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Periodical volume 28. September 1889 Nr, 52

Full text: Der Bär Issue 15.1889

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gebracht; eine vergoldete silberne Schale, 6 Mark 4 Unzen 
schwer, mit 1500 Goldgulden, 100 Centner Hafer, 6 Faß 
Metzer Wein, 6 Faß Beaune und Arboid. 3lm 14. Januar, 
bei seiner Abreise, äußerte Karl: 
„Ich habe Eure Stadt gern gesehen: ich bin mit ihr zu 
frieden. All' ihre Angelegenheiten werden mir empfohlen 
bleiben." Er hat dies Wort gehalten. 
Seiner Wirthin und deren Tochter schenkie der Kaiser 
Halsbänder von je 120 Thaler Goldwert. —Die Raigbcourts 
standen an der Spitze der Kaiserlichen, also der katholischen 
Partei. Die französisch gesinnten Reformirten in Metz aber 
hatten ihr Haupt in dem mächtigen Geschlechte de Heu ge 
funden, welches nicht zu dem alten Adel von Metz gehörte, 
sondern aus den „Soldoyeurs", den Söldnern der Stadr, her 
vorgegangen war. Am 16. Juni 1544 weilte Karl wieder 
in Metz. Er zog diesmal durch die Porte des Allemands ein, 
mit ihm auch ein „Marquis de Brandebourg", Albrecht von 
Brandenburg-Eulmbach. Er wohnte drei Wochen lang bei 
Herrn Androuin Russe! aus dem Camp-a-Seille. Wohl be 
willigte der Kaiser der Stadt in diesem Jahre für ihr thar 
kräftiges Vorgehe!: gegen die Reformierten zwei Freimessen; 
allein er gewann sich die Herzen des Volkes dadurch doch 
nicht, zumal, da seine Krieger im „Paps messin" aus das 
zügelloseste harrsten. 
Zum letzteumale kam Karl V. im Jahre 1546 in die j 
verarmte Stadt. Während dieses Aufenthaltes entspann sich ein j 
trauriges Verhandeln über Leistung und Gegenleistung. Wo ! 
war der Patriotismus Sire Nicole Louves geblieben! Miß 
mutig zog Karl dann weiter. Wenige Tage darauf verbanden 
sich die Geschlechter de Heu und Dex mit der protestantischen 
Liga. Die Grafen von Nassau und von Büsch gingen als i 
Abgesandte zu König Heinrich II. von Frankreich: sie boten ; 
demselben ohne Wissen der Bürgerschaft das Protektorat 1 
über Metz an für — feine Unterstützung gegen Karl V. ! 
Hätten die dem Kaiser und dem Reiche ireugebliebenen Ge- > 
schlechter de Raigöcourt, de Gournay und de Laistre von dem j 
Verrate gewußt ; gewiß: es wäre in Metz zu blutigen Kämpfen 
gekommen! 
Schnell vollzog sich nun die Katastrophe vom 10. April 1552, 
welche die Reichsstadt den deutschen Kaiserir für mehr deiru drei 
Jahrhutiderte entriß. Der Eonnetable Monrmorency führte 
seine Truppen in die Nähe der Stadt uird begehrte Durchzug 
durch Metz. Der hohe Rat bewilligte dieses Verlangen und 
ging dem französischett Heerführer bis Joup entgegen. Un 
gehindert erfolgte nunmehr der Einmarsch der Frairzosen, wahr 
scheinlich, wie Westphal sagt, durch die Porte-Serpeiroise. 
Schon war ein Trupp Franzosen in die Stadt marschiert, als 
einige Bürger und Soldoyeurs die Ruse: „Verrat! Zu den 
Waffen!" ertönen ließen. Vergebens! Es war bereits zu 
spät; schnell waren Thore, Türme rind Mauern voir den Fran 
zosen besetzt. Ein Herr de Vannes leitete unter Tavairnes 
den Uebersall. Ein deutscher Soldoyeur-Kapitän warf ihm, 
als er alles verloren sah, den Thorschlüssel vor die Füße. 
Das Geschlecht de Heu aber errang keinen Lohn für seine 
Verräterei. Nicht sein Haupt, Sire Gaspard de Heu, sondern 
ein Herr de Talauges ward Oberschöffe von Rietz. Der Kal 
vinismus erhielt die Freiheit der Religionsausübung durchaus 
nicht, sondern wurde von den französischen „Protektoren" sogar 
ingrimmig verfolgt. „Verachtet und gehaßt, ja selbst von den 
eigenen Glaubensgenossen gemieden, hat dies Geschlecht de Heu 
dann noch eine kurze Existenz in Metz gefiihrt, um endlich füll 
und spurlos aus der Geschichte zu verschwinden." 
Die Bürgerschaft versiel in dumpfe Trarier; sie sah es 
nur zri wohl, daß sie dem „großen Adler" für lange Zeit 
entfremdet und daß ihre Freiheit vernichtet war. Im Sommer 
1552 kam der Herzog Franz von Guise nach Metz, um die 
neue Erwerbung gegen den Angriff des durch den Verrat der 
Protestanten bis auf den Tod verletzten Kaisers zu verteidigen. 
Der Herzog von Guise armierte die Stadt. In diesen Herbst 
tagen mußten altch die Benediktiner voir St. Arnulf ihren viel 
hundertjährigen Sitz verlassen. Die Hallen ihres herrlichen 
Gotteshauses wurden von französischen Soldaten und von 
Metzer Bürgern, welche zu dieser. Arbeit gezwungen worden, 
abgerissen; nur die Grüfte berührte man noch nicht. Die 
Stiftsherren siedelten nach der Kirche der Predigermönche über. 
Die über der Erde steheitden Monuiitettte der Gemahlin Karl 
des großen. Hildegard, seiner Schwestern Rotaide und Aleide, 
des Kaisers Ludwig des Frommen und der Schwestern dieses 
Herrschers, Hildegard und Adelheid, sowie des Bischofs Drvgo 
aber wurden in feierlicher Prozession aus den Hallet: des 
Klosters zn den „Fräres-Prscheurs" gebracht, dann sank 
St. Arnulf für alle Zeilen in Trümmer. Es war, als ob 
tuil diesem Golieshause das Wahrzeichen des deutschen Kaiser 
tums gefallen und vernichtet sei.. Daß in diesen Tagen der 
Revolution dann auch noch die Grüfte von St. Arnulf aus 
geraubt wurden, erwähnten wir schon oben. — . 
Es ist bekannt, welch hochherzige, fast übermenschliche 
Anstrengungen Kaiser Karl V. gemacht hat, um Metz wieder 
zu erobern: — es ist oft geschildert worden, wie er mit eigener 
Hand bei den Verschanzungsarbeiten in den Laufgräben vor 
Metz mitgeholfen hat, allein: 
„Die Metze und die Magd 
Haben dem Kaiser den Tanz versagt!" 
Wir schätiien uns über die ehrlose Gesinnung, aits welcher 
heraus dies schmutzige Wort einstmals gesprochen werden 
konnte! — 
Es hat von da ab bis auf Kaiser Wilhelm I. kein Mann 
mehr, welcher der gesamten deutschen Station als Kaiserlicher 
Herr gebot, die Stadt Metz als Herrscher betreten! Und wenn 
in unseren Tagen die Glocken vor: Metz wiedemm einem Kaiser 
ertönt sind, dessen Haupt, mit dem Oelzweig des Friedens 
geschmückt, über alles deutsche Land hinleuchlet: dann wollen 
wir jubeln aus vollen: Herzen und doch ernsten, demütigen 
Sinnes es bekennen: 
„Der Herr hat Großes an tins gethan; 
Des sind wir sröhlich!" 
Preußens erste Königin. 
Von £. A. tum Minterfold. 
(Fortsetzung.) 
Am 28. September 1684 wurde die Hochzeit mit großem 
Pompe im Schlosse Herrenhausen gefeiert. Ein kostbarer Ring, 
ein Geschenk des Kurprinzen an seine erste Gemahlin, beider 
Ramenszug vereinend :md zwei verschlungene Hände mit der 
Inschrift: „äjamais“ darstellend, welcher als Trauring diente, 
sprang plötzlich auseinander, als ihn Sophie Charlotte vor 
dem Altar an den Finger steckte, und der Aberglaube dettleie
        
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