 19. 
b) Das Chor selbst enthält nun in den Glasmalereien der 
Fenster: An den Seiten die Träger des Christenthums, die 
4 Evangelisten und in der Mitte den erhobenen verklärten Christus. 
Unten wird in 5 Feldern des Altarumganges in 5 Episoden 
die äußere Lebcnsgeschichte Jesu zur Darstellung gelangen. 
o) Anschließend an die Darstellung des Altares und des 
Chores über Weissagung und Erfüllung, sowie die menschliche 
Verkörperung des Inhaltes der christlichen Lehre enthält das Schiff 
der Kirche zunächst die Ausbreitung des Christenthums, sodann 
die Beziehung Christi zu den großen Gruppen der Menschheit. 
Erstere wird durch die an die Pfeiler gelehnten Figuren der 
12 Apostel dargestellt, von denen erst vier Bildnisse, nämlich Petrus 
und Paulus an den Eckpfeilern als die Ecksteine der kirchlichen 
Gemeinschaft, ferner Johannes und Jakobus zur Ausführung ge 
langt sind, während die übrigen noch der Stifter harren. 
Die Beziehung Christi zu der Menschheit findet ihren Aus 
druck in 4 großen Bildern in den Bogenfeldern der Vierung. 
a) Kommet her zu mir, die Ihr mühselig und beladen seid. 
b) Lasset die Kindlein zu mir kommen. 
c) Kommet her, Ihr Gesegneten meines Vaters. Matth. 25, 34. 
ck) WeicheOAlle von mir, Ihr die ihr verleugnet u. s. w. 
ck) Außer diesen Darstellungen befinden sich noch in den Mitten 
der beiden großen Rosen in Glasmalerei die Gesetzgeber des alten 
und des neuen Bundes, nördlich Moses, südlich Christus. 
e) Die Kanzel enthält einen reichen Ornamentschmuck an 
symbolischem Blattwerk, ist sonst aber von figuralen Beigaben frei, 
zeigt nur in einem Vorderfelde Christus als Lehrer, als Vor 
bild des Leiters der Gemeinde, wie er in der Bergpredigt uns 
entgegentritt. 
f) Der Schalldeckel der Kanzel hat auf seinem sechseckigen 
Rande 6 weibliche Statuetten christlicher Tugenden: Gerechtigkeit, 
Tapferkeit, Klugheit, Weisheit, Menschenliebe und Frömmigkeit. 
Im Mittelfelde des Deckels befindet sich die Taube als Symbol 
des heiligen Geistes. 
g) Die Orgel wird an den 2 offenen Feldern noch die 
Figuren der heiligen Cäcilie und des Sängers David erhalten, 
welche die wusica saera versinnbildlichen. 
Mag man auch hier und da mit dem Gedankengang des 
Künstlers nicht ganz einverstanden sein, hier vielleicht eine Ueber- 
ladenheit des Schmuckes, dort das Gesuchte und absichtlich Hinein 
gelegte finden, statt der 6 christlichen Tugenden je nach der Ver 
schiedenheit der moralphilosophischen Systeme 4 oder 8 Tugenden 
Wünschen, mag man auch Männern wie Luther und Melanchthon nicht 
durchaus den gleichen Rang einräumen, wie einem der altchristlichen 
Apostel — jedenfalls thut man gut, sich erst liebevoll in das Kunstwerk 
hineinzudenken und zu vertiefen und sich damit vertraut zu machen. 
Die Ausführungen der Bau- und Ausstattungsarbeiten find 
von folgenden Künstlern und Firmen geliefert: 
a) Dekorationsmalereien von Herrn. Schmidt—Hamburg. 
b) Glasmalereien der Ornamente von Dr. Oidtmann—Linnich. 
c) Chorfenster, Rosen und sonstige Kartons vom Glasmaler 
Max Schmidt in Hamburg. 
ck) Die plastischen Figuren im Innern, die Reformatoren und 
Apostel, die Modelle des figürlichen Schmuckes an Altar 
und Kanzel vom Bildhauer Kokolsky in Berlin. 
e) Der Altar von der Aktiengesellschaft für Holzarbeit in 
Oeynhausen. 
f) Die Kanzel, der Orgelprospekt und das Gestühl, sowie 
die Thüren vom Tischlermeister Ed. Schulz in Potsdam. 
g) Holzschnitzarbeiten an Altar, Kanzel und Orgel vom 
Bildhauer Westphal in Hamburg. 
h) Kronen und Taufsteinbeschläge von der Firma Schäffer 
und Walker Akt.-Ges. in Berlin. 
i) Die Orgel vom Orgelbauer Gebr. Dinse in Berlin. 
k) Maurer- und Zimmerarbeiten von Weise und Wichmann 
in Berlin. 
l) Steinmetzarbeiten von Scheibe, Plöger und Schilling in 
Berlin. 
m) Dachdeckerarbeiten von W. Neumeister in Berlin. 
n) Klempnerarbeiten von Schöllner in Berlin. 
o) Eisen-Konstruktionen der Kuppel und Spitze, sowie des 
Glockenstuhles von Brettschneider und Krügner in Berlin. 
p) Die Heizanlage von Rud. Otto Meyer in Hamburg. 
q) Verblend- und Formsteine von der Kunstziegelei Bienwald 
und Rother in Liegnitz. 
r) Gas- und Wasseranlagen von Naruhn und Pctsch in Berlin. 
s) Thürbeschläge und Schlofferarbeiten von Hiob in Potsdam. 
t) Schmiedeeiserne Gittcrthüren von Ed. Puls und Ursum. 
u) Die Uhr von der Firma C. F. Rochlitz. 
v) Drei Glocken von Gustav Collier in Zehlendorf. 
w) Fußbodcnfliesen von Rosenfeld und Co. 
x) Zifferblätter und einfachere Glaserarbeit von Jeffel—Berlin. 
y) Plastische Thonfiguren im Innern von E. March und 
Söhne. 
z) Prachtbibel von Hulbe in Hamburg. 
z*) Altarleuchter vom Hoflief. Carl Rusch in Hannover. 
z») Das Parament ist die persönliche Arbeit einer opfer 
freudigen Frau aus der Gemeinde. 
Wir bemerken noch, daß hier zuerst in Berlin, übrigens ioider
        
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