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Full text: Der Bär (Public Domain) Issue15.1889 (Public Domain)

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Pommersche Lehnsverbände, Domkapitel, Eheverbot wegen 
Standesnngleichheit, Städteverfassung in Schleswig-Holstein, 
Pensionen der Militärärzte und der Lehrer-Witwen und -Waisen) 
und hier -gab sein- reiches Wissen - den Rede» gediegenen Jn-- 
halt. Sein Esprit enveckte das lebhafte Interesse der Zu 
hörer; seine Eigenart trat überall in fesselnder Weise hervor 
und machte seine oratorischen Leistungen zu Originalen. Die 
letzte Rede im deutschen Reichstag 'hat er am 7. Juni 1872 
über die Revision des Militärstrafgesetzes gehalten. Zur Feier 
seines 70. Geburtstages veranstaltete ihm die Fortschritts 
partei ein glänzendes Bankett. Am 1. Oktober 1876 ist er 
verstorben. Das Unrecht, das ihrem Oberbürgermeister ge 
schehen, hat die Stadt, soweit es damals noch möglich war, durch 
Bewilligung einer Pension an seine Witwe zu sühnen versucht. 
Noch eines anderen politische Carriere hat in Branden 
burg ihren Ursprung genommen. Der Deichhauptmann Otto 
von Bismarck, dessen Oelbild sich in dem Geschäftszimmer 
des Oberbürgermeisters befindet, wurde 1840 in Brandenburg 
zum Mitglied der 2. Kammer gewählt. Für ihn war diese 
Wahl der Ansang zu höchsten Ehren und unvergleichlichem 
Ruhme, aber den Oberbürgerineister Ziegler haben die Wogeil 
der Politik ins Verderben getragen, — seine 14 tägige Mit 
gliedschaft der Nationalversammluiig hat die Hoffnungen, ivelche 
Stadt Uiid Staat auf ihn setzen durften, Vernichter. 
Kleine Mitteilungen 
Dic Vorbesitzer des R^ictislrlrnzler - Dalais waren der 
Generalmajor von Schulenburg, der dieses Haus erbaut hat, und die 
sürstliche Familie Radziwill. In diesen vornehmen Räumen, in dem 
herrlichen Parke dieses Palastes hat auch sie geweilt, von welcher der 
„Bär" vor einem halben Jahre soviel Frohes und soviel Trübes zu be 
richten hatte, die Prinzeß Elise Radziwill, die als holde Blüte auch in 
dem Briefwechsel der Frau Generalfeldmarschall von dem Knesebeck er 
wähnt wird. 0. 8. 
Das neueste Dild> des Feldrnarxsthalls Grafen 
v. Mattste. Wohl ist die hohe Gestalt unseres Schlachtendenkers ein 
wenig zusammengesunken, adlerscharf blickt aber noch immer sein Auge. 
In eigentümlicher Weise hat sich sein ernstes Antlitz vergeistigt. Erhalte 
Gott uns den gewaltigen Meister des Schlachtfeldes noch recht lange! 
Und möge Held Moltke nur goldene Friedenstage noch erleben. D. R. 
Ueber die neulich erfolgte Deukinatsenthüttung in Friesack 
berichtet das dortige Wochenblatt: Eine Ueberraschung wurde allen Festteil 
nehmern zu teil, als beim Einbiegen des Zuges in die Berliner Straße 
der Generallieutenant z. D. von Bredow in Generalsuniform zu Pferde 
sich an die Spitze des Zuges setzte und denselben zum Rathause zurückführte. 
Der greise Held, der heute noch frisch zu Pferd ist, begrüßte nur herzlichen 
Worten die Hunderte von Kriegern, welche mit ihm jene unvergeßlichen 
Kämpfe bestanden haben. Das Bild des alten Reirergenerals rief wohl 
allen Teilnehmern am Feste die Erinnerung an jenen „Todesritt" ins 
Gedächtnis, welcher unter Bredows Führung am 16. August bei Vionville 
stattgefunden hat. 
Drsmaeest-Mn lernn. Berlin wird demnächst um noch ein 
Museum reicher werden. Es handelt sich zunächst zwar noch um einen 
zarten Keim; er scheint indeß eine kräftige Entwickelung zu versprechen. 
Es fehlte bisher an einem Mittelpunkte für die auf den Reichskanzler, den 
Fürsten Bismarck bezüglichen Gegenstände der Erinnerung, an deren 
Sammlung zu gehen wohl an der Zeit sein dürfte, ehe eine Zer 
splitterung stattfindet. In Stille ist seit Jahren an der Begriindung des 
Bismarck-Museums gearbeitet worden. Heute besitzt es, dank der Unter 
stützung von Bismarck-Verehrern, nahezu sämtliche über den Reichskanzler 
erschienenen Schriften, eine stattliche Anzahl von Bildnissen aus den ver 
schiedenen Lebensjahren des Kanzlers, ferner viele „Lob- und Spottgedichte", 
verschiedene sogenannte Bismarck-Jndustrieartikcl und andere auf den Fürsten 
Bismarck bezügliche Gegenstände. Für die Ergänzung und würdige Aus 
stattung des Museums ist ein hinreichender Fond gestiftet worden. Die 
Eröffnung des Museums für das Publikuni steht am 1. April 1890 
(75 jähriger Geburtstag des Kanzlers) bevor. Mit den nötigen Vorberei 
tungen ist der Verlagsbuchhändler Paul Hennig, Berlin W., Winterseldt- 
straße 10, betraut worden. 
Girre itatientsthe Odo auf dorr Tod Foiodoirhs 
dos Grasten. Auf den Tod Friedrichs des Großen erschien u. a. 
auch eine italienische Ode, welche ein Husarenfähnrich, Graf Massini 
della Massa, verfaßt hatte und die bei Günther in Glogau gedruckt wurde. 
Der Titel derselben lautet: „Per la morte di Sua Maestä Federico il 
Grande II., Re di Prussia. Ganzem Pindarica del conte Massini 
della Massa, Cornetto degli Usseri nel Regiment» di Ozetteritz al 
Servizio di Sua M. Prussiana. In Glogüvia apresso Gunter» 1786.“ 
Das Gedicht umfaßt 14 Seiten. Auf einem seiner Exemplare steht mit 
vergilbter Tinte geschrieben: „Zum Zeitvertreib in Contonirungen. Zum 
Andenken an von Münchow." E. K. 
Unser Düchertisch. 
Das Wiegenfest der Kaiserin Augusta veranlaßt uns, aus zwei ver 
dienstvolle Veröffentlichungen von Frau f. Loruhak hinzuweisen. In der 
Vos fischen Buck)Handlung ist die größere derselben bereits im Jahre 
1886 ersd)icnen. Sie trägt den Titel: 
„Kaiserin Augusta. Züge aus eine», fürstlichen Frauen 
leben, mit 7 Portraits in Lichtdruck." 
Mit der Wärme der Darstellung vereinigt sich in diesem Werte er- 
sreulick)c Genauigkeit der Angaben und wahrhafter Adel der Gesinnung. 
Einen wertvollen Schniuck des Buches bilde» die Lichtdruckreproduktionen, 
besonders diejenigen nach den Gemälden Krügers und Begas. 
Eine kleinere Schrift: „Kaiserin Augusta" hat Frau F. ßoniljali 
als Volks- und Jugendausgabe in I. I. Heines Verlag, Berlin 1889, 
erscheinen lasien. Wir wünschen derselben Verbreitung in den weitesten 
Kreisen unseres Volkes. Eine Probe aus derselben, welche wir nachstehend 
folgen lassen, empfiehlt das trefflich ausgestattete Büchlein gewiß allen 
unsern Lesern. Frau Bornhak sagt: 
Wenn je das Bild einer Fürstin sich unauslöschlich dem Bewußtsein 
des Volkes einprägen muß, so ist es das Lebensbild der Kaiserin Augusta. 
Auf immer verbunden mit den, Andenken des teuer», unvergeßliche» Helden 
kaisers Wilhelm und ihres in begeisterter Hingebung verehrten Sohnes, 
Kaiser Friedrich, sind es besonders zwei Züge dieses Bildes, welche cs 
gleich ge liebt sein lassen vom Palaste bis zur Hütte. Der eine Zug ist aus 
gedrückt mit den Worten eines Liedes, aus unserm Kaiserhause stammend, 
das wohl kaum zuvor über die Grenzen des Kaiserlichen Heims hinaus erklang: 
„Liebe Muttter, Kaiserkrünchcn 
Ist so hold und schön. 
Sag', wozu die vielen Thränen, 
Die darinnen stehn?" 
„Hast Du nicht umher gesehen 
Auf der Blumenau? 
Sieh, in jedem Kelche stehen 
Helle Tropfen Tau.' 
„Ja, ich sah's; doch schnell vergehen 
Sic im Sonnenglanz; 
Aber diese Tropfen stehen 
Immer schön und ganz!" 
,Jenc blühen frei im süßen 
Hellen Sonnenschein; 
Doch kein Strahl darf diese küssen, 
Müssen stets verborgen sein.' 
„Stets verborgen? liebe Mutter?" — 
,Stimm die Blume mit!' — 
„Will sie leis nach Hause tragen 
Sorgsam Schritt für Schritt. 
Was Du mich dabei gelehret, 
Will ich denken spät und früh: 
„„Kronen schützen nicht vor Thränen; 
Aber sic verbergen sie!"" 
Jeder Mensch, jeder Leidtragende empfindet mit der hohen fürstlichen 
Frau die gleidje Stellung unter Gottes gewaltige Hand, die in Palästen 
wie in Hütten gleich abwägt nach göttlich unerforschlicher Weisheit. 
Der zweite Zug des Bildes aber hebt empor zu einer Fürstin, die 
trotz des eignen schweren Leids oder gerade darum stets ein warmes Herz, 
eine offene Hand, werkthätige Liebe hat für ihres Volkes Freud und Leid, 
welches dankbar der treuen Mutter ihres Landes verbunden bleibt für alle Zeit. 
—x. 
Inhalt: Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta zum 80. 
September 1889; Auf dem Tempelhofer Felde, Berliner Skizze von 
M. Rincklebcn; Aus den Briefen der Frau von dem Knesebeck, 
geb. von Klitzing, von Frau Helene von Hülsen (Fortsetzung); Die deutschen 
Kaiser und die Stadt Metz (Schluß); Preußens erste Königin, 
von F.A.von Winterfeld (Fortsetzung); Brandenburger Reminiszenzen, 
von Gustav Dullo (Schluß). — Kleine Mitteilungen: Die Vorbesitzer des 
Reichskanzler-Palais; Das neueste Bild des Feldmyrschalls Grafen Moltke; 
Denkmals-Enthüllung inFriesack; Bismarck-Museum; Eine italienische Ode 
auf den Tod Friedrichs des Großen. — Unser Büchertisch. — Anzeigen.
	        
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