Path:
Periodical volume 10. November 1888 Nr, 6

Full text: Der Bär Issue 15.1889

75 
Berechtigung der Bienenzucht in der Harteheide für 1 Schock ! 
24 Groschen Wasserzins und 32 Groschen Heidegeld verpachtet war. 
In einem Bericht vom 1. August 1590 über die Besichtigung der 
Spree vom Mühlendamm aufwärts heißt es: „An Trebkow bei ! 
der Brücken hat der Rath zu Cöllen ein Heußelein und an dem 
Fließ, so von Rixdorf herab in die Spree gehet zwo mehr." Die 
Pacht dieser Fischerei nebst der Benutzung der angrenzenden Heide 
zum Aufstellen von Honigbeuten ging auf mehrere Fischer über, 
bis im Jahr 1608 der Rath von Kölln die Fischerei von einem 
eigenen Fischer ausüben ließ. Die späteren Nachrichten reden von 
3 Fischwehren, die sich daselbst befanden und von denen der Petri 
kirche ein jährlicher Zins entrichtet werden mußte. In Betreff der 
Bienenzucht in den städtischen Heiden mag hier Nachstehendes be 
merkt werden. Die älteste und natürlichste Art derselben war die 
Waldbienenzucht, bei der die Bienen freiwillig ihre Wohnungen in 
alten, hohl gewordenen Bäumen nahmen. Da hierbei aber die 
Ausbeute, besonders an Wachs, nicht genügend war, so wurden 
Bienenstöcke künstlich nachgebildet, indeni man starke Fichtenbäume 
unter der Krone aushöhlte, die Höhlung mit Kreuzhölzern aus- ! 
spillte und mit einem Brette verschloß, das nur eine kleine Oeffnung j 
zum Ein- und Ausstiegen der Bienen hatte. Derartige ausge- 
bohlte Baumstämme, Buten oder Beuten genannt, wurden von 
den schwärmenden Bienen selbst aufgesucht oder von den Züchtern 
mit jungen Schwärmen besetzt. Später wurde diese Art der j 
Bienenzucht durch die Zucht in sogenannten Klotzbeuten ersetzt, in- j 
dem man, um die Bäume zu schonen, ausgehöhlte Klötze aussetzte, 
woraus sich später die Korbbienenzucht entwickelte. Als nach der 
Reformation die kirchlichen Wachs- und Honig-Abgaben in Geld 
leistungen umgewandelt wurden, auch der Gebrauch des Zuckers 
immer allgeineiner wurde, trat ein Rückgang in der Bienenkultur 
ein und die Waldbienenzucht kam außer Gebrauch.') Auch die 
Fischwehre auf dem Treptow scheinen keinen sonderlichen Ertrag 
mehr abgeworfen zu haben, denn in keiner Rechnung des 17. Jahr- 
bundert findet sich eine Einnahme aus denselben erwähnt. Später 
wird mitgetheilt, daß dieselben lange Zeit wüste gelegen haben. 
Endlich im Jahre 1707 suchte der Rath den Treptow wieder nutzbar 
zu machen. Der damalige Kämmerer Lauern erbot sich, denselben 
für einen jährlichen Pachtzins von 40 Thalern zu übernehmen. Er 
erhielt Ackerland von 5 Scheffeln Aussaat und die nöthigen Wiesen, 
erbaute ein Haus nebst Scheune und Stallung und schaffte das zum 
Ackerbau nöthige Inventarium an. Im Jahre 1711 trat er jedoch 
schon von seinem neunjährigen Kontrakt zurück und erhielt für das 
Inventarium und die Baukosten vom Magistrat eine Entschädigung 
von 882 Thalern 21 Groschen. Das Vorwerk wurde nun für 
80 Thaler verpachtet.-) Den späteren Pächtern dieses Vorivcrks 
wurden die Aeckcr und Wiesen bis auf 91 Morgen 42 □ Ruthen 
vermehrt, auch erhielten sie für ihr Vieh das Hütungsrecht in der 
Köllnischen Heide und die Berechtigung zum Krugverlage. Im 
Jahre 1745 brachte das Vorwerk schon 130 Thaler Pacht, die sich 
1770 bis auf 196 Thaler steigerte. Nach dem Arrende-Anschlag 
vom 10. Juli 1751 gehörten zu der Pachtung 25 Morgen 
20 □ Ruthen an Acker, Wiesen und Gärten. Der Haupterwcrb 
des Pächters bestand größtentheils in dem Absätze von Milch nach 
Berlin und an seine Gäste zur Sommerzeit, denn schon damals 
scheint die schöne Lage des Vorwerkes am Wasser und Wald die 
Berliner dorthin gelockt zu haben. Das Vorwerk, das 1776 außer 
den Gebäuden und dem Weiderecht in der Heide 102 Morgen Land 
und Wiesen hatte, wurde in diesem Jahre dem damaligen ersten 
Forstbcamten der Köllnischen Heide, der außer der Benutzung von 
74 Morgen 144 □ Ruthen an Land und Wiesen und sonstigen 
Emolumenten nur ein Gehalt von 76 Thalern und 28 Thaler 
Wohnungsgeld bezog, zur Verbesserung seines Diensteinkommens 
für seine Lebenszeit für 165 Thaler jährlicher Pacht überlassen. 
Derselbe erbaute hier auf seine Kosten ein Gebäude und erhielt im 
Sommer von Berlin aus vielen Besuch, der später, als der 
Stralauer Fischzugstag sich zu einem Berliner Volksfest zu entwickeln 
begann, derartig zunahm, daß auch die Treptower Kolonistenhäuser zu 
Gasthäusern wurden. Nicolai schreibt im Jahre 1786: „Treptow, ein 
Haus im Walde an der Spree, eine Viertelmeile von Berlin, woselbst 
der Magistratsförster wohnt. Dabei ist ein Wirthshaus, wohin von 
Berlin oft Spazierfahrten geschehen, und einige Kolonistenwohnungen." 
Mit diesen Kolonistenwohnungcn hat es folgende Bewandtnis;. 
Im Jahre 1779 gab der Magistrat jenseits des Vorwerks Treptow 
7 Hausstellen mit Gärten an 6 Kolonisten in Erbpacht. Dieselben 
errichteten hier Gebäude und erhielten für gewisse Geld- und 
Naturalleistungen, Handdienste in der Heide, auch das Recht zum 
Raff- und Leseholz, sowie das Weiderecht für ihr Vieh. 
Das Vorwerk Treptow gerieth jedoch immer mehr in Verfall 
und im Jahre 1817 waren sämmtliche Gebäude, und besonders 
die der Stadt gehörigen, in einer so schlechten Beschaffenheit, daß 
sie größtentheils hätten neu erbaut werden müssen. Um diesen 
Neubau und die kostspielige Unterhaltung der Wirthschaftsgebäude 
zu ersparen, beschloß man. da sich in der Nähe Berlins Acker und 
Wiesen auch ohne Gebäude verpachten ließen, den Förster, der 
49 Jahre im Dienst war, zu Pensioniren, und für die Folge nur 
einen Forstbeamten anzustellen, das Vorwerk aber aufzulösen. Für 
die ausgesühren Bauten wurde er mit 750 Thalern entschädigt. 
(Fortsetzung folgt.) 
Kleine Mittheilungen. 
Zur Kkeiderordnung unter Kricdrich Wilhelm I. Eine merk 
würdige Kabinets-Ordre König Friedrich Wilhelms I. an den Kammer- 
gerichts-Präsidenten von Sturm vom Jahre 1714 lautet: 
Friedrich Wilhelm König von Preußen w. — Unsern gnädigen Gruß 
zuvor Unser Rath und lieber Getreuer. Es hat Uns Unser Geheimer 
Rath Dühram in dem Beischluß allerunterthänigst referiret, daß der 
Kammergerichts Advoeatus Zingler in denen Weihnachtsferien mit einem 
rothen Mantel, den er über den schwarzen gehangen, auf der Straße be 
troffen worden. Nachdem nun Unsere Verordnung klar besagt, daß die 
Advocatcn keine andere als schwarze Mäntel tragen sollen, die Entschul 
digung wegen des Regens auch nicht zureichend ist, indem er einen schwarzen 
Mantel von Tuch umhangen kann, so hatten wir wohl Ursache Unsere 
Displecenz wegen Lludimng Unserer Verordnung durch eine empfindliche 
Strafe gegen ihn zu bezeugen; wir wollen aber für dieses Mal Gnade 
für Recht ergehen lassen und ihm solchen Fehler allergnädigst verzeihen, 
Ihr habt ihm aber solchen nachdrücklich zu verweisen und sowohl ihm als 
auch allen übrigen Advooaten bekannt zu machen, daß Wir dergleichen zu 
Elwünmg Unserer Verordnung abgebende Contraventionen weiter nicht 
nachsehen, sondern ein solches Exempel statuiern würden, daß andere sich 
dafür zu hüten Ursach hätten, wie Ihr denn auch dem Officio fisci darauf zu 
'•igiliren ernstlich zu injungüren habt. Wir seindt Euch mit Gnade gewogen 
Gegeben Berlin den 20. Januar 1714. Friedrich Wilhelm. 
') Fidicin, historisch-diplomatische Beiträge III 80. 
Literatur. Der große Kurfürst Friedrich Wilhelm. Dem 
deutschen Volke dargeboten von Oskar Schwebet. Mit einem Titelbilde 
von Wilhelm Camphausen. Minden. I. C. C. Bruns Verlag. 132 S. 
Zur 200jährigen Gedächtnißfeier des 29. April 1688, des Todestages 
des großen Kurfürsten, gab unser hochverehrter Mitarbeiter und Kenner 
der brandenburgisch-preußischen Geschichte, Oskar Schwebe!, dessen fleißige 
Feder uns aus vielen Bildern und Skizzen der Mark bekannt ist, ein 
Gedenkbuch heraus, das in schlichtem, volksthümlichen Tone geschrieben 
und im Gewände einer klaren, durchsichtigen Darstellung recht geeignet ist, 
ein Volksbuch zu werden, obwohl derselbe Stoff schon von anderen, wie 
von Professor vr. W. Pierson 1873 und von George Hiltl behandelt 
ist. In 40 kleinen Abschnitten führt der Verfasser unter Benutzung der 
Ergebnisse der neuesten Forschungen und unter dankenswerther Einfügung 
aller Kalender-Daten nach altem und neuem Stil die einzelnen Lebens 
abschnitte des „unvergleichlichen" Herrschers und der mit ihm in Beziehung 
stehenden bedeutenderen Persönlichkeiten, wie von Burgsdorf, P. Gerhardt, 
S. Rodigast, O. von Schwerin, G. Dörffling, Chr. von Sparr, dem Leser 
vor. Als eine Gabe für Schule und Volk darf das Merkchen jedem 
Vaterlandsfreunde bestens empfohlen werden. 
1^0« dem Kausöuch deutscher Dichtung, HalbmonatsschriftsMiniatur- 
Zeitschrift für deutsche Dichtung) von Hermann Kiehne in Nordhausen 
') Corpus Bonorum. — Schriften des Vereins für die Geschichte 
Berlins, Heft 15 p. 16.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.