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Volume 10. November 1888 Nr, 6

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

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des berühmten Ulrich von Cilli bittet bei einer Gelegenheit 
den Hochmeister, um einige gut abgerichtete Falken und sagt 
dabei: „Man hab seynem Vetter und aller seyner Vorwarden 
als lange als der Orden hat gesessen in Stevern und in Kernthen 
jährlich Falken gesant, dorume sv auch getrewc Schirmer des 
Ordens gewesen sink in denselben landen." Auch der Pfalz 
graf vom Rhein, Philipp, ersucht den Hochmeister im Jahre 1442 
ausdrücklich um preußische Falken, weil er diese für die besten 
halte; er bittet den Meister namentlich: „daß sie möchten 
getragen werden, auf daß sie bei gutem Gefieder blieben und 
auch sonst hübsch seyen." Der Bischof Johannes von Lcßlau 
gab dem Hochmeister Michael von Sternberg folgende Vorschrift 
in Beziehung auf Falkenjagd: „Wollet Ihr haben gute Hand 
salken zu Kranichen, so gebietet Euren Gcbietigern in dem 
Niederlande, die da pflegen Falken zu haben in ihrem Gebiete, 
daß sie sic lassen ausnehmen, dieweil sie jung sind und daß 
man die größten auslese und sende sic gen Sobkau, wir 
wollen ihnen genug zum Essen geben rc." Auch der Kaiser 
Maximilian war ein großer Freund von Falken, denn er 
sandte im Jahre 1502 seinen eigenen Falkner nach Marien 
burg und bat sich von dem Hochmeister 14 der besten Falken 
aus: „damit derselbe Falkner sie unserm Befehl nach abrichten 
mag." Eine besondere Vorliebe hegte der Kaiser für weiße 
Falken und scheute zur Erlangung solcher Vögel keine Kosten. 
Obwohl in jetziger Zeit einige Völker wie die Inder, 
Perser und die Beduinen der Sahara bei ihren Jagden abge 
richtete Falken gebrauchen, so gcriethen dieselben doch seit Er 
findung des Schrotes in Europa allmälig in Verfall und schon 
seit langer Zeit ist bei uns auch dieser Ueberrest des Mittelalters 
zu Grabe getragen worden. A. Bandholtz. 
Wie man Hauser staut. 
Von W. Boiincll. (Schluß.) 
Zn den Offizieren, welche damals von der Garnison 
Bernall ans das gastliche Hohen-Finow wiederholt besuchten 
und die Töchter des Wirths umschwärmten, gehörte auch der 
Kapitain von Forcade, ein Sohn des damaligen Obersten und 
Chefs des gleichnamigen Infanterie-Regiments. Doch war es 
wohl lveniger die Liebe, welche diesen jungen Cavalier immer 
wieder nach Hohen -Finow zog, als der Wunsch, eine reiche 
Braut zu gewinnen. Mehrere Male nllißte der Markgraf von 
Schwedt, und zwar der Reihe nach, um die Töchter des Barons 
für ihn werben und erhielt immer eine Abweisung; eine einzige | 
Tochter noch, Gasparde eben, tvar bisher von dem Offizier mit 
einem Heirathsantrage übergangen worden. Ihretwegen bemühte 
sich der Kapitän mm um eine gewichtigere Fürsprache. Der 
König, bei irgend eüler Gelegenheit, vielleicht auf der Jagd in 
Wusterhausen oder im Tabakskolleginm, darum angegangen, 
sagte wirklich zu, den Freiwerber zu machen. Ob der Monarch 
i>l dieser Zeit noch irgend eine Mißstiinmung gegen den Baron 
mit sich herum trug und solche jetzt fühlbar lnachen wollte, oder 
ob er wirklich nur das Beste beabsichtigte, indem er Gasparde 
mit eiilem seiner „braven und honetten" Offiziere verheirathete, 
bleibe dahingestellt. Genug, am 2. Roveinber 1736 lief ein 
königliches Handschreiben in Hohen-Finow ein, das also lautete: 
„Da es mir zum Vergnügen gereicht. Euch einen Beweis 
von Aufnierksanikeit zu Gunsteil der Etablierung Eurer Kinder 
;u geben, so habe ich die unterthänigste Bitte meines Kapitän 
von Forcade genehmigt, welcher mit Euch alliiert zu werden 
wünscht durch die Hand von Einer Eurer Töchter. Es wird 
Mir angenehm sein, wenn Ihr dazu Eure Einwilligung gebt, 
und tverde ich Euch jederzeit zu erkennen geben, daß ich bin 
Euer ivohl affcktionirter König 
Wusterhausen, Friedrich Wilhelm, 
den 1. Novbr. 1736." 
In ein verständliches Delitsch übertragen, lautete dieser 
Brief: „Es ist mein königlicher Wille, daß der Herr Baron 
den Kapitän von Forcade zum Schwiegersöhne annehme." 
Dieser, in seiner derben soldatischen Weise, muß es aber 
durchaus nicht verstanden haben, sich in der feinen franzö 
sischen Familie Snmpathicen zu erwerben; wie ihn die andern 
Töchter ausgeschlagen, wollte auch Gasparde nichts von ihm 
wissen. Schon am 3. Novbr. antwortete der Baron dein 
Monarchen also: 
„Eurer Köiüglichcn Majestät fühle ich mich zu Dank für 
die Gnade verpflichtet, sich für meine Tochter ju intercssiren. 
Ich habe meiner Tochter sogleich den Kapitän von Forcade 
vorgeschlagen, allein dieselbe hat nicht die geringste Neiguilg für 
denselben, ebenso wenig wie meine arideren Töchter, für welche 
der näinliche von Forcade sich schon früher durch den gnädigen 
Herrn Markgrafen Friedrich von Schwedt verwendet hat. Ich 
halte mich überzeugt, Eure Königliche Majestät werden hiernach 
meiner Tochter die Wahl ihres Etablissements selbst überlassen, in 
dem ich mit dem höchstem Respekt verharre, als Eurer Majestät 
unterthänigster und treugehorsainster 
Vernezobre Baron von Laurieux." 
"Dem Könige fiel cs aber durchaus nicht ein, solchen Wider 
stand gegen seinen Willen zu dulden. Am 7. Roveinber schrieb 
er dem Baron ans Cossenbladt: 
„Aus Eurem Schreiben vom 3. d. M. habe ich ersehen, 
daß die Neigung Eurer Tochter den guten Absichten nicht ent 
spricht, welche Ich hege, sie an den Kapitän von Forcade zu 
vermählen. Da er aber ein braver Offizier ist und Ihr 
eigentlich nichts gegen diese Allianz einzuwenden habt, so halte 
ich Eure Tochter für zu klug, um Meinem und Eurem Willen 
zu widerstehen, und erivarte von ihrem Verstände eine würdige 
Entschließung als Euer wohl affektionirter König 
Friedrich Wilhelm." 
Jetzt war für Vernezobre guter Rath theuer. Der König 
schien unbeugsam, dennoch versuchte man es in Hohen-Finow 
mit neuen Vorstellungen. Der Baron schickte untern: 0. No 
vember schon folgendes Schreiben ab; 
„Mit dein tiefsten Respekt hätte ich Eure Königliche Majestät 
um Erlaubniß gebeten, die triftigen Gründe meiner Tochter 
gegen die Partie mit dem Hauptmann von Forcade zu Füßen 
legen zu dürfen; allein ein Viehsterben in meiner Schäferei, so 
wie Ueberschwemmungen in meinen Brüchern, halten mich hier 
zurück, um den erlittenen Schaden wieder zu repariren. Unter 
diesen Umständen wage ich Ew. Königlichen Majestät beigehend 
ein Schreiben meiner Tochter zn überreichen. Ich hoffe, Ew. 
Königliche Majestät werden derselben eben die Gnade und den 
Schutz angedeihen lassen, welche Allerhöchstdieselbe mir einst 
bewilligte, als Ew. Königliche Majestät wünschten, daß ich mich 
in Dero Staate etablieren möchte. 
Hohen-Finow, den 9. November 1736. 
Vernezobre de Laurieux." 
In dem Briefe, ivelchen die Tochter geschrieben, erklärte
	        
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