Path:
Volume 17. November 1888 Nr, 7

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

80 
dorthin zurückzukehren, nur ein kleiner Theil der Herren über 
nachtete mit dem Kurfürsten im Grunewald, um an der 
morgenden Jagd Theil zu nehmen. 
Grumbkow war unter den Zurückbleibenden und befand 
sich bei seinem Herrn, der sich wieder an die unterbrochene 
Arbeit des Vormittages begab. 
Plötzlich sprengte auf schaumbedeckteni Stoffe ein Courier 
in den Schloßhof. Er kam von Berlin und verlangte, in 
dringender Sache sofort zum Kurfürsten geführt zu werden. 
Grumbkow nahm dem Manne die versiegelte Depesche ab und 
befahl ihm, im Vorzimmer zu wartcir. 
Der Kurfürst las die 
mit einem Begleitschreiben 
des Ministers von Meinders 
versehenen Papiere und sagte: 
„Ein Protest der Herrn 
Gesandten. Ich habe das 
erwartet." 
Er übergab die Doku 
mente dem Oberhofmarschall, 
der mit besorgten Mienen 
die in kurzem drohenden Tone 
verfaßten Proteste des Ge 
sandten durchflog, der die 
sofortige Aufhebung der ihre 
persönliche Freiheit hindern 
den Maßregeln verlangte. 
„Was werden Eure 
Durchlaucht beschließe»? wagte 
Grumbkow zu fragen. 
Statt einer Antwort 
schrieb der Kurfürst an den 
Minister von Meinders die 
bündige Weisung: „Die auf 
meinen Befehl vor der franzö 
sischen und Reichs-Ambassade 
aufgestellten Posten verbleiben 
dort und verfahren strengstens 
nach meiner gegebenen Ordre." 
„Grumbkow, Ihr habt 
für dir Beförderung dieser 
Resolution Sorge zu tragen," 
sagte der Fürst, das Papier jenem reichend. 
„Fürstliche Gnaden, mögen bedenken" — begann der 
für die Folgen des kategorischen Verfahrens seines Herrn 
Besorgte. 
Friedrich Wilhelm winkte mit der Hand: „Beeilt Euch, 
ich will es, und da giebt es weiter nichts zu bedenken, und 
wenn das Schlimmste daraus erwüchse. Ich bin in meinem j 
Oas Grabmal Heinrichs von Meist am Wanufte. 
stecht, und das ivcrdc ich zu meines Landes Wohl allezeit 
! mit Gottes Hülfe vertreten." — 
Eine Viertelstunde nachdem er gekommen, sprengte der 
Kourier ans frischem Pferde wieder nach Berlin zurück mit dem 
kurfürstlichen Schreiben an den Minister Meinders. 
Im Jagdschloß Grunewald aber saß der Kurfürst mit 
Grumbkow bei ernster Arbeit für den Staat Brandenburg bis 
in die Mitternachtsstunde hinein. 
Die Wipfel der Bäume wiegten sich rauschend hin und 
her. Der Nachtwind mußte ihr Flüstern Non all dem durch den 
Wald tragen, was heute wiederum ein Hohenzoller in ihrem 
Revier gethan und gesprochen. 
Die Sprache der Bäume 
klang stolz und zuversichtlich, 
freudig und doch gemischt 
mit leiser Wehmuth, als ginge 
ein Ahnen durch den Wald, 
den die Hohenzollern geliebt 
und gepflegt zu allen Zeiten, 
daß der Held des edlen 
Geschlechts, der heute noch 
in alter Kraft und furchtloser 
Fürsteuwürde sich gezeigt, nicht 
oft mehr zürn fröhlichen Jagen 
durch den Forst reiten würde. 
Und das Waldcsahnen 
erfüllte sich. 
Wenige Monde über ein 
Jahr, nachdem Friedrich 
Wilhelm von Brandenburg 
Erholung und Arbeit im 
Jagdschloß Grunewald fand, 
nahm ihm der Tod am 
29. April 1688 die Zügel 
seiner segensreichen 48jährigen 
Regierung aus der Hand. 
Seine Urenkel alle rvußten 
und wissen, was erihremHausc 
und dem Staat, dessen Steuer 
sie lenken, gewesen ist. Die 
großen Thaten, die sie voll 
brachten, geschahen, von seinem 
vorahnenden Geist vorbereitet. Es war die Ernte seiner Saat. 
Sein königlicher Nachfolger, der große Friedrich, sprach 
es aus, was seine Nachkoinmen nie vergessen werden, als er 
in der Gruft des Berliner Domes an des erlauchten Ahnherrn 
Sarge stand, mit den an seine Umgebung voller tief em 
pfundenen Ernstes gerichteten Worten: 
„Messieurs — der hat viel gethan!" 
Zum Todestage Heinrich von Kleist's. 
21. November 1811. 
Der Sonne Strahlen sanft erblaßten, 
Leis rauscht da- welke Laub herab, — 
Hier will ich einsam sinnend rasten 
An diesem öden Dichtergrab, 
Da- aus de- Mannsec- sand'gem Hügel 
Hm Maldesschatten sich erhebt, 
Darüberhin auf weichem Flügel 
Der Herbstluft leiser Seufzer bebt. 
Den dir da- Leben nicht beschiedeu. 
Du ungestümer Feuergeist, 
Hier suchtest sterbend du den Frieden, 
Du märk'scher Sänger, Heinrich Aleist. 
Menu auch sein Heim dein Todtenbette 
Hn ungeweihter Erde fand, — 
Du selber weihtest diese Stätte 
Zum Heiligthum für's Vaterland.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.